Newsletter vom 30.04.2021

Wie der Kölner Klinik-Gigant € 40 Mio. im Jahr mit 112 Krankenhausbetten erlösen will

Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

endlich wieder ein Wunder! Seit der Vertreibung der Heinzelmännchen hat es in Köln keine mehr gegeben. Doch nun wird vielleicht bald der „Klinik-Gigant“ (Kölner Stadt-Anzeiger) Wirklichkeit, ein Verbund aus Uniklinik Köln und den Kliniken der Stadt Köln. Rund 15.000 Mitarbeiter wird er haben und über 3000 Krankenbetten verfügen. Wie ich zu dieser zugegeben flapsigen Wortwahl komme?

Weil die amtliche Kölner Mitteilung zum Klinik-Verbund wie ein Werbeprospekt von unglaublichen Vorteilen nur so gespickt ist, die der Verbund nach bereits fünf Jahren mobilisiert haben soll. Leider ist nicht nachvollziehbar erläutert, wie die positiven Effekte erreicht werden und ob es auf dem Weg dorthin Risiken gibt. Eine Pro-Contra-Darstellung fehlt. Mutmaßungen werden als Gewissheiten verkauft. Wer die Vorlage liest, muss Kraft aus seinem Glauben schöpfen. Das fällt schwer, zumal in Köln.

Personal wird nicht eingespart, der Besitzstand eines jeden bleibt gesichert, heißt es in der Vorlage. Zusammen haben die Krankenhäuser demnach ein Synergiepotenzial von rund €42,7 Mio. im Jahr, sie schaffen 160 zusätzliche Vollzeitstellen, holen rund €60 Mio. Drittmittel herein und in der Forschung bis zu 350 neue Stellen. Über €40 Mio. Erlöse im Jahr werden zudem von 112 zusätzlichen Betten innerhalb des Verbundes erwartet.

Halt! War im Zusammenhang mit Corona nicht vom Fachkräftemangel zu lesen? Davon, dass es zwar freie Intensivbetten gibt, aber kein entsprechendes Personal? Für den Verbund gilt das offenbar nicht. Er errichte ein Ausbildungszentrum von bundesweiter Sichtbarkeit, steht im städtischen Papier. Will heißen: Wir bilden unser eigenes Personal aus. Sie haben gehört, dass es schwer ist, überhaupt Ausbilder zu finden? Leider schweigt das Papier hierzu. Aber es gibt ohnehin keine andere Wahl. Machten beide Häuser weiter wie bisher, drohe 2025 eine Ergebnislücke von € 28 Mio., hauptsächlich in den städtischen Kliniken, heißt es weiter.

Eigentlich bilden ungleiche Partner den Verbund. Die Uniklinik dient vorrangig Forschung und Lehre. Sie wendet – vereinfacht gesagt – in der Klinik praktisch an, was sie theoretisch erforscht hat. Finanziell unterstützen Landesministerien sie üppig. Die städtischen Kliniken dienen der Daseinsvorsorge, also der gesamten Bevölkerung und drücken der notorisch klammen Stadt auf den Etat. Sie halten zum Beispiel eine Station für Schwerbrandverletzte bereit. Das macht man nur, wenn die Grundversorgung aller eine Rolle spielt.

Wie man die unterschiedlichen Konzepte unter einen Hut bekommt? Eigentlich gar nicht. Tatsächlich werden die städtischen Kliniken von der Uniklinik geschluckt. Ihr weist das Verbund-Konstrukt die „operative, unternehmerische und medizinische Führung“ zu. Ein verwirrendes Stiftungsmodell soll den Einfluss der Stadt sichern. Ein „Feigenblatt“ nennt der Mülheimer Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs (SPD) das. Kein Wunder. Sechs Seiten voller Grafiken, Kompetenzzuweisungen und Einschränkungen sind nötig, um im Prospekt „Universitärer Gesundheitscluster Köln“ die Rolle der Stadt abzubilden. „Praktisch verabschieden wir uns damit von den städtischen Kliniken“, sagt Fuchs. Aber die Stadt verändert durch den Schritt auch den lokalen Markt. Der Verbund tritt als Wettbewerber zu kleineren Häusern auf, die tatsächlich noch nah an Bürgern sind und auch Personal suchen.

Wie geht es weiter? Am 3. Mai wird das Papier im Kölner Finanzausschuss diskutiert. Vielleicht stellen Politiker dort Fragen nach dem Wie? Zumindest sollten Alternativen diskutiert und die Bürger informiert werden, was sich für sie ändern könnte. Letztlich billigen müssen die Stadt Köln und vor allem das Land die Pläne. Dann ist NRW in der Verantwortung und Köln seine Sorgenkinder los.

Szenenwechsel. Der Kölner Eigelstein und seine umliegenden Straßen erinnern mich an die bunte Seite des südafrikanischen Johannesburgs, wo ich in den 90er Jahren gelebt habe. Das Viertel ist quirlig, schräg, chaotisch und bietet einen beeindruckenden Bevölkerungsmix. Deshalb mag ich es. Nicht jeder dort spricht oder liest fließend Deutsch. Was der TV-Sender RTL damit zu tun habe, dass die Weidengasse blockiert werden solle, wurde ich neulich gefragt. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und hörte mich um.

Des Rätsels Lösung: Der „Bürgerverein Eigelstein“ plant, Imbiss-Abfall auf der Weidengasse zu sammeln und als Protestaktion „mit dem eingesammelten Müll demonstrativ die Straße zu blockieren“. So steht es in einer Mail vom 20. April 2021. Als Absender sind tatsächlich „RTL NEWS“ und ein Journalist angegeben, der für den großen deutschen Privatsender tätig ist. Das private Engagement des Bürgervereins ist schätzenswert. Doch wo endet das sympathische Engagement und wo beginnt der Veedels-Erzieher, der gleich mit Blockaden droht und das mit der geborgten Autorität von RTL tut?

Zuviel geschimpft? Deshalb zum Schluss: Die Service-Hotline der Stadt Köln ist großartig! IMMER bin ich dort nicht nur kompetent und freundlich behandelt worden, meine Probleme – oder jedenfalls die, die ich vortrug – wurden gelöst. Dieser Teil des amtlichen Kölns ist eine Freude. Eine Stimmung fürs Wochenende!

Herzliche Grüße
Ihr

Peter Pauls