Newsletter vom 4.12.2020

Köln probt den Bundesliga-Fußball am Beller Bogen

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs!

immer wieder widmen sich die Kölner Zeitungen groß dem leidigen Thema des Erweiterungsbaus des 1. FC Köln. In der Kölnischen Rundschau kommentierte Stefan Sommer jüngst: „Die Mehrheit ist weg“. Will heißen: der Fußballclub wird seine Ausbaupläne begraben müssen. Und so ist es wohl auch.

Die neue Kölner Zauberformel, also das Regierungsbündnis „Grün-Schwarz-Lila“, hat die Umrisse seiner „Regierungsvereinbarung“ vorgestellt, die Sie hier anklicken können. Und siehe da, der Kommentator lag richtig: Das Bündnis aus Grünen, CDU und der neuen Gruppierung Volt einigte sich auf „ein Moratorium zur Bebauung der Gleueler Wiese“. Mit diesem will man „die Aussetzung weiterer Rats- und Ausschussbeschlüsse“ erreichen. Und nach einigen verschachtelten Formulierungen kommt man zum Kern: Man will in „Gesprächen mit dem FC“ eine Einigung über die Nutzung eines “ Alternativstandortes“ finden, den „Beller Bogen“ in Köln-Marsdorf etwa. Wo genau dieser Bogen liegt, sehen Sie hier.

Im Klartext heißt das: Die vom FC an dieser Stelle geplanten Erweiterungsbauten wird es nicht geben! Die vom Stadtrat Mitte Juni nach einem langen politischem Hin- und Her und großem Gewürge abgesegnete Änderungsvereinbarung des Flächennutzungsplans ist hinfällig. Undenkbar bei den neuen Mehrheitsverhältnissen, in denen die Grünen stärkste Partei sind.

Natürlich könnte das noch eine Spielwiese für clevere Anwälte werden. Dabei wird der 1. FC Köln darauf pochen, im Stadtrat eine Mehrheit für den Ausbau bekommen zu haben, was richtig ist. Ebenso richtig ist aber auch, dass der Abschluss eines juristisch bindenden Pachtvertrages fehlt. Bislang sei es nie nötig gewesen, für Anschlussregelungen erneute Vereinbarungen treffen zu müssen, hört man aus FC-Kreisen. Dort wird auf eine gelebte Rechtspraxis verwiesen, man habe einen städtebaulichen Rahmenvertrag unterzeichnet. Aber was wird das helfen? Den Grünen wird man im Ernst nicht vorwerfen können, dass sie – wie seit jeher – gegen den Ausbau sind und dies nun, da sie stärkste Kraft sind, umsetzen wollen.

Auch für Konrad Adenauer, stimmgewaltiger Vorsitzender des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins, steht fest: der Bundesligaverein wird so nicht weitermachen können. „Der FC hat die Zeichen der Zeit einfach nicht verstanden: Er muss raus aus Köln und er muss ins Umland. Die Ausbaupläne im Stadtwald sind gescheitert – basta„, sagt das prominente CDU-Mitglied. Im Gespräch mit dem Kölner Presseclub findet er für den Fußballverein ein witziges Bild: „Der Club ist wie die Raupe Nimmersatt, die sich immer weiter voran ins Grün des Stadtwalds fressen will – erst ein Spielfeld, dann das nächste und dann wieder eines“.

Er erklärt die jetzige Lage des Vereins mit dem „Fehlen von Zukunftsvisionen“. Das Argumentieren mit der Jugendförderung hält er für nicht stichhaltig: „Dabei geht es im Grunde doch nur um steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, das hat mit dem Spielbetrieb nichts zu tun“. Adenauer, Jahrzehnte als Notar in dieser Stadt tätig, sieht den Club im Fall einer juristischen Auseinandersetzung in einer schlechten Lage: „Wenn die Stadt das Grundstück nicht verpachten will, braucht sie das nicht. Das muss durch den Rat gehen. Wenn eine Mehrheit das dort nicht will, ist es vorbei“. Er bedauert, dass seine Partei vor den Wahlen nicht klar gegen den Ausbau Position bezogen habe. „Die politische Gleichung: FC-Anhänger sind CDU-Wähler war Quatsch„. Ob das schlechte Abschneiden der Partei im Stadtteil Lindenthal eine herbe Quittung dafür war? Der Unmut über die Ausbaupläne war dort buchstäblich mit den Händen greifbar.

Und wie geht es weiter in Köln? Die gute Nachricht ist: es geht weiter. Die Vereinbarung des Kölner Bündnisses ist vorerst ein buntes Sammelsurium, listet aber neben allgemeinen politischen Zielen immer auch konkrete politische Maßnahmen auf. Das ist ein Anfang. Was darf die Kölner Wirtschaft erwarten, die auf den Bereichen Auto, Chemie und Versicherung fußt? Hier wünscht man sich mehr Klarheit. Lesen Sie sich das Papier am Wochenende doch in Ruhe durch. Eines Tages wird es womöglich Wirklichkeit. Aber das ist nicht sicher in dieser Stadt. Siehe 1. FC Köln.

Immer wieder erreichen uns weiterführende Zuschriften zu unseren Newslettern. Diese wollen wir gerne mit Ihnen teilen, wenn es sich ergibt und das Thema aktuell bleibt. Heute beginnen wir damit.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende.

Herzliche Grüße

Ihre

Hildegard Stausberg

Zum Newsletter vom 27. November 2020 („Satire darf eben nicht alles“) erreichte uns die Zuschrift von Dieter Jepsen-Föge, viele Jahre Chefredakteur von Deutschlandradio und Kölner Stadt-Anzeiger:

Wir allen kennen unseren Tucholsky: „Satire darf alles“. Ja, aber ein gutes und friedliches Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Überzeugungen und Religionen gelingt nur, wenn wir nicht alles tun, was wir tun dürfen. Ich teile – wie so oft -Ihre differenzierte Haltung. Abwägen ist unsere ständige Aufgabe und Herausforderung als Journalisten. So darf ich sagen, dass jemand das Recht hat, eine geschmacklose Karikatur zu drucken oder ein Schmähgedicht zu veröffentlichen. Aber ich darf es auch kritisieren, weil es bewusst Gefühle anderer verletzt. Wir wissen doch, dass auch Grundrechte nie absolut gelten, sondern immer im Verhältnis zu anderen Grundrechten abgewogen werden müssen.

Die Diskussion ist ja jetzt wieder aktuell geworden durch die Ermordung eines französischen Lehrers, der im Unterricht auch Mohammed-Karikaturen gezeigt hat und durch andere islamistisch motivierte Verbrechen. Der Lehrer in Paris hat nicht provoziert, sondern informiert und argumentiert. Und dieses Recht darf sich eine freie Gesellschaft nicht nehmen lassen. Es muss uns alarmieren, wenn etwa Lehrer Angst haben müssen, im Unterricht über den Holocaust oder über den Nahostkonflikt zu sprechen. Wie wir wissen, ist diese Gefahr sehr real, nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns.

Allgemein gesprochen: Wir müssen Minderheiten achten und respektieren, uns aber nicht ihre Überzeugungen aufzwingen lassen.

Nicht nur in Glaubensfragen sehen wir unsere Gesellschaft durch lautstarke Minderheiten herausgefordert, sogar sprachlich . . .