Newsletter vom 30.12.2020

„Aber wir lassen es andere machen“

Liebe Mitglieder des Kölner Presseclubs
meine sehr verehrten Damen und Herrn,

zum 1. Januar 2021 werde ich den Vorsitz des Kölner Presseclubs abgeben. Diese Entscheidung ist mir leicht gefallen, weil ich den Club nach 16 Jahren in guten Händen weiß: Peter Pauls ist zum einen ein toller Journalist und zum anderen Kenner der Kölner „Interna“, also diesem schwer zu definierenden „Kuddelmuddel“ aus Stadtgesellschaft, Parteienlandschaft, Unternehmergruppen und Interessenverbänden, das die Geschicke dieser Stadt wesentlich bestimmt.

Mit Peter Pauls und seinen Stellvertretern Michael Hirz, der viele Jahre den Informationssender Phoenix leitete, und Dr. Moritz Küpper, NRW-Korrespondent des Deutschlandfunks, ist die Kontinuität für ein breit gefächertes, vor allem aber seriöses Programm gesichert.

Für mich war Seriosität immer wichtigste Leitschnur: Nette und eher seichte Angebote gibt es in dieser Stadt zuhauf. Mit einem anspruchsvollen, weit über die Stadt hinausgreifendem Programmangebot wollte ich dagegen halten.

Zu diesem Anspruch auf Seriosität passt unser Tagungsort, das Excelsior Hotel Ernst. Ich bin Wilhelm Luxem, dem früheren Direktor, unendlich dankbar, dass er uns 2004 dieses Angebot machte. Die vorherigen Räume im „Delfter Haus“ konnte sich der Club eigentlich seit langem nicht mehr leisten, aber es brauchte Mut zu einem klaren Schnitt.

Gibt es Veranstaltungen, an die ich besonders gern zurückdenke? Als Historikerin kommen mir da vor allem die Abende mit Hans-Peter Schwarz und Michael Stürmer, mit Wolfgang Leonhardt und Philipp Freiherr von Boeselager in den Sinn. Und unter den Politikern Klaus Kinkel, Guido Westerwelle, Wolfgang Clement, Bodo Hombach, Werner Hoyer, Günther Oettinger, Wolfgang Bosbach, Hermann Otto Solms, Boris Palmer, Norbert Walter-Borjans, Herbert Reul und Armin Laschet. Und natürlich waren auch unsere Oberbürgermeister immer wieder vertreten, also Fritz Schramma, Jürgen Roters und Henriette Reker.

Es ist eine schöne Tradition, dass wir unser Jahresauftaktgespräche traditionell im Kunsthaus Lempertz stattfinden lassen dürfen – hierfür ein besonderer Dank an Professor Henrik Hanstein. Der dafür gewählte kommunalpolitische Themenkreis ist spannend, die Teilnehmer waren es auch, so etwa Joachim Erwin, Jürgen Nimptsch, Bärbel Dieckmann, Alexander Sridharan. Unser nächster Gast wird am 7. Januar 2021 Düsseldorfs neuer OB Stephan Keller sein. Wie in Corona-Zeiten üblich, werden wir das Gespräch aufzeichnen und Ihnen danach zur Verfügung stellen.

Als durchaus fruchtbar hat sich in den zurückliegenden Jahren auch die Zusammenarbeit mit der Kölner IHK gestaltet, wofür ich den IHK Präsidenten Paul Bauwens-Adenauer und Dr. Werner Görg sehr dankbar bin. Mit der neuen Präsidentin, Dr. Nicole Grünewald, wollen wir daran anknüpfen.

Nach meinen Jahren an der Bonner Universität als Assistentin von Prof Dr. Karl-Dietrich Bracher („Die Auflösung der Weimarer Republik“) habe ich meine journalistische Karriere 1980 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung begonnen. Wir haben damals noch in Blei gesetzt! Die auf Papier redigierten Texte der Agenturen wurden mit der Rohrpost in die Setzerei befördert. Die fertigen Druckfahnen wurden auf diesem Wege zurück geschickt, um nochmals überarbeitet werden zu können – mit Bleistift bitte! Für jüngere Kollegen muss das alles klingen wie Geschichten aus Tausend und einer Nacht! Später erlebte ich dann als Chefredakteurin des Fremdsprachenprogramms des Deutschen Auslandsrundfunks „Deutsche Welle“ (DW) die Digitalisierung der Hörfunk- und Fernsehprogramme. Dies brachte einen ungeheuren Schub zur schnellen Aktualisierung. Den Durchbruch des Internets um die Jahrtausendwende erlebte ich bei der WELT als weiteren Meilenstein zu einem immer schneller werdenden Programmangebot.

Das zurückliegende Corona Jahr hat auch das Angebot des Kölner Presseclubs geprägt, denn wir wollten trotz der Lockdowns und Abstandsgebote weiter in Kontakt mit Ihnen bleiben. An die Stelle der traditionellen Clubabende im Excelsior traten nun digitale Formate, die bemerkenswert viele Menschen ansprechen und die man allesamt online über unsere Seite www.koelner-presseclub.de abrufen kann. So schreiben wir Ihnen im wöchentlichen Newsletter. Auf Youtube finden Sie Film-Clips mit unseren Experten-Interviews. Seit einigen Wochen können Sie uns auch hören. Wir produzieren nun regelmäßig Podcasts – im jüngsten sprechen wir mit Jürgen Mathies, dem früheren Kölner Polizeipräsidenten und heutigen Staatssekretär im NRW-Innenministerium über die fünf Jahre zurückliegende Kölner Silvesternacht Silvester 2015 – als die Welt auf Köln schaute.

Damit komme ich zum Schluss. Ich weiß um die vielen neuen Möglichkeiten des heutigen Journalismus und die Chancen, die sich daraus für eine Institution wie den Kölner Presseclub ergeben. Ich selber bin aber – Pressetechnisch – ein vor-digitales Dinosaurierweibchen – und lese immer noch lieber meine Zeitungen morgens auf Papier. Was mich hinüber leitet zu Theodor Fontane, einem meiner Lieblingsdichter, dessen ruhiger Pragmatismus mir immer Leitschnur war. Wie heißt es so schön in seinem Gedicht „Aber wir lassen es andere machen“: „Alles hat seine Zeit. Auch die Jagd nach dem Glück. All derlei Sachen, ich lasse sie längst durch Andere machen“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben einen geruhsamen Jahresausklang und ein gutes und vor allem gesundes Neues Jahr!

Herzlich

Ihre

Hildegard Stausberg