NEWSLETTER 25.09.2026

Weltkulturerbe trifft Kölner Wirklichkeit: Flaggenmaler, Baustellen und das organisierte Durcheinander rund um den Dom

 

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

wer heute rund um den Dom geht, erlebt ziemlich anschaulich, wie Köln mit seinen Problemen umgeht: Der Verkehr wird chaotisch umgeleitet, Baustellen wandern ein paar Meter weiter und manches, was eigentlich verschwinden sollte, taucht einfach an anderer Stelle wieder auf. Aber wie könnte dieser Ort eigentlich aussehen? Wenn man mit Dombaumeister Peter Füssenich über das Domumfeld spricht, nimmt er einen zunächst mit auf eine kleine gedankliche Reise. Sie beginnt westlich vor dem Dom, dort, wo die Kreuzblume steht. Die Kathedrale im Rücken. Augen zu! Stellen wir uns folgendes Bild vor:

Keine Autos. Keine Taxen. Keine Bimmelbahn. Keine Poller. Stattdessen ein schön gestalteter Platz mit hochwertigem Bodenbelag. Die Kreuzblume steht nicht mehr in der Sichtachse des Doms. Es gibt Bäume und bepflanzte Beete. Bänke laden zum Sitzen ein. Menschen laufen hier nicht nur kreuz und quer oder eilen vom Hauptbahnhof in die Innenstadt. Sie bleiben stehen, setzen sich, schauen vielleicht sogar einmal auf die gewaltige Westfassade des Doms. Füssenich beschreibt einen Ort, der nicht bloß Durchgang ist, sondern ein öffentlicher Raum, der einem der bedeutendsten Bauwerke Europas gerecht wird.

Und dann: Augen wieder auf. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Statt eines großzügigen, einladenden Platzes bestimmen Terrorpoller, Bimmelbahn, Bauzäune, Taxen, E-Roller, Fahrräder, verschiedenste Bodenbeläge, Bordsteinkanten und Stolperstellen, Lieferverkehr und Autos das Bild. Dazwischen drängen sich riesige Fußgängerströme auf engstem Raum. Wer aus dem Hauptbahnhof kommt, betritt keinen würdigen Vorplatz des Weltkulturerbes, sondern muss sich zunächst zwischen Absperrungen, Fahrzeugen und Menschenmassen seinen Weg bahnen.

Und Füssenich stellt eine erstaunlich einfache Frage: Warum gibt es für diesen außergewöhnlichen Ort noch immer keinen Plan, der ihn als Ganzes betrachtet? Schon vor mehr als einem Jahrzehnt habe er dafür geworben, bei der Neugestaltung des Domsockels auch die Westseite mitzudenken. Damals sei die Antwort der Stadt sinngemäß gewesen: Wir machen jetzt erst einmal das eine fertig. Und heute? Füssenich wird nachdenklich: „Wie lange sollen wir warten, bis dieser Bereich einmal zu dem wird, was ihm gebührt?“

Großer Dom, kleiner Plan. Dombaumeister Peter Füssenich kritisiert das Stückwerk am Dom.
Foto: Hessel

Im Gespräch wird schnell deutlich, dass es Füssenich um mehr geht als um die Westseite des Doms. Für ihn zeigt sich hier ein grundsätzliches Kölner Problem: Zuständigkeiten enden an Grundstücksgrenzen, Planungen an der nächsten Baukante. Eigentlich, sagt Füssenich, bräuchte Köln so etwas wie ein Amt für den öffentlichen Raum. Eines, das über Ämter- und Grundstücksgrenzen hinweg denkt und das Ganze im Blick hat.

Wie die Stadt Köln ein Problem erkennt, ausführlich beschreibt und am Ende doch nur um wenige Meter verschiebt, zeigt sich besonders deutlich an den sogenannten Flaggenmalern. Jahrelang gab es rund um die Domplatte erhebliche Beschwerden. Was auf den ersten Blick wie folkloristische Straßenkunst wirkt – große Kreise aus Nationalflaggen, auf denen Touristen Münzen hinterlassen –, hatte nach Darstellung der Stadt längst eine andere Dimension erreicht. Straßenkünstler wurden auf der Domplatte „mehr und mehr von organisierten Pflastermaler*innen (!) verdrängt“. Zeitweise gab es dort bis zu sieben Flaggenmaler gleichzeitig. Passanten und Reinigungskräfte erlebten Aggressivität und wurden sogar bedroht. Polizei und Ordnungsdienst mussten nach Angaben der Stadt täglich ausrücken. Das Problem war also bekannt und von der Verwaltung klar benannt. Ihr Vorschlag deshalb: Straßenmalerei im gesamten Domumfeld verbieten! Doch dafür fand sich politisch keine Mehrheit. So beschloss der Rat 2024 schließlich ein Verbot rund um den Dom mit einer bemerkenswerten Ausnahme: dem Roncalliplatz. Die umstrittenen Flaggenmaler sind damit also nicht verschwunden. Sie sind jetzt an einem der prominentesten Plätze der Stadt und inzwischen wieder in größerer Zahl, wie ich selbst beobachten konnte.

Ausgerechnet dort entsteht gerade wieder eine der ersten Adressen Kölns. Im August durfte der Kölner Presseclub das fast fertiggestellte Althoff Dom Hotel besichtigen. Drinnen lässt sich bereits erahnen, welcher internationale Anspruch mit diesem Haus verbunden ist. Draußen auf der großen Terrasse fällt der Blick auf den Roncalliplatz: auf die Flaggenmaler, einen Brunnen, der derzeit alles andere als ein Schmuckstück ist, und das geschlossene Römisch-Germanische Museum, an dem umfangreiche Sanierungsarbeiten – wer weiß wie lange – bevorstehen. Der Gegensatz ist kaum zu übersehen. Man kann die Flaggenmaler für eine Petitesse halten. Doch der Umgang mit ihnen erzählt viel darüber, wie Köln Probleme löst: Auf dem Papier ist etwas geregelt, in der Wirklichkeit wird das Problem lediglich um wenige Meter verschoben.  Kurzsichtiger lässt sich Stadtpolitik kaum betreiben.

Und es betrifft nicht nur das Dom Hotel. Auch vor dem benachbarten Excelsior Hotel Ernst sorgen Baustellen, Fußgängerströme und Verkehr täglich für ein ziemliches Durcheinander. Damit sind wir bei der Trankgasse und bei einer weiteren Entscheidung, deren Folgen offenbar nicht zu Ende gedacht wurden. Seit die Stadt einen Teil zur Fahrradstraße machte, müssen Autofahrer Umwege fahren, Hotels und Parkhäuser sind schwerer erreichbar. Betroffene beklagen zudem, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein. CDU und FDP/KSG wollten die Sperrung deshalb aufheben, fanden dafür aber keine Mehrheit. Nun soll die Verwaltung prüfen, ob die Straße wenigstens bei außergewöhnlichen Verkehrslagen geöffnet werden kann. Erst sperren, dann über die Folgen nachdenken, auch das ist Kölner Wirklichkeit.

Darüber diskutiert der Kölner Presseclub am 8. Oktober um 19.30 Uhr mit drei unmittelbaren Nachbarn des Domumfelds: Georg Plesser, Vorstand und General Manager des Excelsior Hotel Ernst, Msgr. Robert Kleine, Dom- und Stadtdechant, und Guntram Weipert, General Manager des Althoff Dom Hotels. Die Einladung finden Sie unter dem Newsletter. Ich freue mich auf Sie.

 

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Claudia Hessel