Newsletter vom 1.07.2022

Für die einen ärgerlich teuer, für andere unbezahlbar – Lebensmittel werden auch in Deutschland knapp

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

es ist schon richtig, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Aber ein Leben ohne Brot, also ohne Nahrung, geht erst recht nicht. Diese Erkenntnis hat uns Corona, vor allem aber der unselige Krieg im Osten Europas wieder ins Bewußtsein gerückt. Die umfassende Versorgung mit Lebensmitteln aller Art gehörte zu den fast schon langweiligen Selbstverständlichkeiten unseres Alltagslebens. Auch das zerschellt gerade an etwas, das der Kanzler mit „Zeitenwende“ bezeichnet hat. Lebensmittelknappheit ist hierzulande nicht mehr nur Geschichte, sie scheint auch Teil unserer Zukunft zu werden.

Schon jetzt sind Lücken in den Regalen von Rewe und Edeka, von Aldi und Lidl an der Tagesordnung. Und da, wo das Angebot noch üppig ist, sind die Preise es ebenfalls. Billig war gestern. Wer beim Tanken und beim Strom noch nichts von Inflation gemerkt hat, spürt das spätestens im Supermarkt. Ist das erst der Anfang einer besorgniserregenden Entwicklung? Etliche Produkte gibt es kaum oder gar nicht mehr, bei den anderen lernen die Preise gerade einen zügigen Galopp. Für viele Haushalte, die bislang schon scharf rechnen müssen, eine Schreckensvorstellung, denn was für die einen nur ärgerlich teuer wird, wird für die anderen unbezahlbar.  Was kommt auf uns zu und was sind das für Ursachen? Jemand der das wissen muss ist Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes und des Dachverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Lebensmittelindustrie
(Foto: Matthias Martin)

Beruhigen kann Minhoff auch nicht, aber erklären kann er. Nach zwei Jahren Corona sieht er die deutsche Ernährungsindustrie „in der größten Krise seit 70 Jahren“. Es gebe kaum einen Bereich, in dem die Kosten nicht stiegen. Haupttreiber sind nach seiner Darstellung Rohstoffe, Energie, Verpackung und Logistik. So lagen die Rohstoffpreise im April 2022 satte 52,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Für Weizen hat sich an den Handelsplätzen der Preis innerhalb eines Jahres verdoppelt, für Hartweizen gar verdreifacht.

Die Energieabhängigkeit der Branche mit ihren über 6.000 Betrieben ist enorm: Die Erzeugnisse müssen erhitzt und gekühlt werden, gemahlen, gepresst oder auch gemischt. Das geschieht überwiegend mit Gas (die Lebensmittelindustrie ist der viertgrößte Gasverbraucher) – doch da gab es binnen Jahresfrist einen Preisanstieg von mehr als 300 Prozent – und der Aufwährtstrend ist keineswegs gebrochen, gleichzeitig herrscht völlige Unklarheit, ob die Versorgung überhaupt gesichert ist. Als Nachteil erwies sich auch, dass die Lebensmittelhersteller im Zuge der Energiewende ihre Produktion auf Gas umgestellt haben – und sich damit ein sattes Problem eingehandelt haben.

Nimmt man noch die gerissenen Lieferketten wegen des Fahrer- und Containermangels hinzu, verdüstert sich das Bild vollends und wir müssen uns, so macht das Gespräch mit Minhoff deutlich, auf kräftige Preisschübe und gelegentlich leere Regale einstellen. Angesichts weltweit drohender Hungersnöte ist das immer noch verkraftbar. Aber die Welt, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Auch nicht im Supermarkt.

Weitermachen, wo wir vor Corona aufgehört haben? So einfach ist das auch auf anderen Feldern nicht mehr. Flughäfen und Luftverkehr sind europaweit ein so plakativ wie extremes Beispiel dafür. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen und komplexe wirtschaftlich-gesellschaftliche Bereiche schnurren, wie man es vor der Pandemie gewohnt war.

Wie steht es mit der Kölner Messe? Sie ist für diese Stadt und ihr Umland ein Vitalfaktor. Die Hälfte aller Übernachtungsgäste sind Messe- oder Kongressbesucher. Sie sorgen für rund eine Milliarde Euro Umsatz in der Region. In China, Brasilien und Indien zahlt die Koelnmesse direkt auf das Ansehen der Stadt ein. Wie hat ihr Publikum sich verändert und sie sich selbst? Wie sieht es mit der Konkurrenz in Europa aus? Wie ist sie durch die Covid-Jahre gekommen? Wo hat der Staat wie unter die Arme der dortigen Messe-Gesellschaften gegriffen? Welchen Einfluss hat der Ukraine-Krieg?  Über all das wollen Hildegard Stausberg und Peter Pauls am Donnerstag, 14. Juli, 19.30 h, im Kölner Presseclub im Excelsior Hotel Ernst mit Messechef Gerald Böse sprechen (Anmeldung info@koelner-presseclub.de).

Das ist gleichzeitig auch ein Gespräch über diese Stadt, denn der Messe-Manager sieht sie aus zwei Perspektiven: als Kölner, der freundlich für seinen Messestandort wirbt. Stets jedoch auch mit dem kritischen Auge seiner internationalen Kunden. Nähe darf da nicht den Blick trüben.  Freuen wir uns auf einen interessanten Abend, der mit Gesprächen bei Sekt und Selters endet.

Nicht enden, aber eine Sommerpause einlegen wird unser wöchentlicher Newsletter. Ab Ende August werden wir Sie wieder verlässlich jede Woche freitags mit ausgewählten Themen aus Stadt, Land und der weiten Welt versorgen. Bleiben Sie gesund und ich wünsche Ihnen im Namen des Kölner Presseclubs eine sonnige, erholsame Zeit.

In diesem Sinne grüßt Sie, herzlich wie stets,

Ihr

Michael Hirz