Newsletter vom 22.10.2021

Die Zukunftsfrage: Wie hilft man Köln oder ist Köln nicht zu helfen?

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

als der dänische Reeder Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller beschloss, seiner Heimat ein Opernhaus zu schenken, ging er auf die 90 zu. Viel Lebenszeit blieb dem Mann, der das größte Unternehmen Skandinaviens geschaffen hat, nicht. Daher ließ er der Kopenhagener Stadtführung keine Wahl: So und nicht anders sollte das Geschenk aussehen, wie es ein von ihm beauftragter Architekt von Weltruf entworfen hatte. Ferner trat der Geber als Bauherr auf. Letztlich wurde die Bedingung akzeptiert. Nach nur drei Jahren wurden die Pläne für die Dänische Nationaloper Wirklichkeit und Mærsk konnte noch lange in „seine“ Oper gehen, bis er im Alter von 98 Jahren starb.

Ob der Mäzen auch in Köln weitergekommen wäre? Der Fall des Stifterehepaars Hans und Marlies Stock war indes nicht so spektakulär, hatte es aber dennoch in sich. Die Eheleute hatten der Stadt eine Erweiterung des Kölner Stadtmuseums schenken wollen. Zunächst blieb das Angebot ohne Reaktion, und dann geriet es heftig in die Verwaltungs- und Politikmühlen. Diese hatte der Reedereichef sich seinerzeit ersparen wollen, denn hierfür sind gute Nerven nötig. Gebende fühlen sich mitunter auf den Behördenvorgang reduziert. 2009 zog das Ehepaar Stock sein Angebot gekränkt und verärgert zurück.

Oder der Stifterrat für das Wallraf-Richartz-Museum (WRM). Er war 1999 auf Anregung des verstorbenen Kölner Oberstadtdirektors Lothar Ruschmeyer gegründet worden, den die Kosten für den WRM-Neubau sorgten und der Unterstützer suchte – letztlich grundlos, wie sich später herausstellte. Als Folge setzte der Stifterrat, der nun über erhebliche Mittel verfügte, sich für den Bau eines Erweiterungsbaus des Museums ein.

Das Spiel dauerte fast 20 Jahre. Eine deutliche Wendung zum Besseren gelang erst, als OB Henriette Reker die Erweiterung zur Chefsache machte und in Peter Jungen als Stifterratsvorsitzendem ein beharrliches Gegenüber fand. Die Debatten um die Kunst-Sammlung des Ehepaars Corbaud lasse ich außen vor. Sie würde mehr als einen Newsletter füllen.

Lassen Städte und insbesondere Köln ihren Bürgern Raum? Greifen sie Angebote auf und schauen, wie sie Initiativen in einen Aufgabenkatalog integrieren können? Oder spricht man einfach nicht die dieselbe Sprache und großzügige Angebote werden als Störung der Arbeitsroutine wahrgenommen? Überfordert man sich gegenseitig? Wer bindet die Initiativen in den Stadtvierteln ein, schafft Räume, setzt Grenzen? Ist der Gedanke, der Hohe Straße ein Dach zu geben, mehr als eine Silvesterrakete, die nur sekundenlang glitzert? Ebenso wie die Verlegung des Kölner Hauptbahnhofs? Oder die Pläne für den Neumarkt, beauftragt von einer Anwohnerinitiative um den Kunst-Auktionator Henrik Hanstein? Ist die Kraft des „KölnGold“-Buches etwa bereits verpufft und dient der Neubau einer Rheinischen Musikschule nur dem Geldbeutel daran beteiligter Unternehmen? Braucht Köln seine Bürger nicht mehr denn je?

Über solche (Zukunfts-)Fragen diskutiere ich im Kölner Presseclub am Mittwoch, 10. November, 19.30 Uhr im Hotel Excelsior Ernst mit Stadtdirektorin Andrea Blome, dem Bauunternehmer Anton Bausinger und dem Architekten Kaspar Kraemer. Sie sind interessiert und geimpft oder getestet? Wir freuen uns über Ihre Anmeldung unter info@koelner-presseclub.de.

Das hatten wir noch nie – einen Konzerthinweis für Sie: Am 31. Oktober um 19:30 Uhr tritt der Kammerchor „Les Lumières“ (www.les-lumieres-eu) unter Leitung von Michel Rychlinski mit der Sopranistin Inger Torill Narvesen und dem Bariton Christophe Gautier in der Basilika Kloster Knechtsteden auf. Am Klavier begleitet wird das Ensemble von Florian Noack und Naré Karoyan. Die Musiker präsentieren Ihnen das deutsche Requiem op. 45 von Johannes Brahms und armenische Volksmusik von Komitas in historischer Umgebung, die ihresgleichen sucht. „Les Lumières“ kennen Sie von der sympathischen Kammermusikreihe auf dem Parkhausdach in der Kölner City. Wir konnten vier Karten für Sie zurücklegen. Interessierte schreiben uns unter: info@koelner-presseclub.de. Es gilt das Windhundprinzip.

Vor einem Jahr um diese Zeit stand ein erneuter Lockdown vor der Tür, der Deutschland lahmlegte. In der Zwischenzeit hat jeder die Chance gehabt, sich impfen zu lassen und sein Leben ein Stück zurückzugewinnen. Wo immer es in diesen zwölf Monaten auch geruckelt und gehakt hat – das ist ein Erfolg, den wir nicht vergessen sollten.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr

Peter Pauls