Newsletter vom 05.06.2020

„Stürzen oder stützen.“ Diesen klassischen Satz hat Wolfgang Schäuble (CDU) formuliert. Eine Partei müsse entschieden mit ihren Kandidatinnen und Kandidaten sein. Sonst bringe das Engagement im Wahlkampf nichts. „Lauwarm baden“ (das stammt vom historischen SPD-Zuchtmeister Herbert Wehner) tauge nur für Unentschlossene, passt aber auch in diesen Zusammenhang.

Roberto Campione, ein unabhängiger Kandidat für die Kölner OB-Wahl, ist zu seiner Bewerbung von Teilen der Kölner CDU ermutigt und aufgefordert worden, berichtet er ganz offen – darunter sind Köpfe, die man in dieser Stadt gut kennt. Der 47jährige aus Kalk ist mit seinen italienischen Wurzeln ein Kölner Gewächs durch und durch. Der Familienvater steht für die Offenheit dieser Stadt und ist vernetzt bis in die „Veedel“ hinein. Einer modernen Großstadtpartei stünde einer wie Campione – Stadtplaner, Architekt, Hotelier – gut an.

Kein Wunder, dass er zahlreiche Unterstützer hat. Spricht man die aber auf das Schäuble-Wort an, dann wenden sie ein: Die CDU habe ja – schon wieder – keine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten für die OB-Wahl am 13. September in Köln. Es sei verwegen, da Einigkeit à la Schäuble erwarten zu wollen. In der Tat ist Amtsinhaberin Henriette Reker parteilos und lediglich Teile der CDU, wie man jetzt sagen muss, teilen sie sich mit den Grünen. Sie steht nicht für die Werte der CDU (dann wäre sie wohl in der Partei). Sie steht aber für etwas, was manchem Partei-Strategen wichtiger als alle Werte ist: Henriette Reker garantiert den Zugang zur Macht.

Kann Roberto Campione ihr das Amt streitig machen? Je nachdem, in welchem Stadtteil Kölns man unterwegs ist, hält man das mitunter für keine abwegige Idee. Nüchtern betrachtet sind die Chancen des Newcomers jedoch eher endlich. Aber selbst das kann schon zu viel sein – denn Stimmen für Campione fehlen Reker. Dann könnte es knapp werden. So rechnen die Machtstrategen im Rathaus und sie tun das unabhängig von Parteigrenzen. Denn es ist ja so einfach. Der Stimmenkuchen wird kleiner, wenn einer zu viel am Tisch sitzt.

Man habe ihn kaufen wollen, hat Roberto Campione mir im Interview des „Kölner Presseclub“ erzählt. Sie können sich das selber anschauen und anhören. Lass die Kandidatur ruhen, tritt in die CDU ein, werde später mit einem Pöstchen belohnt, heißt es da in Kurzform. Wer Ihnen sagt, Politik funktioniere so nicht, beleidigt Ihre Intelligenz. Ich habe mit Anna Verpoorten über diese Entwicklung gesprochen. Die Kölnerin saß für die CDU im Düsseldorfer Landtag und machte als medienpolitische Sprecherin von sich reden. Sie fühlt sich durch das Kaufangebot erinnert an die Zeit der Intrigen und Machtkämpfe, die sie veranlasst haben, der Politik im Rheinland den Rücken zu kehren. „Politische Ämter sind weder Eigentum noch können sie Parteien als freie Verfügungsmasse dienen wie Bonbons,“ sagte sie mir.

Das vollständige Interview mit Campione finden Sie hier auf unserer homepage.

Sie sind zeitlich knapp und nur das Kaufangebot interessiert Sie? Die Kurzversion finden Sie direkt unter dem langen Interview.

Titel: CDU wollte mich aus dem Rennen kaufen.

Ganz unstrittig haut da einer auf die Pauke. Seien wir froh, dass er es tut. Denn solche Zustände sollten eigentlich überwunden sein. Dass der Kandidat mehr zu bieten hat, erfahren Sie im Interview. Zuhören lohnt sich über die gesamten 40 Minuten. Hinterher sind Sie klüger, das garantiere ich.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Peter Pauls