Newsletter vom 21.01.2021

Corona – Politik und Wissenschaft unter Druck

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

wenn künftige Historiker-Generationen einmal eine Überschrift über unsere Zeit mit dem Virus suchen sollten, bietet sich ein Zitat von Wilhelm Busch an: „Aber hier wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.“ Als hätte dieser gemeinhin unterschätzte Alltagsphilosoph schon geahnt, dass man Ankündigungen der Politik in Krisenzeiten nicht gänzlich vertrauen sollte. Denn nach vielen anderen inzwischen längst wieder kassierten Versprechungen wird nun das Kölner Impfzentrum, auf das so große Hoffnung gesetzt wurde, nicht am 1. Februar geöffnet werden. Begründung: Lieferprobleme beim Impfstoff-Hersteller Biontech-Pfizer. Für Oberbürgermeisterin Henriette Reker „ärgerlich“, wie der Kölner Stadt-Anzeiger meldet – ein ausgesprochen mildes Urteil.

Nun möchte man in diesen Tagen auch nicht in der Haut der verantwortlichen Politiker stecken. Wer kürzlich die Kanzlerin zum Beispiel in der Bundespressekonferenz erlebt hat, konnte mal wieder eine Ahnung von der Bürde bekommen, die so ein Amt (wie viele andere auch) sein kann. Der Erwartungsdruck der Bevölkerung ist riesig, die Auswirkung von Entscheidungen auf Wirtschaft und Gesellschaft enorm. Gleichzeitig gibt es fast täglich neue, oft widersprüchliche Erkenntnisse aus der Wissenschaft, die eine Grundlage für das politische Handeln bilden. Das bedeutet, dass heute vielleicht falsch ist, was man gestern aus gutem Grund noch für richtig gehalten hat. Angesichts dieses programmierten Dilemmas ist es schwer, das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Akzeptanz für Maßnahmen zu bewahren.

Mit dem Bonner Virologen Prof. Hendrik Streeck, einem der bekanntesten Vertreter seiner Zunft, habe ich über Corona, das Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft sowie den (verständlichen) Wunsch nach Klarheit und Eindeutigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis gesprochen. Den Link zu dem Gespräch, das ich für die Bonner Akademie geführt habe, finden Sie hier.

Dass nicht alles schlecht ist dieser Tage, dafür sorgen – endlich mal wieder – die Vereinigten Staaten. Die Einführungsfeier für den 46. Präsidenten war eindrucksvoll, sie hatte eine angemessene Würde und steht für das Versprechen von Joe Biden, die gespaltene Nation auf der anderen Seite des Atlantiks wieder zu versöhnen. Wünschen wir ihm, im ureigenen Interesse, eine glückliche Hand und viel Erfolg. Ein Zeuge der Inauguration und exzellenter Kenner des Landes ist der Auslandskorrespondent Dr. Jan Philipp Burgard, der für die ARD aus Washington berichtet. Mit ihm habe ich über die Feierlichkeiten zum Amtswechsel, die Erwartungen an Joe Biden, die Auswirkungen auf uns, vor allem aber den Zustand der amerikanischen Gesellschaft, gesprochen. Einen Podcast des Gesprächs schicken wir Ihnen am Samstagmorgen im Rahmen eines Extra-Newsletters.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Optimismus und jetzt schon einmal ein entspanntes, erholsames Wochenende.

In diesem Sinne grüßt Sie sehr herzlich

Ihr
Michael Hirz