Newsletter vom 10.12.2021

Rheinenergie mit neuem Chef – Das Impfen hat ein Nachfrage-Problem

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

natürlich darf auch Politik sich irren, schließlich ist Irren menschlich und Politiker sind – selbst wenn Querdenker und andere Sonderlinge ihnen das absprechen mögen – eben auch nur Menschen. Doch interessant ist das Urteil von Jürgen Zastrow zur Corona-Situation, die er in einem Punkt komplett anders sieht als die Politik: „Wir haben definitiv kein Angebots-Problem. Wir haben ein Nachfrage-Problem. Nicht der Impfstoff ist knapp, sondern die Nachfrage danach ist eingeschlafen.“ Nun ist Jürgen Zastrow nicht irgendwer. Der promovierte HNO-Facharzt ist Chef des Impfzentrums Köln. Er hat also nicht den abstrakten Blick aus den luftigen Höhen der politischen Kommandozentralen, sondern den eines Arztes, der vor Ort und sehr konkret mit der Seuche ringt.

Im Gespräch macht er deutlich, dass die Impfangebote hoch sind. Man solle, so Jürgen Zastrow, also nicht zu viel Energie in eine Verbesserung der Angebote investieren, sondern man müsse dringend die Nachfrage stimulieren. Noch sei ein knappes Viertel der Bevölkerung nicht geimpft – deutlich zu viel, um die Pandemie wirkungsvoll einzubremsen. Dabei handele es sich bei den Ungeimpften nur zum kleineren Teil, nach seiner Schätzung etwa fünf Prozent, um hartleibige Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker und strenggläubige Homöopathie-Apostel. Denen sei ohnehin nicht zu helfen.

Entsprechend fordert er massive Kampagnen und Anreize, um die Bereitschaft zu stimulieren, sich selbst und andere zu schützen. Nicht ohne einen gewissen Stolz verweist er darauf, dass allein in den Kölner Arztpraxen in der vergangenen Woche 65.000 Personen gegen Corona geimpft worden seien, also fast 10.000 pro Tag: „Damit sind wir eigentlich ganz zufrieden.“ Mit der Anmietung von zusätzlichen Räumen für das Gesundheitsamt am Neumarkt, der Öffnung für impfwillige Fußgänger und Radfahrer an der Lanxess-Arena und den mobilen Impfteams forciert jetzt auch die Stadt das Tempo bei der Seuchenbekämpfung. Rund 6.000 Impfungen pro Tag lautet das ambitionierte Ziel der Stadt-Spitze. Das klingt nach Energie.

Apropos Energie – wer wird neuer Chef der Rheinenergie? Ende August 2022 scheidet Dieter Steinkamp altersbedingt aus dem Amt. 2007 kam der Manager nach Köln, 2009 rückte er an die Spitze des Unternehmens, das unter seiner Führung ein ganz Großer unter den regionalen Dienstleistern wurde. In 2020 erwirtschaftete die Rheinenergie 170 Millionen Euro Gewinn (bei 2,47 Milliarden Umsatz), ist damit Schwergewicht im Konzern der Stadtwerke Köln, trägt erheblich zum Haushalt der Stadt Köln bei und mindert das Defizit der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Steinkamp verbindet das sachliche Denken des Managers mit der Kreativität des Gestalters von Energie-Netzwerken. Sein Name steht für eine Vielzahl an Beteiligungen und nicht zuletzt die „Rheinland-Kooperation“, in der Rheinenergie und die Eon-Tochter Westenergie ihre regionalen Beteiligungen bündeln.

Andreas Feicht heißt dem Vernehmen nach sein Nachfolger. Der 50-jährige hat einen Namen. Doch als beamteter Energiestaatssekretär im Ministerium des Peter Altmaier, der nun sein Amt an Robert Habeck (Grüne) übergab, wäre er als CDU-Mitglied unter der neuen Regierung nicht glücklich geworden. Und für einen nachgeordneten Abteilungsleiter-Posten scheint der gebürtige Bayer zu umtriebig und aktiv. Feicht kennt die weitere Region Kölns – er war bei den Wuppertaler Stadtwerken viele Jahre für die Energieversorgung verantwortlich und gleichzeitig Geschäftsführer der Stadtwerke. Ferner hat er Verbandserfahrung und verfügt über ein politisches Netzwerk. Seine Papierform ist ausgezeichnet.

Anders als sein Vorgänger kennt er noch nicht den Beipackzettel für diese Stadt, ihre „Wirkungen und Nebenwirkungen“, ihre Türen und Falltüren. Wie man einem Manager den Ausstieg einfach macht, zeigte die Stadt Köln, als sie ihrem eigenen Unternehmen Rheinenergie zum Jahreswechsel den Vertrag zu kommunaler Energieversorgung kündigte. Auf die Mischung aus Unbedarftheit, Naivität mit einem schlecht dosierten Quäntchen an Gemeinheit wird er sich einstellen müssen.

In diesem Sinne grüßt Sie, herzlich wie stets,

Ihr

Michael Hirz