NEWSLETTER 20.02.2026

Über Köln als Pilgerort, die Weltkarte des Filmgeschäfts und vom Sein des Scheins

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

will man mal – nur ein ganz kleines bisschen – übertreiben, könnte man sagen: Die Film- und Medienstiftung NRW (FMS) reist in diesem Jahr nicht zur Berlinale, sie zieht dort ein. Elf geförderte Produktionen in den offiziellen Festival-Reihen, zwei davon im Wettbewerb, sind nicht nur eine Visitenkarte, sie sind ein selbstbewusstes Statement und ein Beleg für die Stärke des Medien-Standorts Nordrhein-Westfalen. Die Tatsache, dass zwei Beiträge um den begehrten „Goldenen Bären“ im Rennen sind, zeigt, dass die Stiftung längst nicht mehr nur heimische Kulisse exportiert, sondern Stoffe und Handschriften mit internationaler Strahlkraft ermöglicht.

Erfreulich aus Kölner Sicht ist zudem, dass die ausgesprochen erfolgreiche Produktionsfirma Heimatfilm, die bereits 2010 den “Goldenen Bären“ gewonnen hat und mit Regie-Größen wie Margarethe von Trotta arbeitet, gleich mit zwei Filmen auf der Berlinale vertreten ist. Überhaupt ist Köln Heimstatt von Unternehmen aus der Medienwirtschaft, die außerhalb von Stadt und Region fast mehr gelten zu Hause. Auf der Weltkarte des internationalen Filmgeschäfts hat es Nordrhein-Westfalen mit der Filmstiftung geschafft, eine herausragende Adresse zu sein. Köln hat Tradition als weltberühmter Pilgerort, inzwischen auch für Produzenten und Regie-Stars.

Der diesjährige Auftritt der Filmstiftung auf einem der neben Cannes und Venedig wichtigsten Festivals findet zum Beginn eines Jahres statt, das ein kleines Jubiläum markiert: Am 22. Februar 1991, also vor exakt 35 Jahren, hoben der WDR und das Land NRW die Einrichtung aus der Taufe, später kamen noch das ZDF und RTL als Gesellschafter dazu. Inzwischen ist die Stiftung, die seit dem vergangenen Jahr in der Medienstadt Köln sitzt, eine wesentliche Säule der deutschen Filmwirtschaft.

Unzählige Produktionen und Preise haben das Land zwischen Rhein und Weser zu einem internationalen Hotspot der Branche werden lassen. So ist der Chef der Film- und Medienstiftung Walid Nakschbandi zurecht stolz darauf, dass sein Unternehmen auf der Berlinale gleich in mehreren Festival-Reihen prominent vertreten ist: „Diese enorme Vielfalt zeigt, wie kraftvoll, mutig und relevant das Filmschaffen aus NRW ist.“

Regie-Stars wie Wim Wenders (die Filmstiftung vergibt jährlich einen nach ihm benannten Preis) und Werner Herzog, internationale Größen wie Lars von Trier und David Lynch sind mit Region und Stiftung ebenso verbunden wie Tom Tykwer (“Lola rennt“ und „Babylon Berlin“). Die beeindruckende Liste ließe sich von Jane Campion („The Piano“) bis zu Joshua Oppenheimer fortsetzen.

Das folgt, das gehört natürlich zur Wahrheit dazu, einer strategischen Überlegung: Wer von der Stiftung gefördert wird, verpflichtet sich, dass ein Großteil dieser Mittel auch im Land ausgegeben werden müssen – zum Beispiel für die Miete der Kölner MMC-Studios im Stadtteil Ossendorf, die zu den größten ihrer Art in Europa gehören, für lokale Postproduktionsfirmen oder durch Drehs in der Region. Die Düsseldorfer Politik weiß natürlich um den wirtschaftlichen und kulturpolitischen Wert dieses Aushängeschildes. In der Tradition ihrer Vorgänger stützen und fördern Ministerpräsident Hendrik Wüst und sein umtriebiger Medienminister Nathanael Liminski die FMS.

Während an der Spree noch geschaut, gefeiert und genetzwerkt wird, geht der Blick von Walid Nakschbandi schon weiter. Seit dem ersten Halbjahr gilt eine neue Förderstrategie, beim glamourösen Filmfestival von Cannes ist ein repräsentativer, selbstbewusster Auftritt geplant und beim sogenannten Seriencamp im Juni werden wieder Gäste aus ganz Europa erwartet. Film, Fernsehen und Streaming sind, das zeigt die FMS, doch mehr als nur schöner Schein. 

 

In diesem Sinne grüße ich Sie, herzlich wie stets,

 

Ihr

Michael Hirz