Newsletter vom 04.02.2022

Eine andere Meinung ist keine Störung des Friedens – Warum Thomas Breuer Kölns mächtigstem Politiker die CDU-Führung streitig macht

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

seit 2011 ist Bernd Petelkau Chef der Kölner CDU und mit den Jahren hat er sich zu Kölns mächtigstem Politiker entwickelt. Konkurrenten wie Martin Börschel (SPD) und Jörg Frank (Grüne) – auch sie geübte politische Handwerker – räumten das Feld. Bernd Petelkau behauptete sich. Doch seit fünf Monaten ist er angezählt. Anfang September setzte er sich mit nur knapp 52 Prozent in der Wahl zum Kölner Parteivorsitzenden gegen Herausforderer Thomas Breuer (48 Prozent) durch, der bis dato zwar einen guten Ruf, aber keine nennenswerte Hausmacht hatte. In der NRW-Landtagswahl am 15. Mai geht es für Petelkau nun um alles oder nichts. Verliert er seinen Wahlkreis als Direktkandidat, fehlt ihm die wirtschaftliche Basis, um seine zeitraubenden Chefämter in der CDU ausüben zu können. Womöglich könne das sogar in seine Lebensplanung passen, spekulierte jüngst der Kölner Stadt-Anzeiger, und, Petelkau flirte mit dem Ausstieg.

Angesichts dieser kölschen Form von Götterdämmerung habe ich mich an unser Format des Podcasts erinnert und mit Thomas Breuer gesprochen, der als möglicher CDU-Vorsitzender eigentlich so gar nicht in das Anforderungsprofil passen will, das dem Zeitgeist entspricht. Der frühere Personalvorstand der Rheinenergie ist mit 68 Jahren Privatier und ein Gesprächspartner alter Schule, ein geerdeter Brückenbauer, der das Verbindende sucht, statt das Trennende zu betonen, Argumente plakativen Formeln vorzieht und dabei überraschende Standpunkte einzunehmen weiß.

Interessant ist, dass es ihm vor allem um die Art des Umgangs in seiner eigenen Partei, der CDU, geht. Er fordert nicht mehr Schwarz und weniger Grün. Stattdessen fielen in unserem Gespräch markante Sätze zum Miteinander: „Die CDU muss wieder diskutieren lernen,“ fordert er, eine Mitmach-Partei solle sie sein. „Andere Parteien machen uns das vor“. Auf Parteitagen der Kölner Union müsse um Standpunkte gerungen werden, wünscht er sich, die Zeiten der einsamen Entscheidungen sollten vorbei sein. Die andere Meinung dürfe nicht als Störung des Friedens gelten, es gelte, das Potential der Partei zu heben. Manches Parteimitglied sehe sich inzwischen zum reinen Beitragszahler reduziert.

Den ganzen Podcast mit Thomas Breuer finden Sie, wenn Sie hier klicken. Und natürlich sind wir auch auf den anderen gängigen Podcast-Apps wie Apple Podcasts, Google Podcasts, Deezer oder Amazon Music/Audible vertreten. Dort hören Sie auch Antworten auf Fragen, wie man quasi über Nacht zum Gegenkandidaten wird, welche Rolle Fritz Schramma dabei gespielt hat und wie Personalentwicklung in der Kommunalpolitik aussehen könnte.

In Köln muss man wieder wissen, wofür die CDU steht, fordert Breuer. Die aktuelle Mobilitätswende dient ihm als Beispiel. Ein Drittel der Parkplätze zu streichen, sei kein Masterplan, sondern lediglich kleinteilige Politik, die zudem die Außenbezirke Kölns vernachlässige und sich überwiegend auf die Innenstadt konzentriere. Wussten Sie, dass man im Mittel eine Stunde pro Strecke braucht, um von Köln-Widdersdorf oder -Rheinkassel mit dem öffentlichen Nahverkehr zu einem Arbeitgeber in der Innenstadt zu gelangen? Eine Alternative zum Auto ist das nicht. Wie es weitergeht? Zielmarke für den Herausforderer Breuer ist die Kommunalwahl 2025, in der ein neuer Rat, ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin gewählt werden. Bis dahin müsse seine Partei wieder imstande sein, ihr Potential zu entwickeln und ein CDU-Mitglied für das Spitzenamt zu benennen. Dann sei seine Aufgabe erfüllt.

Als Zukunftsorakel bietet sich übrigens der Karneval an. Auf dem aktuellen CDU-Orden versuchen Ralph Elster und Niklas Kienitz nicht weniger, als die Zeit bzw. eine Uhr anzuhalten. Warum? Weil Bernd Petelkau sich am großen Zeiger festhält und herunterzufallen droht. Das kann man auch anders sehen? Urteilen Sie selbst. Der Orden bestätigt die Erkenntnis meines alten Chefredakteurs Hans Schmitz: „Wir sind hier in Köln und da ist immer ein wenig Karneval“, pflegte er zu sagen und meinte das gar nicht böse.

Eine Schlussbemerkung in eigener Sache. In unserem Newsletter vom 21. Januar haben wir uns kritisch mit den Online-Meinungsforschern von Civey auseinander gesetzt, die für die NRW-SPD mit der ihr eigenen „Civey-Methode“ Wünsche und Ansichten der Bevölkerung dieses Landes punktgenau gemessen haben wollen. Dem Kölner Presseclub hat dieser kritische Beitrag eine Auseinandersetzung mit dem Start-Up aus Berlin eingetragen. Unter der Überschrift „Das Orakel von Civey“ hat sich nun Dr. Reiner Burger, NRW-Korrespondent der FAZ, ausführlich mit dem Streit befasst, der in der Meinungsforschung herrscht. Sie finden den Artikel, der unseren Newsletter umfänglich bestätigt, wenn Sie hier klicken. artikel_faz_01022022 (forsa.de)

In dieser Woche schien einmal die Sonne so, als wolle sie baldigen Frühling verheißen, und die Vögel sangen aus Leibeskräften mit. Vielleicht war das nur eine Sinnestäuschung. Aber mir gab sie Kraft und Hoffnung, dass es eines Tages wieder grünt und Corona zum lästigen Schnupfen verkommt.

Herzlich grüßt Sie

Ihr

Peter Pauls