NEWSLETTER 11.09.2026

Akrobatik im Foyer, Silent Disco auf dem Dach — und was sich die Philharmonie-Intendantin sonst noch einfallen lässt

 

Liebe Mitglieder,liebe
Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

es war genau der falsche Zeitpunkt. Ausgerechnet kurz vor dem Jubiläum tropfte es. Durch die Decke ins Foyer der Philharmonie. Während vor der Tür die Einladung zum 40. Geburtstag des Kölner Konzerthauses leuchtete, musste im Inneren mit Hochdruck der Wasserschaden behoben werden. Jetzt erinnert eine mit blauer Plastikfolie ummantelte Säule wie ein Mahnmal an den Sanierungsbedarf.

Als Ewa Bogusz-Moore aus Polen vor gut einem Jahr den Job als Intendantin der Philharmonie antrat, war klar, dass eine Generalsanierung in absehbarer Zeit notwendig wird, auch in dem benachbarten 50 Jahre alten Museum Ludwig. Eine große Aufgabe, aber nur eine von vielen. Die Intendantin verpasste dem Philharmonie-Logo frischen Schwung, nahm sich vor, das Konzerthaus für neue Zielgruppen und Formate zu öffnen und stärker in die Stadtgesellschaft hineinzuwirken. Nur eine Vision oder mehr? Zeit für eine Bestandsaufnahme und ein Gespräch mit der Intendantin.

Ich treffe Ewa Bogusz-Moore mittags in ihrem Büro, in dem sie durch tiefe Fenster auf die Bischofsgartenstraße schaut. Das Haus vibriert so kurz vor dem Jubiläumswochenende im Vorbereitungsmodus. Die Chefin wirkt entspannt, trotz des Wasserschadens. Was bewegt sie besonders an diesem Fest? Wenn an diesem Wochenende zum ersten Mal eine Verbindungstür zwischen dem Museum Ludwig und dem Philharmonie-Foyer geöffnet wird, sagt sie, dann sei das auch symbolisch. „Es bedeutet mir viel, dass wir an einem gemeinsamen Ort gemeinsam feiern. Das Publikum soll spüren: Hier gibt es eine verbindende Kraft zwischen Kunst und Musik.“ Und nach dem Jubiläum? „Ich wünsche mir, dass dieses Gefühl der Gemeinsamkeit auch über das Jubiläumswochenende hinaus lebendig bleibt. Vielleicht können wir immer mal wieder die Türen öffnen, wir sind im Austausch mit dem Museum.“

Öffnung ist für Ewa Bogusz-Moore so etwas wie ein Schlüsselwort; es steht für vieles, was sie plant oder schon realisiert hat. Die Familienkonzert-Reihe „Sonntags um vier“; im Herbst das Festival „In Motion“, das Musik und Bewegung verbindet; im nächsten Jahr „Acht Brücken“ mit neuem Konzept. Das Festival wird dann nicht mehr ausschließlich auf zeitgenössische Musik konzentriert sein, sondern wird für aktuelle Musik stehen, also andere Genres einschließen. „Von Jazz über World Music bis Karneval“, sagt Ewa Bogusz-Moore. „Es ist für mich ein Zeichen der Zeit, dass wir uns auch hier öffnen.“

Die Intendantin wünscht sich ein offenes Haus „nicht nur metaphorisch, sondern auch im wörtlichen Sinn“. Sie würde gerne das Foyer viel mehr in das Konzerterlebnis einbeziehen. „Hier soll die Reise zur Musik schon beginnen.“ Was sie damit meint, wird bei „In Motion“ bereits zu sehen sein, wenn Tanz-Performances und Akrobatik das Publikum im Foyer auf das einstimmen, was später im Saal stattfindet.

Neue Ideen gibt es auch für ein jahrzehntealtes Problem: den unzureichenden Schallschutz zwischen Konzertsaaldecke und dem darüberliegenden Heinrich-Böll-Platz. An jedem Probe- oder Veranstaltungstag müssen Wachleute das Areal auf dem Platz absperren, damit keine Fußgängerschritte oder Rollkofferlärm die Musik unten im Saal übertönen. „Ein personalintensiver, aber bis dato leider unvermeidbarer Aufwand“, sagt Ewa Bogusz-Moore. Die Kosten gibt die Stadt auf Anfrage mit jährlich rund 269.000 Euro an (Durchschnittswert der letzten fünf Jahre). Da bauliche Maßnahmen zeitnah nicht anstehen, denkt die Philharmonie-Chefin in andere Richtungen. „Wir versuchen fallweise, künstlerische Lösungen zu finden, wie zum Beispiel jetzt beim Jubiläumsfest am 13. September, wenn es eine Silent Disco auf dem Heinrich-Böll-Platz geben wird.“

Und die Generalsanierung? Ist im Warteschleifen-Modus. Die Pressestelle der Stadt verweist darauf, dass künftig alle größeren Bauvorhaben einen „eng strukturierten Priorisierungsprozess“ durchlaufen sollen, „um unnötige Planungskosten zu vermeiden“, wie es in einer Mitteilung aus dem April 2026 heißt. Derweil tropft es in der Philharmonie. Aktuell vermutlich aus einem undichten Gully auf dem Heinrich-Böll-Platz. Und Ende letzten Jahres fiel im Konzerthaus der Strom aus, das Notstromaggregat funktionierte nicht, Konzerte mussten ausfallen. Nach 40 Jahren, so Ewa Bogusz-Moore, „bröckelt doch schon sehr der Lack — im übertragenen Sinne natürlich.“ Aus Sicht der Intendantin sollte der Zustand des gesamten Gebäudekomplexes analysiert werden, „um die kritischen Themen zu lokalisieren und einen Zeitplan für die Einzelmaßnahmen aufzustellen„. Im laufenden Betrieb wurden in der Philharmonie zwischenzeitlich die Saalbeleuchtung erneuert und der Bühnenaufzug saniert.

Letztes Jahr war die Verwaltung schon so weit, den Betrieb von Museum und Philharmonie an eine externe Firma abzugeben. In der entsprechenden Beschlussvorlage vom 8. Mai 2025 wurde dies unter anderem mit der Betriebssicherheit begründet. Es bestehe „die dringende Notwendigkeit, die Leistungen des technischen Gebäudebetriebs nach europaweiter Ausschreibung an ein externes Dienstleistungsunternehmen zu vergeben.“ Auf die Frage nach dem Stand des Verfahrens teilt die Stadt jetzt mit, dass das Vorgehen im Zusammenhang mit der Betriebssicherheit des Gebäudekomplexes „derzeit Gegenstand verwaltungsinterner Abstimmungen sei.“

Vielleicht war der Zeitpunkt für den Wasserschaden im Foyer pünktlich zum Jubiläum doch nicht so verkehrt. Jetzt ist unübersehbar, dass etwas passieren muss.

Wenn Sie mehr von und über Ewa Bogusz-Moore erfahren möchten, können Sie sich schon einmal vormerken, dass die Philharmonie-Intendantin am 5. November im Kölner Presseclub zu Gast sein wird.

In gespannter Erwartung des Kölner Kulturherbstes und mit herzlichen Grüßen

Ihre Cordula von Wysocki