Newsletter vom 26.02.2021

Der FC gehört allen Kölnern!

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs!

„Schwabe, das verstehst Du eh nicht“, hörte Alexander Wehrle, als er 2013 vom VFB Stuttgart zum 1. FC Köln als Geschäftsführer kam. Was der heute 46jährige damals nicht verstand? Dass man in Köln nicht FC-Mitglied sein muss, um sich als Teil des Vereins zu fühlen. Der Fußballclub ist so etwas wie Gemeineigentum, dem Kölner Dom nicht unähnlich, der sich gefühlt auch im Besitz aller Kölner befindet. In unserem Presseclub-Podcast erleben Sie einen hellwachen und geistig sortierten Gesprächspartner. Sie müssen nicht Fußball- oder FC-Fan sein, um auf Ihre Kosten zu kommen, das verspreche ich.

In den Worten Alexander Wehrles spiegelt sich die Befindlichkeit dieser Stadt, das ewige „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“, die Grundmelodie Kölns, die wir alle kennen. „Dreimal gewonnen, dann bist Du reif für die Champions League“, lacht Wehrle. „Und dreimal verloren, dann gehörst Du in die 3. Liga.“ Er nennt das die Wucht des Clubs und sagt: „Ich mag das.“ Bis zu 23.000 Zuschauer könnten sich unter Pandemiebedingungen ein Spiel ansehen. „Wir sind startklar“, meint er. Aber: Die Politik müsse entscheiden.

Weitere Themen: Bald kann man – Innovation Game heißt das – ein Spiel des 1. FC aus der Perspektive von Torhüter, Stürmer oder eines Vogels sehen. Der Technologiepartner Deutsche Telekom macht es möglich. Welche Rolle Umweltschutz und Nachhaltigkeit mittlerweile im Verein spielen. Und, natürlich, der Streit um die Erweiterung des FC-Geländes. Freuen Sie sich auf eine unterhaltsame halbe Stunde.

Denn jetzt wird es ernst. Im Februar 2017 wurde der „Verein Metropolregion Rheinland“ (MRR) gegründet. Der MRR ist von gefühlter Wichtigkeit in einer Welt, in der nur hohe Kennziffern noch internationale Wahrnehmung versprechen. Er umfasst Großstädte, z.B. Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen. Außerdem Landkreise, Körperschaften wie Industrie, Handels- und Handwerkskammern sowie den Landschaftsverband Rheinland. Der MRR ist ein Riese, in dessen Reich 8,6 Millionen Menschen leben – mehr als in Holland. Doch kann der Riese auch laufen? Das fragt man sich zunehmend ernüchtert. Bislang habe der Verein keinen Nutzen gebracht, heißt es in den Landkreisen um Köln. Im Rhein-Sieg-Kreis habe ich mich ein wenig umgehört und war überrascht, wie offen und über Parteigrenzen hinweg Politiker mit Austrittsgedanken aus dem großen Reich flirten.

Laut Satzung sollte schon vor einem Jahr die Arbeit der MRR bewertet werden: Ist man richtig aufgestellt, wie sieht die Arbeitsbilanz aus, wie hoch ist der Nutzen für die Mitglieder, hat sich der Aufwand gelohnt? Doch diese Evaluation wurde immer wieder verschoben. Die jüngste Verschiebung führte zu kaum verhohlener Empörung – etwa von der Gruppe der Grünen in der Metropolregion und dem CDU-Landtagsabgeordneten Oliver Krauß. Der ist Stimmführer im MRR für den Rhein-Sieg-Kreis und schreibt unverblümt, die Evaluierung sei „essentiell für unsere weitere Mitgliedschaft“, ebenso wie eine „offene Diskussion“. Eine Haltung, auf die man auch beim Landtagsabgeordneten Horst Becker (Grüne) trifft, wenn auch mit anderen Worten. Wie eine moderne Kassandra hatte der Politiker vor Jahren in einem Grundsatzpapier auf strukturelle Schwächen einer zu großen und damit zu heterogenen Metropolregion hingewiesen. Der Grundgedanke sei gut, doch die Bedürfnisse letztlich zu unterschiedlich. Das könne so nicht funktionieren, sagt ein Verwaltungsexperte, der ungenannt bleiben will.

Ulla Thönnissen, eine von zwei MRR-Geschäftsführerinnen, versucht zu besänftigen, verweist auf eine geplante Info-Veranstaltung am 26. März und auf die verschiedenen Interessen im Riesenreich, das eben sehr unterschiedlich sei. „Themen für den MRR könnten immer nur die großen, übergeordneten Fragen sein, die einen Mehrwert für alle Mitglieder darstellen und nicht bereits von Städten, Kreisen oder Regionalmanagements selbst bearbeitet werden“, sagt Thönnissen und fährt fort: „Wir müssen als MRR die Interessen des Rheinlands nach Berlin und Brüssel tragen und dort vertreten.“ Was immer die Pandemie von solchen Plänen übrig lässt. Austritte aus dem MRR könnten der Anfang vom Ende sein. Dazu fällt mir ein Fußballerspruch ein: Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu.

Anders das Wochenende. Es verspricht Sonne. Das ist gut für uns und schlecht für das Virus und das ist wieder gut für die Metropolregion. Was wollen wir mehr!

Herzlich grüßt

Ihr

Peter Pauls