Newsletter vom 19.06.2020

Am zurückliegenden Montag haben wir das zweite Interview mit einem der Kandidaten für die nächste OB Wahl im September ausgestrahlt. Nach dem parteilosen Roberto Campione stellte sich diesmal Andreas Kossiski vor, der Kandidat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Dabei kam Überraschendes zutage. Fangen wir mit dem Liebenswerten an. Andreas Kossiski stammt nicht aus Köln, sondern Schleswig-Holstein. Allerdings hat er – nach eigenem Bekunden – die 470 Kilometer zwischen seinem Heimatort und Köln auch einmal zu Fuß zurückgelegt: in der Riege der Kandidaten ist das wohl ein Alleinstellungsmerkmal . . .

Wir haben außerdem erfahren, dass seine Frau eine „überzeugte Italienerin“ ist aus Kultur-und Wirtschaftsmetropole Turin – und sich damit „das norddeutsche Eis und das italienische Feuer“ getroffen hätten.

Nun zum politischen Teil: eindeutig und ohne wenn und aber distanzierte sich Andreas Kossiski von den Rassismus Vorwürfen der SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken gegen die Polizei:

„Ich würde so darüber nicht reden . . . einen ganzen Apparat einem Rassismus Verdacht zu unterstellen, finde ich nicht gut . . . man darf nicht alle Menschen mit einem Pauschalurteil überziehen . . . 99,9 Prozent der Polizeibeamten, die ich kenne, sind nicht rassistisch . . . man schafft mit solchen Vorwürfen ein Klima, das diesen Kollegen und Kolleginnen nicht gerecht wird . . . „. So spricht der Kandidat, der selber Polizeibeamter ist, im offiziellen Interview, das Sie jederzeit hier nachhören können.
Wie mag er erst über seine Parteichefin denken?

Nun zu Köln. Hier gebe es, so Kossiski, in den Köpfen vieler Leute ein Missverständnis über die tatsächlichen Machtverhältnisse in der Stadt: Wenn man sich die Stadtpolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte ansähe, seien es in Wahrheit die Grünen, die die Geschicke der Stadt dauerhaft und am intensivsten hätten beeinflussen können. „Das ist die Partei, die in dieser Stadt die Politik maßgeblich mitbestimmt“.

Für Kossiski ist wiederum klar, dass man Köln nicht autofrei machen kann – das mag, wenn überhaupt, ein langfristiges politisches Ziel sein …“ Wir brauchen aber die Möglichkeit, in diese Stadt auch mit Autos zu kommen“. Wenn Sie das gelesen haben, halten auch Sie es für wahrscheinlich, dass der Kandidat Kossiski eher nicht auf grüne Politik setzt, nicht wahr? Wenn es so ist, dann sind wir einer Meinung.

Sprengstoff könnten Kossiskis Äußerungen zur Sanierung der Kölner Oper entwickeln. Kossiski sagt zum einen, die SPD sei „immer“ für einen Neubau gewesen. Es gibt viele Menschen in dieser Stadt, die haben es anders in Erinnerung. Abgerissen werden sollte das Theater. Aber sei es drum. Nun, so der Kandidat Kossiski weiter, werde die Entscheidung für die Erneuerung des Riphahn Baus mit schon 850 Millionen Euro Kosten zu einem „finanziellen Grab“. Er deutet an, dass man einen Weiterbau abhängig machen sollte von dem geplanten Auftrag, den Innenraum des Opernhauses im 3-D-Verfahren räumlich darzustellen. Wie vor zehn Jahren ist die Grundfrage gleich geblieben: passt in das Haus überhaupt hinein, was nach neuen Vorschriften dort hineinpassen soll? Und falls das nicht der Fall ist – gibt es Zusatzräume, die noch Technik aufnehmen können? Sollte sich ergeben, dass der Riphahn Bau den Anforderungen einer modernen Oper eben doch nicht entsprechen könnte, wäre ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. „Und dann müssen wir eine neue Oper bauen“.

Kossiski spricht damit – vor der Kommunalwahl – etwas aus, was als Gedankenspiel sicher auch im Büro der Oberbürgermeisterin erörtert werden müsste, wenn man dort nüchtern auf die Gegebenheiten schaut. Das ist sehr tapfer von ihm. Wir müssen gespannt sein, wie Henriette Reker zu dem Thema steht. Es ist zwar ein Schlamassel, den andere ihr hinterlassen haben. Aber mit den Jahren ist es auch ein wenig ihr Schlamassel geworden. Was sagt Bernd Streitberger? Der ehemalige Baudezernent sollte eigentlich das Problem für Reker lösen. Hat er das getan?

Andreas Kossiski spricht (gut- bis groß-) bürgerliche Kreise an und geht bewusst auf Distanz zu den Grünen, die als Spitzenkandidatin auf Christiane Martin gesetzt haben, die sich „frischer“ nennt. Man könnte das auch entschlossener, womöglich radikaler nennen, was zum Beispiel die Verkehrspolitik betrifft. Wo Martin auf Wandel setzt – Straßenbahnlinie auf der Inneren Kanalstraße – setzt Kossiski auf ein Nebeneinander der Verkehrsteilnehmer.

Empfiehlt sich da einer – auch – der CDU und ihren Wählern?, fragt

Ihre

Hildegard Stausberg