Newsletter vom 8.01.2021

Anders als das hochverschuldete Köln steht Düsseldorf finanziell gut da

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs!

Seit zwei Monaten ist Stephan Keller neuer Oberbürgermeister Düsseldorfs. In Corona-Zeiten mit einer Fülle von Aufgaben ist das eine halbe Ewigkeit, ein gleich mehrfacher Crash-Kurs. Und so saß mir beim Jahresauftaktgespräch 2021 des Kölner Presseclubs im Kunsthaus Lempertz am Neumarkt ein Mann gegenüber, der voll im Stoff war. Als Stadtdirektor in Köln hatte der 50jährige sich vier Jahre von der Devise „Stille Wasser sind tief“ leiten lassen. Nun geht er in der Rolle als Stadtoberhaupt auf, ist sortiert, kompetent und um keine Antwort verlegen.

Das mitunter bizarr anmutende Verhältnis zwischen Köln und Düsseldorf nennt Keller „Folklore“. Er setzt auf regionale Zusammenarbeit, insbesondere in den Zeiten der Pandemie, die städtische Etats durchlöchert und Makulatur aus manchem forschen Plan macht. Anders als das hochverschuldete Köln steht Düsseldorf finanziell gut da. Doch werde man auch rheinabwärts nicht ohne Kreditaufnahme auskommen, mutmaßt Keller, der übrigens – Zeichen der Zeit – konsequent aufs Digitale setzt. Seine ruhige und den Menschen zugewandte Art, die seine Neujahrsansprache spiegelt, empfiehlt ihn nicht nur als Oberbürgermeister, sondern auch für weitere Ämter.

Zu unserem Gespräch kam das Stadtoberhaupt ohne dicke Dienstlimousine und sorgenvoll blickende Medienleute an seiner Seite. In der einen Hand die Aktentasche, in der anderen den tropfnassen Schirm, stand er in der Tür. Den Film zu unserem Gespräch mit Stephan Keller finden Sie hier.

Ungewöhnlich freimütig hat sich Dieter Steinkamp, Chef des Kölner Energieversorgers „Rheinenergie“, Luft gemacht. Im Interview mit Thorsten Breitkopf vom Kölner Stadt-Anzeiger kritisiert er eine Entscheidung der Stadt Köln, die 80 prozentige Eigentümerin der Rheinenergie ist. Diese wird künftig keinen Strom mehr für Rathäuser, Behörden, Schulen, Kitas und Museen an ihren Besitzer liefern, weil ein Hamburger Maklerbüro die Ausschreibung für die Stromversorgung gewann. Es war eine Dezimalstelle günstiger als der Kölner Energiekonzern und seitens der Stadt hatte niemand es für nötig gehalten, auch regional produzierten Strom zu fordern. So setzte sich als Lieferant „Lichtblick“ durch, dessen Gewinne letztlich in einem japanischen Großkonzern aufgehen. Den Vorgang verglich Dieter Steinkamp im Interview mit einem Bäcker, der seine Brötchen bei der Konkurrenz kauft. Er deutet darauf hin, dass in Köln nicht nur ein Klimanotstand herrscht, sondern es auch an praktischem Verstand mangelt.

Und die Gewinne der Rheinenergie? Sie gleichen z.B. das Defizit der Kölner Verkehrsbetriebe aus, finanzieren schnelle Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder helfen, Kölns politische Buslinie zu finanzieren – den Expressbus auf der Aachener Straße, den die schwarz-grüne Politik durchsetzte und den die „Kölnische Rundschau“ der wenigen Passagiere wegen die „Linie der einsamen Herzen“ nannte. Das war zu einer Zeit, als man noch sorglos Bus und Bahn nutzen konnte.

Ich wünsche uns und der Expressbuslinie, dass solche Zeiten bald wieder anbrechen. Aber einige Monate wird es noch dauern, fürchte ich, bis wir die Abstandsregeln lockern und bilanzieren können, in welchem Maße sich unser Leben durch Corona verändert hat.

Herzlich
Ihr
Peter Pauls