Newsletter vom 7.10.2022

Köln – eine Hängepartie
„Dass Köln nichts entscheidet, ist ein Problem“. Was der neue Dezernent für Stadtentwicklung und Digitales ändern will.

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

die Heiligen Drei Könige, das Dreigestirn und als Brauchtum gilt schon alles, was dreimal stattgefunden hat. Die Zahl drei lässt Köln nicht los. Drei Anläufe hat es jetzt gebraucht, um den Chefposten für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Digitales und regionale Zusammenarbeit zu besetzen. Seit August ist also Andree Haack der Neue im Kölner Verwaltungsvorstand. Erfahrungen hat er in Duisburg als Beigeordneter für Wirtschaft und Strukturentwicklung, Sicherheit und Ordnung gesammelt. Dort digitalisierte er auch das komplette Duisburger Hausaktenarchiv. Das braucht Köln, dachten sich wohl die Verantwortlichen. Zudem galt Haack in Duisburg als zukunftsorientierter und exzellenter Stratege.

Als erstes hat der MSV Duisburg-Fan in Köln den Zoo besucht. Lässt das tief blicken? „Nein, der Wunsch für einen Zoobesuch kam von meinen ehemaligen Mitarbeitern“, sagt Haack. Die Entscheidung sich für den Job in Köln zu bewerben, hat der 48- jährige Familienvater schnell getroffen. Köln ist für den Duisburger eine Stadt mit viel Potenzial und Kraft. Dass er beim Thema Stadtentwicklung mitgestalten kann, das macht ihn ein bisschen demütig und zugleich stolz, verrät er mir im Gespräch in seinem Büro im Stadthaus in Deutz mit Blick auf die schnellwachsende Baustelle Messe-City.

Die Kölner Wirtschaft und die Stadtentwicklung im Blick: Der Schreibtisch des neuen Dezernenten.

Foto: Claudia Hessel

Schnell? Köln ist doch eher dafür bekannt, die Langsamkeit für sich entdeckt zu haben. Alles dauert im Grunde länger. Eine typische Kölner Eigenschaft, die der neue Dezernent bereits in wenigen Wochen schnell ausgemacht hat. Es stimmt, Planungs- und Genehmigungsverfahren sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden. Das führt zu längeren Entscheidungswegen – nicht nur in Köln. Aber hier kommt noch oftmals eine Entscheidungsunfreudigkeit hinzu, die ihm von vielen Seiten, insbesondere von Investoren, geschildert wird. Im Grunde ein Verwaltungsthema, aber auch manchmal ein politisches Thema, räumt er ein. Beispiele für Nichtentscheidungen gibt es tatsächlich genug: Das Tauziehen zwischen dem Versicherer DEVK und der Stadt Köln. Weil ein geeignetes Höhen- bzw. Hochhauskonzept fehlt, wird lange rumgeeiert. Nach dem gleichen Muster verweigert man die Entscheidung zum U-Bahnbau. Das hat Haack erkannt und will sich für mehr Entschlossenheit einsetzen: „Auch wenn wir als Stadt vielleicht nicht immer in die Richtung gehen, die öffentlich oder von einzelnen Kräften gefordert wird, ist es manchmal besser, eine klare Entscheidung als keine Entscheidung zu treffen.“

 Manchmal besser, eine klare Entscheidung als keine Entscheidung zu treffen. Andree Haack zeigt im neuen Presseclub-Newsletter, wo es für ihn in Köln langgeht

Foto: CoellnColoer

Dass etwas in Köln lange dauert, bekommt auch der Kölner Bürger zu spüren, wenn er mal aufs Amt muss, um einen Ausweis oder den Führerschein zu beantragen. Die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen ist ein dickes Brett in Haacks Zuständigkeit. Eine der Herausforderungen dabei wird sein, dass Städte und Gemeinden nicht isoliert arbeiten können. Zahlreiche andere Behörden, wie Finanzämter, Polizei oder andere Landes- und Bundesbehörden sind eingebunden und oftmals sind die Prozesse nicht aufeinander abgestimmt. Haack will aber in Köln loslegen: „Wir haben auch den Mut zu sagen, die eine oder andere Leistung machen wir jetzt einfach mal digital, auch wenn wir noch nicht wissen, ob das in zehn Jahren noch Bestand haben wird.“ Genau das erwarten viele Bürger von ihrer Stadt: Nicht warten, sondern machen!

Ein weiterer Beleg für Langsamkeit in Köln sind die Plätze: Ebertplatz, Barbarossaplatz, Neumarkt – alles Orte mit zentraler Bedeutung, aber wo sich keiner gern länger aufhält, ganz zu schweigen von Besuchern oder Touristen. „Es ist ja nicht so, dass sich dort nichts tut, aber in der Tat müssen wir da schneller werden“, fordert der neue Stadtentwicklungsdezernent. Köln hat sehr viele Plätze und man arbeite auch schon seit Jahren an dem einen oder anderen Platz. „Ich weiß auch, dass es da Probleme gibt, und das ist genau das, was ich schon ansprach: Dass Köln manchmal nicht entscheidet, weil man viel zu lange über die eine oder andere Gestaltung nachdenkt.“

Diese kölschen Hängepartien – egal in welchem Bereich – sind keine gute Werbung für einen Standort und damit für den neuen Dezernenten ein Kernproblem. Noch ist Haacks Dynamik aus Duisburg spürbar und Abstimmungen mit den Kolleginnen und Kollegen in seinen Bereichen Wirtschaft, Stadtentwicklung und Digitales für ihn kein Problem. Doch mindestens drei andere Dezernenten und zahlreiche Amtsleiter von Umwelt, Ordnungsamt und Bauen sowie letztlich die Politik – alle wollen und werden in Köln mitreden.

Hoffen wir, dass Andree Haack die Arbeit so schwungvoll angeht und genauso sportlich nimmt, wie er zurzeit als Fahrradfahrer in der Stadt unterwegs ist. Aber auch da wird er wahrscheinlich schnell merken: Köln ist ein Marathon und kein Sprint.

Geduld und herzliche Grüße sendet Ihnen
Ihre
Claudia Hessel