Köln kann auch anders – macht es aber nur selten

„Ich sehe es so“
von Peter Pauls

Geht man mit Besuch durch Köln, sieht man die Stadt mit freundlichem, doch mitunter auch distanziertem Blick. Mir ging es so, als Bob und Kay aus Philadelphia anreisten. Wir holten sie von der Bahn ab.

Natürlich gingen wir sofort in den Kölner Dom. Als wir auf dem Roncalliplatz standen, musste ich zum Dom-Hotel nichts erklären. Ein erbärmlicher Sichtschutz aus hellem Plastik, der in schiefen Ständern ruht, umgibt das einst sehr schöne Haus, an anderen Stellen hat man grobe Spanplatten hinter den Scheiben angebracht.
Ich erinnerte mich an München, wo man im kirchlichen Umfeld zu attraktiven Maßnahmen griff oder an meine Lieblingsstadt Johannesburg, wo man im Zweifel lokale Künstler machen lässt. Hier, wo Köln nicht stärker Köln sein kann, regiert Gleichgültigkeit. Wie schlecht es um das Dom-Hotel bestellt ist, macht bereits der Sichtschutz klar. Und wenn die Bayerische Versorgungskammer, der jetzige Eigentümer, guten Willen zeigen will – hier könnte er schnell und unproblematisch das Erscheinungsbild verändern.

Wir gingen zum Rheinufer und ich erklärte den Besuchern, warum Wachleute sie vom Dach der Philharmonie fernhielten. Ihnen fiel auf, wie übersät von Zigarettenstummeln das Pflaster, Teil eines Kunstwerks, ist. Fast möchte man meinen, der Abfall sei Teil des öffentlichen Raums geworden, so stark hat er sich verdichtet.

Am Rhein gingen wir zum Fischmarkt und stießen auf eine Baustellenverkleidung, die Ansätze von Gestaltungswillen erkennen ließ. Hinter der dunkelgrünen Plane saniert die Stadt Baumstandorte. Immerhin trägt man hier dem Gedanken Rechnung, dass über die Ostertage Abertausende von Besuchern durch Köln strömen.

Am Brunnen der Fischweiber trafen wir auf einen alten Bekannten, die rot-weiße Warnverkleidung. Warum man zumindest für sensible Zonen nicht eine optisch angemessenere Form der Absperrung finden kann, verstehe ich nicht. Diese Warnbaken sind ein Stilbruch – als müsse man im guten Restaurant den Wein aus der Flasche trinken. In der Achse vor dem Eingang von Groß St. Martin stehen am Ostersonntag überquellende Mülltonnen in Reihe, die Statuen von Tünnes und Schäl befinden sich in einer Linie mit einem vor sich hin rostenden Container.

Am Kölner Rathaus sind Ansätze einer Gestaltung zu erkennen. Wo saniert wird, erklärt die Verkleidung mit Figuren vom Rathausturm. Hinter dem Jan-von-Werth-Denkmal auf dem Alter Markt – eine Baustelle. Grüne Abdeckung mit Warnbaken. Chinesische Touristen integrieren die eigenwillige Gestaltung in ihre Erinnerungsfotos.

Wir kommen an Obenmarspforten an einem der berüchtigten Schilderwälder vorbei, auf dem in wildem Durcheinander verboten und erlaubt wird, und passieren die Baustelle für das Jüdisches Museum und die Archäologische Zone. Hier wäre eine Verkleidung gleich mehrfach angeraten. Städte, die klug geführt werden, erklären hier liebevoll, was gerade gebaut wird.

Das wäre Werbung für ein künftiges Köln. Der mit der Stadt nicht vertraute Besucher erkennt hier lediglich eine gewaltige Baustelle, in der inmitten von Bauschutt triumphal eine Art Bagger thront. Den besten Blick auf das Ensemble hat man von der Cafeteria des benachbarten Wallraf-Richartz-Museum.
Köln kann auch anders, möchte man ausrufen, wenn man die Opernbaustelle sieht. Der ehemalige Dezernent Bernd Streitberger, jetzt Bühnen-Betriebsleiter, hat sie mustergültig hergerichtet. Sogar der Brunnen hat Wasser. Schade, mit meinem Besuch war ich nicht am Offenbachplatz.

Quelle: KSTA 21.4.2017