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Zu Dunkel, Zu Einsam, Zu Gefährlich

19. November, 2025 um 19:30 - 21:30

Wo und warum sich Frauen in Köln nicht sicher fühlen.

 

Unsere Gäste:

Teresa De Bellis, Mitglied des Rates der Stadt Köln (CDU)

Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer zu Köln

Dr. Harald Rau, Beigeordneter der Stadt Köln als Dezernent für Soziales, Gesundheit und Wohnen

 

Moderation: Claudia Hessel (Vorstand)

Zu dunkel, zu einsam, zu gefährlich. Wo und warum sich Frauen in Köln nicht sicher fühlen

IHK-Präsidentin Nicole Grünewald, Dr. Harald Rau, Kölner Dezernent für Soziales, Gesundheit und Wohnen, und CDU-Ratsmitglied Teresa De Bellis diskutierten über Angsträume in der Stadt

 

Von Stefan Rahmann

Nicole Grünewald nahm kein Blatt vor den Mund: „Der Ebertplatz ist einer der furchtbarsten Orte, die die Welt jemals geschaffen hat.“ Die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK) war zu Gast bei einer Podiumsdiskussion des Kölner Presseclubs. Der Einladung gefolgt waren auch Dr. Harald Rau, Kölner Dezernent für Soziales, Gesundheit und Wohnen, und Teresa De Bellis, CDU-Ratsmitglied und seit kurzem Bürgermeisterin der Stadt. Das Thema des Abends lautete „Zu dunkel, zu einsam, zu gefährlich. Wo und warum sich Frauen in Köln nicht sicher fühlen.“

Moderatorin Claudia Hessel, Vorstand des Presseclubs, nannte zu Beginn Orte, an denen Frauen sich unsicher fühlen: Ein unbeleuchteter Tunnel in Klettenberg, der Neumarkt, der Haubrich-Hof. Als sie das Publikum bat, weitere solcher Orte zu nennen, wurde deutlich, dass das Thema vielen auf den Nägeln brennt. Der Wiener Platz, der Barbarossaplatz, die Ringe, die KVB-Haltestelle Geldernstraße und der Appellhofplatz waren weitere Beispiele. Teresa De Bellis verwies auf Bus- und Bahnhaltestellen in den Außenbezirken, die morgens und abends oft verwaist seien. „Ich bin froh, dass ich Autofahrerin bin.“ Nicole Grünewald berichtete von einer Freundin aus Gummersbach, die in einem Innenstadt-Parkhaus vielen Drogenkonsumenten begegnet sei und entschieden habe, nicht mehr in Köln einzukaufen. „Das sind wirtschaftliche Einbußen für die Geschäftsleute. Da müssen wir ganz schnell was tun.“ Es sei im Übrigen nicht frauenfreundlich, wenn immer mehr oberirdische Parkplätze abgeschafft würden. „Da können Sie die Parkhäuser noch so gut ausleuchten. Hinter jedem Pfeiler kann einer stehen.“

Claudia Hessel erinnerte an den städtischen „Masterplan kommunale Sicherheit“. Mit dem können gefährliche Quartiere in der Stadt identifiziert und Strategien zur Erhöhung der Sicherheit entwickelt werden. Grünewald winkte ab: „Wir brauchen Licht, Sauberkeit, die Polizei und den Ordnungsdienst. Der Plan hat 650.000 Euro gekostet und hilft uns kurzfristig nicht weiter.“ Das wollte Harald Rau so nicht stehen lassen: „Wir sprechen hier über 570 Quartiere in Köln. In denen sind dann auch die Anwohnerinnen und Anwohner gefordert, um dafür zu sorgen, dass es vor Ort funktioniert. Beispielsweise ist in den Quartieren, in denen es an Sauberkeit mangelt, die Angst der Menschen größer.“ Grünewald hielt dagegen: „Sicherheit gehört ganz klar zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Verantwortung liegt eindeutig beim Staat.“ Teresa De Bellis merkte an, dass viele junge Frauen abends nicht mehr vor die Tür gingen. Sie verwies auf Wien als vorbildliches Beispiel. „Dort betreibt man Stadtplanung ganz bewusst aus der Sicht von Frauen. Licht, Lärm, Leute und belebte Erdgeschosse sorgen für Sicherheit. In Wien hat man Sträucher entfernt, hinter denen man sich verstecken kann. Ich bin gespannt, ob wir das im zukünftigen Grüngürtel neben der Parkstadt Süd mitdenken.“ Rau verwies auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das Bedrohungsgefühl sei ungleich verteilt. Frauen und ärmere Menschen fühlten sich stärker bedroht. Angst sei ein größeres Thema in Quartieren mit hoher Fluktuation.

Dann kam die Rede auf den Neumarkt und die Probleme mit den Drogenkonsumenten. Rau nannte das Modell der gemeinsamen Streifen von Polizei, Ordnungsamt und KVB erfolgreich. „Wir betreiben da allerdings einen großen personellen Aufwand.“ Die Vertreibung der Konsumenten sei keine Lösung. Schnell müssten jetzt, wie vom Rat beschlossen, drei Suchthilfezentren nach dem Züricher Modell eingerichtet werden. Zwei im Linksrheinischen möglichst in Nähe des Stadtzentrums, eins im Rechtsrheinischen. Rau hatte eine Überraschung mitgebracht: „Es gibt zwei Stiftungen, die angeboten haben, die Suchthilfezentren mit jährlichen Millionenbeträgen zu unterstützen.“

Sicherheit sei ein bedeutender Standortfaktor für die Wirtschaft, betonte Nicole Grünewald. „Ich habe zum ersten Mal in dieser Stadt das Gefühl, dass wir mit den Suchthilfezentren alle an einem Strang ziehen. Das müssen wir auch, denn wir werden von unseren Unternehmen dahin geprügelt.“ Harald Rau bezeichnete die Entwicklung des Ebertplatzes als Erfolgsgeschichte. Wenn auch nur tagsüber. Der Brunnen sei aktiviert worden, eine Gastronomie eingerichtet. „Das ist dank der Anwohner ein sympathischer Ort der Begegnung.“ So stellt sich das der Dezernent auch für die Neumarkt vor. Auch dort sprudele der Brunnen. Es habe kulturelle Angebote gegeben. Grünewald warf ein, dass die Gastronomie fehle. „Es gab Leute, die dort ein gastronomisches Angebot vorhalten wollten. Deren Ideen war der Stadt aber zu ambitioniert. Und solange der Circus Roncalli dort einmal im Jahr sein Zelt aufbaut, ist eine Gastronomie nicht möglich.“

Claudia Hessel, Moderatorin des Abends und Vorstand Kölner Presseclub ergänzt:

Am Ende wurde noch einmal deutlich, wie sehr das Thema bewegt: Ein voll besetzter Saal, zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum – die Diskussion war lebhaft, kritisch und emotional. Viele Besucherinnen berichteten von eigenen Erlebnissen, viele stellten Forderungen, manche widersprachen den Podiumsgästen offen. Und zwischen all den Argumenten zeigte sich die eigentliche Wunde, in die der Abend den Finger legte: Köln hat kein Erkenntnisproblem – wir wissen seit Jahren genau, wo die Angsträume liegen und was sie verursachen. Köln hat ein Umsetzungsproblem.

 

Details

Datum:
19. November, 2025
Zeit:
19:30 - 21:30

Veranstaltungsort

Excelsior Hotel Ernst
Trankgasse 1-5
Köln, 50667
Google Karte anzeigen

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Datum:
19. November, 2025
Zeit:
19:30 - 21:30

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Excelsior Hotel Ernst
Trankgasse 1-5
Köln, 50667
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