Newsletter vom 25.06.2021

Was Armin Laschet braucht, um Kanzler zu können – Ein wenig Kultur ist auch schon viel

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

„Lebenslauf-Schummeleien sind gefährlich.“ Dieser Satz wurde formuliert, bevor Annalena Baerbock (Grüne) Probleme mit der offiziellen Darstellung ihres Werdegangs hatte. Er ist hier konkret gemünzt auf Armin Laschet, den Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens (NRW), und er findet sich in dem Buch „Der Macht Menschliche“, einer Biografie des Mannes, der sich anschickt, Bundeskanzler zu werden. Darin heißt es: „Der Eindruck eines Politikers, der ein wenig zu dick aufgetragen hat, drängt sich auf“. Laschets Tätigkeiten in München und Bonn „klingen im offiziellen Lebenslauf etwas stringenter und glamouröser, als sie allem Anschein nach waren,“ schreiben Tobias Blasius (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) und Moritz Küpper (Deutschlandfunk) auf den Seiten 82 und 83. Das Buch erschien im Frühjahr 2020, ist bereits in der 2. Auflage erhältlich und birgt hochinteressante Fakten und Einschätzungen. Anders als im Fall Baerbock hat Armin Laschet jedoch keine falschen Behauptungen aufgestellt, es gibt nichts zu korrigieren. Doch der Eindruck, dass er nach der Universität bis 1994 einer klassischen Hauptstadt-Korrespondenten-Tätigkeit nachgegangen sei, „lässt sich in dieser Kontinuität wohl nicht recht darstellen,“ notieren die Autoren.

Mit Moritz Küpper, der mit Michael Hirz und mir den Vorstand des Kölner Presseclubs bildet, habe ich über diesen Mann gesprochen, der so gar nicht dem Bild des Machtpolitikers entspricht wie etwa der bayrische Regierungschef Markus Söder (CSU), der sich erkennbar für den besseren Kandidaten hielt – und dennoch unterlag. Laschet wolle, anders als Söder, authentisch bleiben, berichtet Moritz Küpper. Auf die Unschärfe im Lebenslauf habe er sich gar nicht erst eingelassen und so das Thema von sich aus nicht betont, als es im Düsseldorfer Landtag aufschlug.

Söder formuliere und wiederhole stoisch seine Botschaften, wie es Berater Politikern für öffentliche Auftritte empfehlen. Laschet hingegen verstelle sich nicht. Er habe Überzeugungen und Werte, auf die er immer zurückgreife. „Nur weiß das niemand, weil seine Flatterhaftigkeit im Auftritt selbst im Ministerpräsidenten-Amt nie durch eine professionelle Kommunikation ausgeglichen wurde.“ Die Pandemie gilt Moritz Küpper als Beispiel. Öffentlich stehe Laschet als Zauderer mit Zick-Zack-Kurs da, obwohl er als erster Spitzenpolitiker das richtige Gespür für einen angemessenen Umgang mit Corona gehabt habe. Laschet sei gebildet, offen, unverstellt, authentisch und brauche wenig Schlaf – eine Grundanforderung für jemand, der das Land führen will und komplexe Konferenzen prägen muss, die mitunter Tage und halbe Nächte dauern können. Doch er müsse an seiner öffentlichen Selbstdarstellung arbeiten, urteilt mein Kollege.

Könne Armin Laschet gegenüber einem Wladimir Putin oder einem Donald Trump bestehen, fragte ich Moritz Küpper? Als NRW-Korrespondent hat er den CDU-Politiker in zahlreichen politischen Rollen unmittelbar erlebt hat. „Man darf ihn nicht unterschätzen“, lautete die Antwort. „Er weiß, wer er ist und was er repräsentiert. Erst recht wird er das als Kanzler tun.“ Den heutigen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan habe er kühl, bestimmt und doch nicht verletzend behandelt, als dieser die Einweihung der Kölner Moschee zu einem Wahlkampfauftritt machen wollte. Entgegen mancher Überzeugung würde Laschet als Außenpolitiker überraschen ebenso wie – sollte er Kanzler werden – mit seinem Kabinett. „Da ist er sehr kreativ.“ Noch eine Insider-Information für Sie: Sollten Sie einmal neben Armin Laschet sitzen, mit ihm diskutieren und er legt unversehens die Hand auf Ihren Unterarm, geben Sie Acht. Womöglich kommt es bei Ihrem Gesprächspartner gleich zu einem emotionalen Ausbruch.

Was sonst noch bewegt? Endlich kehrt die Kultur zurück. Regelkonform natürlich: Mit Masken, großen Sitzabständen und genau geprüften Coronatests. Und dennoch war es eine Wohltat. Die „Blechtrommel“ im Kölner Schauspielhaus mit Peter Miklusz, der als Oskar Matzerath brillierte, zog mich auch dank des gelungenen Bühnenbilds – ein gewaltiges Trampolin – in ihren Bann und ich merkte, wie sehr mir diese Abstecher nach Mülheim gefehlt haben. Danach noch im Carlsgarten ein kühles Getränk bestellen. Wie schön kann das Leben doch sein!

Ein ganz besonderer Höhepunkt für mich war „A Liedele in Jiddisch“ mit der charismatischen Dalia Schaechter und ihrer souverän aufgeräumten Klezmerband auf dem obersten Deck im Parkhaus Brückenstraße. Im Hintergrund grüßten die Domtürme das begeisterte Publikum, das wegen der Open-Air-Veranstaltung einige Lockerungen genießen durfte. Am heutigen Freitag, 25. Juni, um 20 Uhr, haben Sie vielleicht noch eine Chance, „Lo:La – Meilensteine der Pop- und Jazzgeschichte“, zu erleben. So kreativ kann der Umgang mit der Pandemie sein (www.les-lumieres.eu).

Meine Zeilen zur Kölner Klinikfusion, die Zitate aus dem Sitzungsprotokoll des NRW-Gesundheitsausschusses und die kernigen Einlassungen von Minister Laumann haben mir verärgerte Schreiben aus der Spitze der Kölner Uniklinik eingetragen. Dabei ist das keine private Angelegenheit, sondern berührt Sie ganz unmittelbar. Zum einen in Ihrer Rolle als Patient und zum anderen als Steuerzahler. Denn bezahlt wird alles von Ihnen. Daher machen wir Ihnen hier das Original-Ausschuss-Protokoll zugänglich. Warnhinweis: Das Dokument stellt nur einen Teilaspekt dar. Es mag sogar sein, dass der Gesundheitsminister darin noch fehlende Unterlagen beklagt, obwohl diese nun vorliegen. Aber es ist ein öffentliches Zeitdokument. Ab Seite 54 geht es um Köln. Klicken Sie hier

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzlich

Ihr

Peter Pauls