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Der Freiheitskämpfer – Jahresauftaktgespräch mit Gerhart Baum

31. Januar um 19:30 - 22:00

Zu Gast im Kölner Presseclub: Gerhart Baum, Bundesinnenminister a.D.

Moderation: Michael Hirz

 

Der Freiheitskämpfer – Jahresauftaktgespräch mit Gerhart Baum

„Ich sehe heute etwas, das mich damals schon berührt und geschockt hat: die alten Nazis sind zum Teil wieder da“, so Gerhart Baum im Gespräch mit Michael Hirz im Kölner Presseclub. Es seien auch nicht nur die Pegida-Anhänger, die wieder völkischem Denken anhingen und die Demokratie verachteten, sondern auch Teile des Bürgertums. Darin sieht er eine große Gefahr: „Weimar ist gescheitert auch wegen der Nachlässigkeit des Bürgertums gegenüber der Demokratie.“

Mit 91 Jahren hat er fast ein Jahrhundert deutsche Geschichte miterlebt: Krieg und Vertreibung, die „harten Nachkriegsjahre“, den Aufbau der Bundesrepublik, die Ostpolitik. Als junger Mann sei er – wie viele in seiner Generation –  motiviert gewesen durch die Frage: Was macht Deutschland anfällig für die Barbarei? „Bei uns jungen Leuten war es eine Herausforderung, die Demokratie aufzubauen.“ Über viele Jahre sei das auch gut gegangen.  „Wir haben eine geglückte Demokratie aufgebaut.“  Davon ist er bis heute überzeugt.

Baum ist schon 1954 in die Politik gegangen. Die CDU war ihm damals zu „klerikal“, die SPD zu „sozialistisch“, deshalb sei er in die FDP eingetreten, obwohl sich dort viele alten Nazis getummelt hätten. Er habe damals die Partei verändern wollen und die Republik gleich mit. Das Grundgesetz sollte „mit Leben gefüllt“ werden. Als Innenminister in schwierigen Zeiten (1978 – 1982) waren die Bürgerrechte sein großes Thema. Als Anwalt kämpft er bis heute gegen Menschenrechtsverstöße: „Der Begriff, der uns alle zusammenhält, ist die Menschenwürde“.

Inzwischen ist er seit 70 Jahren in der FDP. Ein bisschen „gefühllos“ komme die ihm jetzt vor. Die Partei müsse sich fragen, wofür sie eigentlich noch stehe. Insbesondere in einer Zeit, die von Krieg, Krisen und fundamentalen Veränderungen geprägt sei. Herausforderungen, die für jeden schwierig seien, „auch für die CDU“.  Den Vertrauensverlust durch die Ampel findet er „sensationell“. Trotzdem habe die Regierung „viele gute Sachen gemacht, aber die gehen unter im Streit“. Man müsse den Menschen sagen, was auf sie zukomme. Dazu gehöre möglicherweise auch, dass sich Europa in Zukunft selbst verteidigen müsse.

Denn Putin wolle eine „neue Weltordnung“, er habe keine Angst vor der Nato, sondern vor Demokratie und Freiheit an Russlands Grenzen. Mit der Entspannungspolitik von damals ließe sich heute nichts mehr erreichen.  Europa müsse der Ukraine mit Waffen beistehen. Nur mit Demonstrationen gegen den Krieg sei „kein Frieden zu schaffen“.

„Wenn ich zurückblicke,  habe mich noch nie in einer  Situation gefunden, wo es so viele Krisen gab“. Das Jahr 2024 sei mit der Europawahl, der Wahl des US-Präsidenten und den Landtagswahlen im Osten Deutschlands ein Schicksalsjahr. Ein bisschen Optimismus ist ihm aber auch in schwierigen Zeiten geblieben: „Es ist ein Potential an Freiheit in jedem Staat und in jedem Menschen.“

Ulrike Brincker

Details

Datum:
31. Januar
Zeit:
19:30 - 22:00

Veranstaltungsort

Excelsior Hotel Ernst
Trankgasse 1-5
Köln, 50667
Google Karte anzeigen

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Datum:
31. Januar
Zeit:
19:30 - 22:00

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