NEWSLETTER 17.04.2026
Der Streit um den Abendmarkt am Rudolfplatz zeigt anschaulich, wie Anwohner und Stadt aneinander vorbeireden. Worum geht’s hier eigentlich?
Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,
vergangene Woche Donnerstag bin ich mit einem Bügelbrett durch die Stadt gelaufen – und im Rucksack hatte ich: Käse, Wurst sowie zwei Flaschen guten Wein (dieses Detail wird noch wichtig werden!). Mein Ziel: der Rudolfplatz. Dort findet eigentlich donnerstags ein Abendmarkt, auch Foodmarket genannt, statt – am vergangenen Donnerstag jedoch nicht. Sie werden die Berichte bestimmt kennen: Die Stadt hat nach einer Ausschreibung einen neuen Betreiber ausgewählt – für viele kam der Wechsel dennoch überraschend kurzfristig. Also, was macht der Kölner? Er veranstaltet selbst einen Abendmarkt – mit Bügelbrett als Abstellfläche. 250 Menschen nahmen an dieser offenbar nicht angemeldeten „Fressdemonstration“ teil.
Das Geschrei über die Veränderungen dieses Abendmarkts ist für mich faszinierend. In meinem Umfeld haben es viele so verstanden, dass der Markt komplett verschwindet. Das lag zum einen am alten Betreiber, der wegen des Endes seines Marktes entsprechend gelaunt seine Enttäuschung öffentlich kundtat. Und dann war da noch die Stadt, die zwar ein neues Konzept in Aussicht stellte, aber dieses offenbar zu kurzfristig kam und den Betreiber-Nachfolger in der Organisation überfordert haben dürfte.
Währenddessen war für die Kölner in der Innenstadt schon wieder Donnerstag und der Markt fehlte. Es kam zum beschriebenen Bügelbrett-Protest. Fakt ist, der neue Betreiber namens „Marktgilde“ soll den Abendmarkt nach den Regeln der Gewerbeordnung veranstalten. Diese war bislang weit ausgelegt oder sogar ignoriert worden – und alle schauten dabei zu. Diese Gewerbeordnung sieht vor allem eines nicht vor, was viele am bisherigen Markt aber reichlich, ja manche sogar ausschließlich, konsumieren: Alkohol.
Mit wem ich auch rede: Niemand versteht die Stadtverwaltung. Warum kommt sie ausgerechnet jetzt ins Umdenken, zieht die Notbremse und kann dann mit dem neuen Betreiber nicht mal einen nahtlosen Übergang präsentieren? Die einhellige Meinung in meinen Kreisen ist, dass das irgendwelche Beamten und Juristen, ohne Frohsinn und Lebenslust, in Hinterzimmern verbockt haben müssen. Über solche Aktionen kommen bei den Leuten ernsthafte Zweifel am politischen System auf – auch wenn es „nur“ um einen Markt-Treff zum Feierabend geht.
Der Alkohol soll aber, Gerüchten zum Trotz, nicht wegfallen. Alkoholische Getränke dürfen nur nicht gemixt werden, sondern müssen selbst erzeugt sein, weshalb wohl nur Winzer auf den Markt dürfen. Für eine Kölschbrauerei ist da sprichwörtlich Hopfen und Malz verloren, weil sie diese Zutaten nicht selbst anbaut.
Startschuss für den neuen Markt soll nach Informationen des Kölner Presseclubs der 30. April sein – quasi als Tanz in den Mai. Laut dem Niederlassungsleiter für Köln, Martin Rosmiarek, dürften bis zu 17 Beschicker Platz haben. Das wären etwas mehr als bisher. Doch wer letztlich kommt, steht noch nicht fest. Die Verhandlungen über Standgebühren und Angebotsversprechen laufen noch. Laut Marktgilde haben einige Händler auch abgesagt, weil sie ohne den Schwerpunkt auf den Alkoholausschank keine rentable Zukunft am Rudolfplatz sehen.
Mal abgesehen vom Alkohol wird sich auch das Angebot bei den Speisen ändern – und darin liegt bei Stammgästen die nächste Kritik und gleichzeitige Befürchtung. Die Beschicker dürfen, wie bei den Getränken, nur selbst angebaute und direkt verarbeitete Lebensmittel verkaufen. Ich möchte meine Markt-Mitmenschen aber beruhigen: Nach allem, was ich von der Marktgilde höre, muss dieses andere Angebot nicht gleich schlechter sein.
Frischewaren, Imbisse und Winzer werden also den Rudolfplatz künftig am Donnerstagabend prägen. Zu einem Abend mit Freunden könnte es also verschiedene Käsesorten, geschnittene Wurst und ein Glas Riesling geben. Apropos: Die gute Flasche Wein hatte ich mir vergangene Woche ja von zu Hause mitgebracht. Eine richtige Entscheidung. Beim bisherigen Veranstalter war die Weinauswahl für meinen Geschmack teils miserabel. Den schlechtesten Grauburgunder meines Lebens hatte ich mit Abstand auf dem Rudolfplatz. Insofern haben die neuen Betreiber ihre Chance verdient. Viel Erfolg!
Ihr
David Rühl