Newsletter vom 12.11.2021

Ex-Bayer-Vorstand Werner Spinner fordert: Fünf- bis Zwölfjährige gegen Corona impfen

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

es gibt positive Nachrichten, auf die man gerne verzichtet. Zum Beispiel beim Corona-Test. Doch da häufen Sie sich gerade. Mit mehr als 50.000 Neuinfektionen pro Tag schleift die Pandemie gerade eine Höchstmarke nach der anderen. Wie humorlos und ohne Respekt für Brauchtum Corona ist, lässt sich beispielhaft in Köln beobachten: Pünktlich zum Start in die Session am 11. im 11. hat es den närrischen Hochadel getroffen: Prinz Sven I. ist vom Virus befallen und damit das gesamte Dreigestirn in Zwangspause. Jeck ist anders und das karnevalistische Fußvolk derzeit führungslos. Der Machtkampf zwischen Frohsinn und Corona zumindest ist vorerst entschieden. Aber es gilt immer noch: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Das Lachen vergangen ist allerdings Werner Spinner. Den ehemaligen Bayer-Vorstand (und, ja, natürlich auch FC-Präsident) bringt der Umgang mit der pandemischen Herausforderung so richtig in Rage. Vor allem das Schicksal der Kinder treibt ihn um und sein Zorn gilt vor allem der Ständigen Impfkommission (STIKO): „Dass der Impfstoff für Fünf- bis Zwölfjährige immer noch nicht zugelassen ist, ist völlig unverständlich. Auch bei den älteren Kindern hat die Zulassung viel zu lange gedauert“, meint der im internationalen Gesundheitswesen erfahrene Werner Spinner. Damit werde den Kleinsten der Gesellschaft völlig unnötiges Leid zugefügt. „Kinder haben eben keine Lobby“.

Er begründet seine Haltung auch damit, dass die USA für Kinder längst – und erfolgreich – eine Impfzulassung erteilt haben: „Die US-Zulassungsbehörde ist eine der strengsten der Welt“, weiß er aus als Ex-Bayer-Manager aus eigener Erfahrung.  „Angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen sollte Deutschland auch nicht auf die EU warten. Eine Notzulassung des Impfstoffs für Kinder wäre der gebotene Weg.“

Nicht nur für Werner Spinner ist Corona wieder das alles beherrschende Thema. Das zeigen die Umfragezahlen des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Inzwischen befürwortet eine Mehrheit der Befragten sogar eine allgemeine Impfpflicht. Interessant ist eine Aufschlüsselung dieses Ergebnisses nach Parteipräferenz: So gibt es bei Anhängern von Union (64 Prozent) und SPD (62) ein klares Votum für die Impflicht, bei FDP (51 Prozent), Linken (60) und vor allem AfD (79) eines dagegen. Interessant: „Drei Viertel der Impfgegner sind Wähler rechtsradikaler Parteien.

Für Forsa-Chef Prof. Manfred Güllner enthält dieses Stimmungsbild den klaren Auftrag an die Politik, „die Erwartungen der übergroßen Mehrheit der Menschen nach einer konsequenten Bekämpfung der Pandemie auch zu erfüllen.“ Dabei steige „der Unmut darüber, dass Minoritäten wie den Impfgegnern immer noch von Teilen der Politik, der Wissenschaft und der Medien zu viel Verständnis entgegengebracht wird.“ Die Tatsache, dass in Krankenhäusern wie der Berliner Charité alle planbaren Operationen abgesagt ist ein zusätzlicher Weckruf. Mal sehen, ob er wirkt.

Ein Weckruf für die ehemaligen Volksparteien könnten auch andere Zahlen von Forsa sein. So ist beim Vertrauen von Wählern und Anhängern der Union in die beiden aussichtsreichsten Aspiranten für den Vorsitz, also zu Friedrich Merz und Norbert Röttgen, deutlich Luft nach oben: Nur schlappe 17 Prozent aller Wahlberechtigten und auch nur wenig beeindruckende 29 Prozent (Merz) und 19 Prozent (Röttgen) der Unionsanhänger halten die beiden für am besten geeignet. Nicht alle Probleme beginnen am Kopf, aber manche eben doch.

Doch die Welt ist relativ. Schaut man auf die SPD und die Erklärung von Saskia Esken, wieder als Vorsitzende zu kandidieren, sieht es ganz finster aus. Nur vier (!) Prozent der Wahlberechtigten und selbst nur vier Prozent der SPD-Anhänger halten Saskia Esken für geeignet. Da kann man nur sagen: Hut ab vor so viel Selbstvertrauen. Oder lebt da jemand in seiner ganz eigenen Blase? Zumindest kann man den Sozialdemokraten Mut zur Originalität nicht absprechen, wenn sie Esken als Vorsitzende wählen, aber ihr die nötige Fähigkeit für den Job nicht zutrauen.

In diesem Sinne grüßt Sie, herzlich wie stets,

Ihr

Michael Hirz