Die strenge Stausberg

Ralph Giordano hatte Recht

In diesen Tagen rasant wachsender Spannungen und Auseinandersetzungen mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, muss ich immer wieder an den Ende 2014 verstorbenen Publizisten Ralph Giordano denken.

Hier und da sahen wir uns beim Einkaufen im Süden Kölns und tauschten Eindrücke und Gedanken aus. In den letzten Jahren vor seinem Tode fiel ihm das Gehen immer schwerer, aber im Kopf blieb er klar. In der jahrelang heftig geführten Diskussion über die Errichtung der sogenannten „Kölner Zentralmoschee“ war er von Anfang an einer der unerbittlichsten Gegner dieses ambitioniertesten Bauvorhabens der Ditib. Im November 2009 kam es dennoch zur offiziellen Grundsteinlegung.

Wenn man heute nachliest, mit wie viel vorauseilendem Wohlwollen und ungeahnter Naivität die wichtigsten handelnden Personen – allen voran der damalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) – der Ditib entgegengekommen sind, mag man das kaum noch glauben. Allerdings: Wäre die Moschee – wie ursprünglich geplant – schon 2012 eingeweiht worden, wäre die Brüchigkeit dieser Kompromisse wohl gar nicht so sichtbar geworden. Jetzt aber ist die Ditib, unser „netter Partner“ von einst, so diskreditiert, dass man sich fast wünschen möchte, die Vollendung dieser Moschee solle ruhig so lange dauern wie einst der Bau des Kölner Doms. Denn wie will man jetzt eigentlich umgehen mit der den Moscheeweiterbau betreibenden Organisation, schließlich ist diese nach Erkenntnissen des nordrheinwestfälischen Verfassungsschutzes in die Bespitzelung türkischer Imame tief verstrickt? Auch zeigt sich immer klarer, dass enge strukturelle Verflechtungen zwischen Ditib und den türkischen Generalkonsulaten einen direkten Zugriff Ankaras hier in Deutschland ermöglichen. Was für ein Horrorszenario: Moscheen in Deutschland als servile Unterstützungszentren für die Machtfantasien eines Erdogan.

Giordano hat das Problempotenzial mit schonungsloser Weitsicht prognostiziert. Schon Mitte 2006 sagte er in Richtung Ditib, es gebe in den islamischen Verbänden in Deutschland Funktionäre, „die den liberalen Rahmen und die Toleranz der freiheitlichen Verfassung nutzen, um totalitäre Ansichten von Staat und Religion in ihren Enklaven durchzusetzen“. Und er prangerte den Versuch an, „die Spielregeln rechtsstaatlicher Verfasstheit zu unterminieren und die Standards der Demokratie zu verweigern“. Es scheint immer mehr so, als ob die Ditib alles tut, um Ralph Giordano posthum recht zu geben.

von Dr. Hildegard Stausberg

Quelle: welt.de

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