NEWSLETTER 17.04.2026

Der Streit um den Abendmarkt am Rudolfplatz zeigt anschaulich, wie Anwohner und Stadt aneinander vorbeireden. Worum geht’s hier eigentlich?

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

vergangene Woche Donnerstag bin ich mit einem Bügelbrett durch die Stadt gelaufen – und im Rucksack hatte ich: Käse, Wurst sowie zwei Flaschen guten Wein (dieses Detail wird noch wichtig werden!). Mein Ziel: der Rudolfplatz. Dort findet eigentlich donnerstags ein Abendmarkt, auch Foodmarket genannt, statt – am vergangenen Donnerstag jedoch nicht. Sie werden die Berichte bestimmt kennen: Die Stadt hat nach einer Ausschreibung einen neuen Betreiber ausgewählt – für viele kam der Wechsel dennoch überraschend kurzfristig. Also, was macht der Kölner? Er veranstaltet selbst einen Abendmarkt – mit Bügelbrett als Abstellfläche. 250 Menschen nahmen an dieser offenbar nicht angemeldeten „Fressdemonstration“ teil.

Das Geschrei über die Veränderungen dieses Abendmarkts ist für mich faszinierend. In meinem Umfeld haben es viele so verstanden, dass der Markt komplett verschwindet. Das lag zum einen am alten Betreiber, der wegen des Endes seines Marktes entsprechend gelaunt seine Enttäuschung öffentlich kundtat. Und dann war da noch die Stadt, die zwar ein neues Konzept in Aussicht stellte, aber dieses offenbar zu kurzfristig kam und den Betreiber-Nachfolger in der Organisation überfordert haben dürfte.

Währenddessen war für die Kölner in der Innenstadt schon wieder Donnerstag und der Markt fehlte. Es kam zum beschriebenen Bügelbrett-Protest. Fakt ist, der neue Betreiber namens „Marktgilde“ soll den Abendmarkt nach den Regeln der Gewerbeordnung veranstalten. Diese war bislang weit ausgelegt oder sogar ignoriert worden – und alle schauten dabei zu. Diese Gewerbeordnung sieht vor allem eines nicht vor, was viele am bisherigen Markt aber reichlich, ja manche sogar ausschließlich, konsumieren: Alkohol.

Mit wem ich auch rede: Niemand versteht die Stadtverwaltung. Warum kommt sie ausgerechnet jetzt ins Umdenken, zieht die Notbremse und kann dann mit dem neuen Betreiber nicht mal einen nahtlosen Übergang präsentieren? Die einhellige Meinung in meinen Kreisen ist, dass das irgendwelche Beamten und Juristen, ohne Frohsinn und Lebenslust, in Hinterzimmern verbockt haben müssen. Über solche Aktionen kommen bei den Leuten ernsthafte Zweifel am politischen System auf – auch wenn es „nur“ um einen Markt-Treff zum Feierabend geht.

Der Alkohol soll aber, Gerüchten zum Trotz, nicht wegfallen. Alkoholische Getränke dürfen nur nicht gemixt werden, sondern müssen selbst erzeugt sein, weshalb wohl nur Winzer auf den Markt dürfen. Für eine Kölschbrauerei ist da sprichwörtlich Hopfen und Malz verloren, weil sie diese Zutaten nicht selbst anbaut.

Startschuss für den neuen Markt soll nach Informationen des Kölner Presseclubs der 30. April sein – quasi als Tanz in den Mai. Laut dem Niederlassungsleiter für Köln, Martin Rosmiarek, dürften bis zu 17 Beschicker Platz haben. Das wären etwas mehr als bisher. Doch wer letztlich kommt, steht noch nicht fest. Die Verhandlungen über Standgebühren und Angebotsversprechen laufen noch. Laut Marktgilde haben einige Händler auch abgesagt, weil sie ohne den Schwerpunkt auf den Alkoholausschank keine rentable Zukunft am Rudolfplatz sehen.

Mal abgesehen vom Alkohol wird sich auch das Angebot bei den Speisen ändern – und darin liegt bei Stammgästen die nächste Kritik und gleichzeitige Befürchtung. Die Beschicker dürfen, wie bei den Getränken, nur selbst angebaute und direkt verarbeitete Lebensmittel verkaufen. Ich möchte meine Markt-Mitmenschen aber beruhigen: Nach allem, was ich von der Marktgilde höre, muss dieses andere Angebot nicht gleich schlechter sein.

Frischewaren, Imbisse und Winzer werden also den Rudolfplatz künftig am Donnerstagabend prägen. Zu einem Abend mit Freunden könnte es also verschiedene Käsesorten, geschnittene Wurst und ein Glas Riesling geben. Apropos: Die gute Flasche Wein hatte ich mir vergangene Woche ja von zu Hause mitgebracht. Eine richtige Entscheidung. Beim bisherigen Veranstalter war die Weinauswahl für meinen Geschmack teils miserabel. Den schlechtesten Grauburgunder meines Lebens hatte ich mit Abstand auf dem Rudolfplatz. Insofern haben die neuen Betreiber ihre Chance verdient. Viel Erfolg!

Ihr

David Rühl

NEWSLETTER 27.03.2026

Wer beschützt Köln? General Draken über Agenten-Angriffe, die „Kaltstart-Fähigkeit“ der Truppe und die Bedeutung der Eigenverantwortung

 

 

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

es war vor wenigen Wochen, spät am Abend. Eine Drohne stand mit ratterndem Motor in der Luft, vielleicht 100 Meter hoch. Rot und grün blinkend, ein Scheinwerfer auf den Boden gerichtet. Ich sah sie vom Balkon aus über dem Rhein. Für einen Moment war ich beunruhigt, dann nachdenklich. Haben uns die schrecklichen Kriegsbilder aus Nahost, aus dem Iran, aus der Ukraine zu sehr beschäftigt? Oder vielleicht sogar zu wenig? Ist uns bewusst, was uns bedroht? Und worauf müssen wir hier, zweieinhalb Flugstunden vom Kampfgeschehen im Osten, vorbereitet sein?

Köln ist Garnisonsstadt. Mit rund 10.000 Beschäftigten gehört die Bundeswehr zu den drei größten Kölner Arbeitgebern. Repräsentiert wird sie von dem Standortältesten. Das ist seit einem Jahr Brigadegeneral Daniel Draken (59), Chef des Stabes Luftwaffentruppenkommando in Köln-Wahn. An einem Freitagmorgen, nachdem er schon mehrere Stunden Lagebesprechungen hinter sich hat, nimmt sich General Draken Zeit für meine Fragen.

Wir sprechen darüber, wie sicher wir uns fühlen können. Und da gibt es ein Einerseits und ein Andererseits. „Deutschland ist im Schutz des NATO-Bündnisses sicher“, sagt General Draken und betont: „Kein Grund, Panik zu schüren.“ Andererseits: Eine akute Bedrohung gebe es dennoch, und zwar durch subversive Angriffe, denen wir permanent ausgesetzt seien. „Tagtäglich“, so Kölns Standortältester, „gibt es inzwischen Aktionen, die darauf zielen, unser System zu stören, Unruhe und Unsicherheit zu stiften.“ Sabotage, Sachbeschädigung, Brandstiftung, Cyber-Attacken – nicht nur gegen Bundeswehr-Einrichtungen, sondern gegen jede empfindliche Stelle der Infrastruktur und der Versorgungsstränge. General Draken beobachtet mit Sorge, „dass diese Störaktionen zugenommen haben“. Wie schnell große Teile der Bevölkerung schwer getroffen werden können, habe man zuletzt bei dem Stromausfall in Berlin gesehen.

Wer steckt hinter diesen Angriffen, will ich wissen. Nach Erkenntnissen von General Draken spielen, neben politisch motivierten Tätern, sogenannte „Proxy-Agenten“ eine zunehmende Rolle. Die deutschen Sicherheitsbehörden haben sie auch als „Low-Level“- oder „Wegwerf“-Agenten auf dem Schirm. BKA und Nachrichtendienste gehen davon aus, dass sie im Auftrag ausländischer, meist russischer, Geheimdienste in Deutschland Straftaten begehen, oftmals ohne zu wissen, wer ihre Auftraggeber sind. Unumwunden erklärt Sinan Selen, Vizepräsident beim Bundesamt für Verfassungsschutz: „Fremde Staaten bedrohen unsere Demokratie und Sicherheit durch den Einsatz von teils unbedachten und nachrichtendienstlich ungeschulten Wegwerf-Agenten, die auf schnelles Geld aus sind und durch soziale Medien und Messengerdienste rekrutiert werden.“

Der Schutz vor solchen Angriffen ist für General Draken von großer Bedeutung. „Aber dies ist nicht allein eine militärische, sondern in erster Linie eine zivilgesellschaftliche Aufgabe.“ Er verweist auf das strategische Konzept der Bundeswehr zur Vorbereitung auf Krisen- und Verteidigungsfälle („Operationsplan Deutschland“), in dem es auch um die Eigenverantwortung von Kommunen, Industrie oder Versorgungsunternehmen für die Sicherung ihrer Einrichtungen geht. „Im Verteidigungsfall“, so Draken, „ist die Bundeswehr nämlich gar nicht hier vor Ort, sondern an der Front.“ In der Mission, dies allen bewusst zu machen, ist er als Standortältester zurzeit viel unterwegs, auch im Kölner Rathaus, in Unternehmen und Behörden. Er glaubt: „Die Message ist angekommen.“ Die Umsetzung der Maßnahmen sei eine andere Frage, für ihn schwer einzuschätzen.

Für General Draken heißt Eigenverantwortung auch: „Jeder Einzelne in der Bevölkerung sollte sich fragen: Was kann ich selbst tun, um möglichst krisensicher zu sein?“ Zum Beispiel? Das könne vom privaten Trinkwasservorrat über die Abschirmung des persönlichen Rechners gegen Cyberattacken bis zur Unterstützung Schutzbedürftiger in der Umgebung reichen, sagt General Draken. Für eine Generation, die in einer „Wohlfühloase“ aufgewachsen sei – und da schließt er seine eigenen drei Kinder mit ein – bedeute das ein Umdenken. Seine klare Ansage: „Wir müssen weg von diesem Anspruch auf Vollkaskoschutz.“

Umdenken ist auch bei der Bundeswehr ein Thema. Früher habe es planbare Auslandseinsätze gegeben. „Da konnten wir uns ein Jahr lang vorbereiten“, erinnert sich General Draken. Inzwischen, spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, „müssen wir mit einer sehr kurzen Vorwarnzeit rechnen“. Bundeswehrintern gibt es den Begriff der „Kaltstart-Fähigkeit“, also in kürzester Zeit einsatzbereit zu sein. In der Praxis bedeutet das, jederzeit alle erforderlichen Qualifikationen – etwa bei der Anzahl der Schießübungen –  vorweisen zu können,  aber auch: weniger Homeoffice-Tage, mehr Präsenz. „Und wir legen allen Einsatzkräften nahe, eine persönliche Kaltstart-Akte parat zu haben, mit einer Checkliste, woran zu denken ist, wenn es morgen losgehen würde.“

Auf meine Frage, inwieweit die aktuelle Lage innerhalb der Truppe Besorgnis auslöst, antwortet der Standortälteste differenziert: „Selbstverständlich macht sich jede Soldatin und jeder Soldat Gedanken darüber, in welcher Weise eine persönliche Betroffenheit eintreten könnte. Zugleich ist jedoch allen Angehörigen der Truppe die besondere Verantwortung ihres Dienstes bewusst. Gerade in der gegenwärtigen Situation zeigt sich, dass gute Ausbildung, Professionalität im beruflichen Alltag und ein ausgeprägter Zusammenhalt wesentlich zur Stabilität und Handlungsfähigkeit eines jeden einzelnen beitragen.“

Die  Drohne, die mich in der Dunkelheit beunruhigt hatte, war im Übrigen nach ein paar Minuten Richtung Norden weitergeflogen. ChatGPT kam aufgrund der Positionslichter und des Scheinwerfers zu dem Schluss, dass es eine Aufklärungsdrohne von Polizei oder Feuerwehr gewesen sein müsste. Kann also als harmlos abgehakt werden. Während mich die Antworten von General Draken weiter beschäftigen.

 

Mit nachdenklichen Grüßen

Ihre Cordula von Wysocki

 

NEWSLETTER 20.03.2026

Zwischen Krisenmodus und Realität: Warum Köln besser ist als sein Image und wir das viel deutlicher zeigen sollten

 

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

 

Baustellen, Verzögerungen, Sanierungsstau, Streit um Verkehrsversuche und Parkplätze – wer die täglichen Meldungen verfolgt, könnte meinen, Köln komme aus dem Krisenmodus nicht mehr heraus.

Doch ist das die ganze Wahrheit?

Ich habe mit Dr. Reimar Molitor gesprochen, dem Geschäftsführer Region Köln/Bonn e.V. Der Verein vernetzt 61 Kommunen. Von der Millionenstadt bis zur ländlichen Gemeinde. Er bündelt und befördert Projekte, holt dafür Fördermittel von Land, Bund und EU und sorgt dafür, dass Vorhaben nicht an Stadtgrenzen scheitern. Molitor kennt seit vielen Jahren die unterschiedlichen Interessen, finanziellen Spielräume und politischen Realitäten der Region und vor allem eben auch in Köln sehr genau.

Sein Fazit fällt deutlich aus: „Die Menschen haben genug von schlechten Nachrichten. Und auf der Stadtverwaltung und ihren Verantwortlichen herumzutrampeln ist in Köln fast zu einer Art Sport geworden.“ Er spricht von einer medialen Gewohnheit, die sich verselbstständigt hat. Permanenter Krisenmodus. Permanente Empörungsschleife. „Es ist, als stünde Köln immer im Regen“, sagt er. „In den Schlagzeilen ist ständig alles schlecht.“

Molitor plädiert deshalb für einen Perspektivwechsel. Weg von der emotionalisierten Innensicht. Hin zu einem nüchternen Blick auch auf das, was tatsächlich entsteht. Fertige Projekte. Funktionierende neue Strukturen. Neue Cluster. Internationale Kooperationen.

Die Realität in Köln ist komplexer als das tägliche Empörungsritual“, sagt Molitor. Wer einmal durch diese Brille schaut, landet schnell am Flughafen Köln/Bonn und beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dort entsteht ein Cluster für Satellitentechnik und Raumfahrtanwendungen. Unternehmen und Forschungsinstitute arbeiten an Erdbeobachtung, Kommunikationstechnologie und sicherheitsrelevanten Systemen – ein europäisches Raumfahrtcluster mit internationaler Ausstrahlung.

Der Blick auf die Region zeigt noch mehr Dynamik. Molitor verweist auf ein weiteres Beispiel nur wenige Kilometer entfernt: Entlang der Achse Köln–Bonn sei in den vergangenen Jahren ein Forschungsraum entstanden, der weltweit Gewicht hat.

Die Universitäten in Bonn und Köln forschen längst nicht mehr jede für sich, erklärt er. Beide Universitäten betreiben „rheinisch untergehakt“ gemeinsame Spitzenprojekte, etwa in der Wirtschaftsforschung, beim Quantencomputing oder in der Astrophysik. Kurz: In Bonn wird häufig die Grundlagenforschung vorangetrieben. In Köln geht es stärker darum, Wissen in Unternehmen, Start-ups und konkrete Anwendungen zu übertragen.

Die Universität zu Köln ist in der Exzellenzstrategie stark vertreten. Cluster gibt es unter anderem in Alternsforschung, Pflanzenwissenschaft, Quantenphysik und Wirtschaft. Mit dem Gateway Exzellenz Start-up Center verfolgt die Universität das Ziel, Forschung in Gründungen zu überführen. Wissenschaft soll nicht im Labor enden, sondern im Markt ankommen.

So entsteht entlang der Achse Köln–Bonn ein gemeinsamer Wissenschafts- und Innovationsraum, der weit über die Region hinaus international wahrgenommen wird, sagt Molitor. Ein Raum, der deutlich größer ist als das Bild der „Problemstadt Köln“. Für Molitor ist entscheidend: „Diese Dynamik macht nicht an Stadtgrenzen halt.“

Spitzenforschung, neue Unternehmen und Ideen in Köln. Hightech direkt an unserem Flughafen. Hätten Sie das mit Köln verbunden? Es passt jedenfalls nicht zu dem düsteren Bild, das oft von Köln gezeichnet wird.

Gleichzeitig wäre es falsch, die täglichen Probleme vor Ort kleinzureden. Wer morgens auf eine verspätete Bahn wartet, über Schlaglöcher fährt oder erlebt, wie lange Genehmigungen und Entscheidungen dauern, spürt sehr konkret, wo Köln im Alltag nicht funktioniert. Diese Erfahrungen prägen das öffentliche Bild. Aber sie verdecken leider auch, was sich parallel hier positiv entwickelt.

In meinen Gesprächen wurde noch etwas anderes deutlich: Vielen ist gar nicht bewusst, welche Rolle Köln als Wirtschaftsstandort spielt. Kaum jemand weiß, in welchen Branchen wir besonders gut aufgestellt sind. Genau hier setzt eine neue Initiative aus der Kölner Wirtschaft an, die sich derzeit formiert. Ihr Ziel: sichtbar machen, welche Unternehmen, Technologien und Innovationen hier entstehen. Denn eine funktionierende Wirtschaft ist keine abstrakte Größe. Sie entscheidet ganz konkret darüber, wie handlungsfähig Köln bleibt – und sie ist eine wichtige Grundlage für soziale Stabilität und einen soliden städtischen Haushalt. Die finanzielle Realität ist nämlich ernst: Köln steckt derzeit in einer der schwierigsten Haushaltslagen seit Jahren, mit Defiziten in dreistelliger Millionenhöhe und wachsendem Spardruck.

Umso wichtiger ist die Frage, wie wir über Köln sprechen und berichten. Wir Journalisten, und ich zähle mich ausdrücklich dazu, müssen aufpassen, dass Kritik an der Stadt nicht zur Selbstbeschäftigung wird. Natürlich müssen wir Missstände weiter benennen; das  bleibt unsere Aufgabe. Aber wir sollten darauf achten, dass aus berechtigter Kritik kein Dauerbild der Krise entsteht. Denn auch das, was funktioniert, wächst und Zukunft hat, gehört zur Wirklichkeit unserer Stadt und sollte daher viel öfter gezeigt werden. Gerade dann, wenn der Himmel über Köln einmal wieder voller Wolken hängt.

Sonnige Grüße sendet

Ihre
Claudia Hessel

 

 

 

 

 

 

NEWSLETTER 13.03.2026

Über Rote Teppiche für die Literatur,

eine große Nachkriegs-Erfolgsgeschichte und

 ein feines Gespür für den Zeitgeist

 

 

 

Sehr geehrte Mitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

 

 

man tritt Köln vermutlich nicht zu nahe, wenn man die Stadt nicht unbedingt als Zentrum des geistigen Lebens in Europa sieht. Es war eher, vor allem im Mittelalter, geistlich-religiöses Zentrum, schon weil es gelang, die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln zu holen und damit einen Ruf als wichtiger Ort für das lateinische Christentum zu etablieren. Kult und Kultur waren schon immer wichtige Standortfaktoren.

Als Ort für lebendige Debatten, als quirlige Stadt von Verlagen,  Autoren, geistigen Impulsen hat Köln aber einen enormen Aufschwung erlebt. Davon zeugt die lit.Cologne, Europas größtes Festival für Gegenwartsliteratur, das mit – stark auf die rheinische Mentalität zugeschnitten – einem Mix aus Lesungen, Events, Diskussionen in kurzem Zeitraum über 100.000 Besucher zieht. Das macht Köln zu einer der interessantesten Orte für Literatur und Sachbücher. Autorinnen und Autoren genauso glamourös feiern wie Filmstars, mit rotem Teppich und Limousinenservice – eine einfache Idee, aber man muss halt darauf kommen. Für Köln ein Geschenk. Seit 2001 begeistert das ambitionierte Team um Gründer Rainer Osnowski mit diesem Fest der Bücher und Autoren ein immer größeres Publikum.

Den Boden bereitet für diese unglaubliche Erfolgsgeschichte haben Verlage wie Kiepenheuer & Witsch, liebevoll zu KiWi abgekürzt, später auch der DuMont Buchverlag und zahlreiche Kleinverlage.  KiWi feiert jetzt seinen 75. Geburtstag. Bis dahin war Köln eher eine Stadt der Bilder, nicht der Bücher. Doch der aus Ostdeutschland stammende Joseph Caspar Witsch schaffte es, aus dem schmalbrüstigen Nachkriegs-Startup (das zuznächst nicht einmal über Autorenrechte verfügte), einen putzmunteren Verlag für Gegenwartsliteratur und politische Debatten zu machen – mit stramm antikommunistischer Haltung. Das intellektuelle Klima Westdeutschlands hat das enorm geprägt.

Seit 2002 gehört KiWi unter das Dach der Holtzbrinck-Gruppe (Rowohlt, S. Fischer u.a.), ohne dass die inhaltliche Eigenständigkeit aufgegeben werden musste. Nach Witsch die vermutlich prägendste Verlegerfigur bei KiWi war und ist sicher Helge Malchow, ein Mann mit viel Kompetenz, Geschick und großem Netzwerk. Er öffnete KiWi programmlich und steht für interessante literarische Entdeckungen, politische Sachbücher und popkulturelle Werke, zunächst als Lektor, dann ab 2002 als Verleger und inzwischen als Berater, der seine prominenten Autoren weiterhin betreut.

Ob internationale Star-Autoren wie Julian Barnes, Don DeLillo und David Foster Wallace, gefeierte deutsche Schriftsteller wie Christian Kracht, Uwe Thimm oder Joachim Meyerhoff und v. Stuckrad-Barre, aber auch pointierte politische Sachbücher von Joschka Fischer, Alice Schwarzer oder zur kritischen Aufarbeitung der 68er-Jahre. Damit spielte Helge Malchow als Verleger in einer Liga, in die es KiWi als mittelgroßer Verlag wirtschaftlich nicht schafft, trotz Unterhaltungs-Bestsellern wie die von Frank Schätzing („Der Schwarm“) oder Volker Kutscher („Babylon Berlin“). Sein Rezept ist neben Leidenschaft für Inhalte  ein Gespür für Stoffe und feiner Witterung für den Zeitgeist die intensive Betreuung von und Kontaktpflege mit seinen Autorinnen und Autoren – etwas, das in einer verunsicherten Verlagswelt nicht mehr selbstverständlich ist. Sein Erfolg machte ihn zu einer der ganz wenigen Stimmen der Branche, die öffentlich noch durchdringen.

Aus anderem Anlass habe ich mal an dieser Stelle geschrieben, dass Nostalgie selten ein tragfähiges Geschäftsmodell ist. Das gilt in Zeiten der großen Umbrüche erst recht. Die Welt dreht sich schneller, die Mediennutzung verändert sich im Zeitalter der Streamingdienste, TikTok und Instagram fressen Zeit, die – zum Beispiel – fürs Lesen fehlt. Gute Verlage sind eine wichtige Instanz für die Orientierung einer Gesellschaft. Aber ihre Bedeutung schwindet.

Dennoch ist Malchow zuversichtlich: Im unserem Gespräch sagt er, alles sei gefährdet. Aber auf alles können man auch eine Antwort finden.  Na denn.

 

In diesem Sinne grüße ich Sie, herzlich wie stets,

Ihr

Michael Hirz

 

 

 

NEWSLETTER 06.03.2026

Wie der Abschied von der gewohnten Kölnischen Rundschau die publizistische DNA der Stadt verändert und wann die Gratiskultur hier Einzug hielt

  

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

die Emotionen kochen hoch. Die Kölnische Rundschau (KR), wie wir sie kennen, wird es nicht mehr geben. Der Titel bleibt – wird aber ab 1. April vom früheren Konkurrenten, dem Kölner Stadt-Anzeiger, gestaltet. Diese Nachricht hat mich kalt erwischt, als ich nach einer längeren Reise zurückkehrte. Es ist nicht allein der Wegfall von Arbeitsplätzen und die Frage vieler Journalistinnen und Journalisten, ob oder wie es für sie weitergeht. Es ist ein Einschnitt in die publizistische DNA dieser Stadt. 

Mehr als 40 Jahre habe ich für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet, viele Jahre davon als Chefredakteur. Die Kölnische Rundschau war für uns ein Konkurrent auf Augenhöhe. Wettbewerber um die aktuelle Geschichte, das bessere Foto, die andere Haltung. Ihre Auflage lag deutlich unter unserer. Doch journalistische Konkurrenz bemisst sich nicht in Zahlen, sondern in Nachrichten, Geschichten, Schlagzeilen, in Anerkennung und Selbstverständnis. Mein erster Blick am Morgen galt seinerzeit nicht der eigenen Titelseite. Die kannte ich bereits. Ebenso die des EXPRESS. Aber was hatte die Rundschau und was hatten wir nicht?

Unvergessen der Tag, als ich in der Konkurrenz aus der Stolkgasse – dort sitzt die KR-Redaktion – lesen musste, dass die U-Bahn der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die den Dom unterquert, diesen zum Wackeln bringe. Zähneknirschend mussten wir „nachziehen“, wie man bei solchen Geschichten sagt. Das ist inzwischen mehr als 13 Jahre her. Die Welt hat sich weitergedreht und nicht zugunsten gedruckter regionaler Medien oder überhaupt der verfassten Medienwelt, wie wir sie kennen.

Um im Printbereich zu bleiben: Weltweit verschwinden regionale Titel vom Markt. In den USA kämpfen große Häuser in Chicago, Los Angeles, Boston oder der Hauptstadt um ihre Zukunft. Die The Washington Post, ein Blatt von internationalem Rang, steht wirtschaftlich unter massivem Druck. Wenn solche Institutionen wanken, ahnt man, wie fragil das Fundament geworden ist.

Auch bei uns in Köln und in ganz Deutschland erleben wir einen tiefgreifenden Wandel. RTL Deutschland baut hunderte Stellen ab. Zeitungshäuser schrumpfen im Norden wie im Süden der Republik. Redaktionen werden zusammengelegt, Verbünde gebildet. Und die öffentlich-rechtlichen Sender, also etwa ARD und ZDF, sehen sich zunehmender politischer und gesellschaftlicher De-Legitimierung ausgesetzt.

Wer aber wird uns künftig verlässlich mit Nachrichten versorgen? Was das Internet zum Nulltarif anbietet, ist häufig von Interessen Dritter geprägt. Nachrichten zu erstellen, kostet Geld. Niemand verschenkt solche Arbeit ohne Absicht. Der Konflikt um Ukraine und Iran in all seinen Facetten zeigt, wie komplex und vielschichtig das Geschehen ist. Und es ist immer wieder irritierend zu lesen, was interessengeleitete Akteure auf ihren Plattformen beisteuern.

Was hat das mit der Kölnischen Rundschau zu tun? Nachrichten und Kommentare im Lokalen und Regionalen zu recherchieren, ist besonders anspruchsvoll. Hier gibt es keine Agenturen oder Syndikate, die im Alltag einspringen. Hier muss nachgeprüft, besprochen und fotografiert werden. Lokale Leserinnen und Leser sind kritisch, weil sie nah dran sind und Fehler erkennen. Es geht um ihre Welt, wie sie sie kennen. Kein Wunder also, dass diese Berichte nicht zum Nulltarif zu haben sind. Anders gesagt: Wer Zeitungen lesen will – gedruckt oder als E-Paper –, muss bereit sein, dafür zu bezahlen. Und wer im Netz lautstark über die Kölner Entwicklungen urteilt, darf sich fragen, ob er oder sie selbst etwas zum Erhalt dieser Medienwelt beiträgt.

Gleichzeitig sollten wir nüchtern bleiben, denn der Wandel ist global. Digitale Plattformen haben die Werbemärkte verändert. Aufmerksamkeit ist fragmentiert, Zahlungsbereitschaft begrenzt. Wer heute eine Redaktion finanzieren will, braucht neue Modelle, neue Ideen, neue Bündnisse. Der jetzige Moment ist deshalb nicht nur ein schmerzlicher Abschied, sondern auch ein weiterer Weckruf: für Verlage, neue Wege zu gehen; für die Politik, faire Rahmenbedingungen zu schaffen; und für uns alle, zu entscheiden, welchen Journalismus wir uns leisten wollen – und welchen nicht. Pauschale Boykottaufrufe oder einfache Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. 

Zwei Randnotizen mögen das unterstreichen. Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) richtete mahnende Worte an die Kölner Zeitungshäuser. Daran ist nichts falsch, auch wenn sie angesichts des langfristigen Trends wohlfeil wirken. Zur Wahrheit gehört auch, dass die SPD selbst in Köln zur Jahrtausendwende der medialen Gratiskultur buchstäblich die Stadttore öffnete. Der norwegische Schibsted-Konzern wurde eingeladen, sein Blatt „20 Minuten“ am Rhein zu verteilen. Zudem gewährten die Kölner Verkehrsbetriebe dem neuen Angebot exklusiven Zugang zu Bahnsteigen sowie zu Bahnen und Bussen. Gewinner kannte dieser Zeitungskrieg am Ende nicht.

Als mein früherer Arbeitgeber seine eigene Druckerei auf drastische Weise schloss, wie viele andere Häuser in dieser Republik auch, riefen manche zum Boykott der Kölner Zeitungen auf, als sei eine Zeitung ein Gut, das unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen existiert. An der Spitze der Bewegung fand man Musikgruppen wie Paveier oder Brings, die mit ihren Liedern zum kulturellen Inventar der Stadt gehören. Ihrer Sache haben sie kaum gedient. Welcher Betrieb, der unter Druck steht, wird durch Boykott-Aufrufe stabiler?

 Die Krokodilstränen einer Gesellschaft, die Informationen zum Nulltarif konsumieren möchte, ändern am tiefgreifenden Umbruch nichts. Und bevor wieder Boykotteritis ausbricht: vorher über ein Zeitungsabo nachdenken. Es kann ja digital sein.

 

Herzlich grüßt

Ihr

Peter Pauls

NEWSLETTER 27.02.2026

Während Köln über einen weiteren Stadtbahn-Tunnel streitet, plant die Deutsche Bahn ein Projekt mit ähnlichen Ausmaßen. 

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

im regionalen Bahnverkehr soll vieles besser werden. Nicht sofort. Aber in etwa zwei Jahrzehnten. Das hört sich weit weg an, stellt bei Großprojekten dieser Art mittlerweile wohl eher einen Wimpernschlag in der Verkehrsgeschichte dar. Köln soll nicht nur eine Ost-West-Achse im innerstädtischen Stadtbahn-Verkehr bekommen, sondern auch eine „Westspange“ für die neue S-Bahn.

Diese ist so großflächig geplant, dass sogar der Name geändert wird – von „S-Bahn Köln“ zu „S-Bahn Rheinland“. Denn das Streckennetz sieht künftig viele Verbindungen weit über die Kölner Stadtgrenzen hinaus vor. Nach Bonn oder auch in die Eifel. Für den Ausbau bedeutet das nicht nur mehr Züge, sondern auch: mehr Haltestellen.

Im Kölner Westen und Süden soll sich das besonders bemerkbar machen. Drei neue S-Bahnhöfe sind für die „Westspange“ geplant: Moltkestraße/Aachener Straße, Weißhausstraße und Klettenberg. Zwei von ihnen sollen einen Anschluss an die KVB erhalten. An der Moltkestraße soll also neben dem geplanten Start des U-Bahn-Tunnels auch noch ein S-Bahnhof hinzukommen.

Während Köln mit dem Tunnel noch ringt und trotz aller politischen Beschlüsse immer wieder Zweifel an der Umsetzung aufkommen, ist aus meiner Sicht bei der Deutschen Bahn genau das Gegenteil der Fall – mit einem durchaus ambitionierten Zeitplan. Sie sagt, bis 2040 soll die „S-Bahn Rheinland“ umgesetzt sein. „Zusätzlich zu bestehenden Regionallinien soll zukünftig beispielsweise alle 20 Minuten die neue S-Bahn-Linie S 15 zwischen Köln und Kall in der Eifel fahren. Dafür wird die Eifelstrecke ab Hürth-Kalscheuren ebenfalls für die S-Bahn ausgebaut.“

Der Aus- und Neubau ist in der Eifel auch schon seit vielen Monaten zu beobachten, während die Arbeiten in Köln wenig bis kaum sichtbar sind. Auf der mehr als 100 Kilometer langen Strecke bis nach Trier werden massive Betonfundamente gegossen, damit dort später Masten für Oberleitungen befestigt werden können. Nach der Flutkatastrophe 2021 ist die Strecke zwar wieder befahrbar, wird aber immer noch mit Dieselzügen betrieben. Das soll sich mit den S-Bahnen ändern.

Wie aber sollen noch mehr Züge zu mehr Angebot führen, das auch noch pünktlich ist? Die Bahn setzt hierbei darauf, dass die Regionalzüge künftig eigene Gleise bekommen. „Aktuell teilen sich auf der stark befahrenen Strecke zwischen Köln Hansaring und Hürth-Kalscheuren der Fern-, Güter- und Regionalverkehr die Gleise. Das führt zu Engpässen und Verspätungen. Durch den Ausbau der Westspange wird die Strecke zukünftig über zwei eigene S-Bahn-Gleise verfügen„, heißt es. Mit der separaten Infrastruktur für die S-Bahn werde eine Entflechtung der verschiedenen Verkehre möglich – das sorge dann letztlich für weniger Verspätungen. Die beiden Punkte „Stabiler Fahrplan“ und „Zuverlässiger Bahnbetrieb“ werden als Hauptziele der Bahn für die neue Strecke im Kölner Westen genannt.

Die neuen S-Bahnen, die auf der „Westspange“ verkehren sollen, haben die Nummern 15, 16 und 17. Sie sollen innerstädtisch alle zehn Minuten fahren – außerhalb im 20 Minuten-Takt. Das klingt für Sie alles zu schön, um wahr zu sein? Die Bahn hat die Zukunftsszenarien animiert und lässt somit einen Blick ins Jahr 2040 zu. Schauen Sie hier mal nach!

Für die Anwohner soll sich auch etwas verbessern. So soll ein neuer Schallschutz vor allem dafür sorgen, dass die rumpelnden Güterzüge in den Kölner Nächten weniger ratternd zu hören sind. Letztlich soll die „Westspange“ die Verbindung schlechthin zur Stadtbahn und zu den Buslinien der KVB sein. Und da sind wir dann wieder beim umstrittenen U-Bahn-Tunnel angekommen. Ob er nun kommt? Neue Antworten gibt es vielleicht von Oberbürgermeister Burmester, wenn er am 24. März im Kölner Presseclub ist!

Bis dahin verbleibe ich mit aufbauenden Grüßen

 

Ihr

David Rühl

NEWSLETTER 20.02.2026

Über Köln als Pilgerort, die Weltkarte des Filmgeschäfts und vom Sein des Scheins

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

will man mal – nur ein ganz kleines bisschen – übertreiben, könnte man sagen: Die Film- und Medienstiftung NRW (FMS) reist in diesem Jahr nicht zur Berlinale, sie zieht dort ein. Elf geförderte Produktionen in den offiziellen Festival-Reihen, zwei davon im Wettbewerb, sind nicht nur eine Visitenkarte, sie sind ein selbstbewusstes Statement und ein Beleg für die Stärke des Medien-Standorts Nordrhein-Westfalen. Die Tatsache, dass zwei Beiträge um den begehrten „Goldenen Bären“ im Rennen sind, zeigt, dass die Stiftung längst nicht mehr nur heimische Kulisse exportiert, sondern Stoffe und Handschriften mit internationaler Strahlkraft ermöglicht.

Erfreulich aus Kölner Sicht ist zudem, dass die ausgesprochen erfolgreiche Produktionsfirma Heimatfilm, die bereits 2010 den “Goldenen Bären“ gewonnen hat und mit Regie-Größen wie Margarethe von Trotta arbeitet, gleich mit zwei Filmen auf der Berlinale vertreten ist. Überhaupt ist Köln Heimstatt von Unternehmen aus der Medienwirtschaft, die außerhalb von Stadt und Region fast mehr gelten zu Hause. Auf der Weltkarte des internationalen Filmgeschäfts hat es Nordrhein-Westfalen mit der Filmstiftung geschafft, eine herausragende Adresse zu sein. Köln hat Tradition als weltberühmter Pilgerort, inzwischen auch für Produzenten und Regie-Stars.

Der diesjährige Auftritt der Filmstiftung auf einem der neben Cannes und Venedig wichtigsten Festivals findet zum Beginn eines Jahres statt, das ein kleines Jubiläum markiert: Am 22. Februar 1991, also vor exakt 35 Jahren, hoben der WDR und das Land NRW die Einrichtung aus der Taufe, später kamen noch das ZDF und RTL als Gesellschafter dazu. Inzwischen ist die Stiftung, die seit dem vergangenen Jahr in der Medienstadt Köln sitzt, eine wesentliche Säule der deutschen Filmwirtschaft.

Unzählige Produktionen und Preise haben das Land zwischen Rhein und Weser zu einem internationalen Hotspot der Branche werden lassen. So ist der Chef der Film- und Medienstiftung Walid Nakschbandi zurecht stolz darauf, dass sein Unternehmen auf der Berlinale gleich in mehreren Festival-Reihen prominent vertreten ist: „Diese enorme Vielfalt zeigt, wie kraftvoll, mutig und relevant das Filmschaffen aus NRW ist.“

Regie-Stars wie Wim Wenders (die Filmstiftung vergibt jährlich einen nach ihm benannten Preis) und Werner Herzog, internationale Größen wie Lars von Trier und David Lynch sind mit Region und Stiftung ebenso verbunden wie Tom Tykwer (“Lola rennt“ und „Babylon Berlin“). Die beeindruckende Liste ließe sich von Jane Campion („The Piano“) bis zu Joshua Oppenheimer fortsetzen.

Das folgt, das gehört natürlich zur Wahrheit dazu, einer strategischen Überlegung: Wer von der Stiftung gefördert wird, verpflichtet sich, dass ein Großteil dieser Mittel auch im Land ausgegeben werden müssen – zum Beispiel für die Miete der Kölner MMC-Studios im Stadtteil Ossendorf, die zu den größten ihrer Art in Europa gehören, für lokale Postproduktionsfirmen oder durch Drehs in der Region. Die Düsseldorfer Politik weiß natürlich um den wirtschaftlichen und kulturpolitischen Wert dieses Aushängeschildes. In der Tradition ihrer Vorgänger stützen und fördern Ministerpräsident Hendrik Wüst und sein umtriebiger Medienminister Nathanael Liminski die FMS.

Während an der Spree noch geschaut, gefeiert und genetzwerkt wird, geht der Blick von Walid Nakschbandi schon weiter. Seit dem ersten Halbjahr gilt eine neue Förderstrategie, beim glamourösen Filmfestival von Cannes ist ein repräsentativer, selbstbewusster Auftritt geplant und beim sogenannten Seriencamp im Juni werden wieder Gäste aus ganz Europa erwartet. Film, Fernsehen und Streaming sind, das zeigt die FMS, doch mehr als nur schöner Schein. 

 

In diesem Sinne grüße ich Sie, herzlich wie stets,

 

Ihr

Michael Hirz

 

 

 

NEWSLETTER 13.02.2026

Willkommen in Köln und als Entrée für Touristen steht ein Plastik-Klo. Über den respektlosen Umgang mit dem Stadtraum

 

 

Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

jetzt, zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag, ist Köln eine Ausnahmestadt. Dann wimmelt es von Jecken und von mobilen Toiletten. Batterien von Dixi-Klos, improvisierte Sanitärlösungen, doppelte Reihen an nahezu jeder Ecke: hässlich, ja. Aber in diesen Tagen notwendig. Problematisch wird es dort, wo der Ausnahmezustand zum Alltag wird.

Denn wer außerhalb der Session, ganz nüchtern und ohne Pappnase, mit dem Reise- oder Fernbus in Köln ankommt, steigt an der Gereonstraße aus und steht vor einem provisorischen Toilettenhäuschen aus Sperrholz.

Als mir davon kürzlich aus dem kirchlichen Umfeld berichtet wurde, war ich dort und konnte es kaum glauben. Das fünf Jahre alte WC-Provisorium wirkt, als habe man den Punkt „Sanitäres“ möglichst schnell abhaken wollen, ohne Rücksicht auf Umgebung, Wirkung oder Bedeutung dieses Stadtraums. Seit 2020 entsteht hier der Eindruck, die Stadt überlasse diesen Ort sich selbst und dem Plastik-Klo.

„Abartig und zum Fremdschämen“, beschreibt Dom- und Stadtdechant Robert Kleine mir gegenüber die Situation. Er spricht immer noch von einem „traurigen Entrée für eine Weltstadt“. Eine harte Formulierung und zugleich eine treffende Beschreibung dessen, was viele Ankommende hier erleben. Im Kölner Erzbistum herrscht Einigkeit: Dieser Zustand sollte endlich beendet oder zumindest professionell gelöst werden.  Zu den Kritikern zählt auch Kardinal Rainer Maria Woelki. Seit Jahren stört ihn, dass die provisorischen Toiletten in unmittelbarer Nähe des Edith-Stein-Denkmals liegen, welches an die von den Nationalsozialisten ermordete Ordensfrau erinnert.

Ähnlich deutlich äußert sich im Gespräch Dr. Ulrich Soénius, Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, der das vergammelte Konstrukt als Zumutung empfindet. Sein Büro liegt unmittelbar gegenüber des provisorischen „Entrées“. „Dieses Toilettenhäuschen wirkt wie ein Fremdkörper in einem architektonisch hochwertigen Ensemble und ist keine Visitenkarte für Köln“, sagt er. Und er präzisiert: „Das ist kein beliebiger Stadtraum. Wir befinden uns hier in einem historisch, kirchlich und städtebaulich hoch aufgeladenen Umfeld.“ Denkmalschutz, so seine Einordnung, beziehe sich eben nicht nur auf einzelne Gebäude, sondern auch auf Wirkung, Blickachsen und Atmosphäre – kurz: auf das Ganze.

Nur wenige Meter vom Sperrholz-WC entfernt steht ein Gebäudekomplex, der seit 1992 unter Denkmalschutz steht: das Erzbischöfliche Priesterseminar an der Gereonstraße/Kardinal-Frings-Straße. Ende der 1950er Jahre errichtet, wurde es in den vergangenen Jahren aufwendig saniert – in enger Abstimmung mit dem Stadtkonservator. Fassaden, Fenster, Materialien, Farbkonzepte: Jedes Detail wurde geprüft und genehmigt.  Drinnen wurde also mit großer Sorgfalt und erheblichem finanziellem Aufwand gearbeitet, um Substanz und Würde des denkmalgeschützten Ensembles zu bewahren. Draußen steht ein Sperrholz-Toilettenhäuschen, flankiert von wartenden Reisebussen. Dieser Gegensatz ist kaum zu vermitteln. Warum gilt der Anspruch des Denkmalschutzes nicht auch für den Stadtraum, den die Stadt selbst verantwortet? Genau hier liegt der Widerspruch, der viele Menschen zunehmend irritiert.

Der Haltepunkt an der Gereonstraße ist dabei keineswegs zufällig entstanden. Die Verlegung des Reisebusverkehrs weg von der Komödienstraße in Domnähe wurde damals mit dem Schutz dieser sensiblen Zone begründet: weniger Verkehr, mehr Ruhe rund um das Weltkulturerbe.

Wenn Köln seine Gäste empfängt, müsse das würdevoller und städtebaulich überzeugender gestaltet werden, fordert Dr. Ulrich Soénius. Zugleich betont er, dass er sich über die vielen Touristen freut, die in die Stadt kommen – auch wenn zeitweise bis zu 14 Busse gleichzeitig an der Gereonstraße stehen. Ein zusätzlicher Halteplatz könnte den Ansturm entzerren, schlägt er vor. Doch über mögliche Standorte wird seit Jahren diskutiert, ohne Ergebnis. Bleibt das Busterminal an dieser Stelle, braucht es zumindest moderne Toilettenanlagen im Umfeld und eine konsequente Kontrolle der Haltezeiten. Offiziell sind es 15 Minuten, faktisch überprüft wird das kaum. Alles wirkt wie eine Übergangslösung ohne Ablaufdatum. „Das Problem ist nicht nur das Provisorium allein“, sagt Soénius, „sondern, dass niemand mehr definiert, wann es endet.“

Auch aus der Wirtschaft kommt Kritik. Mit der Rückkehr der IHK an den Börsenplatz wächst die Erwartung an ein Umfeld, das dem Standort gerecht wird. Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, sagt: „Der Straßenzug vom Börsenplatz bis zur Gereonskirche zeigt den planlosen Umgang der Stadt mit wertvollem Stadtraum. Abgepollerte Parkplätze, die Bushaltestelle mit Klohäuschen vor dem Sitz des Erzbischofs und ungenutzte Verkehrsflächen machen den mangelnden Gestaltungswillen sichtbar. Dabei liegen längst umsetzbare Vorschläge für alternative Haltepunkte vor – die Stadt müsste sie nur einfach realisieren.“

Gerade an Orten des Ankommens entscheidet sich, welchen Anspruch Köln an sich selbst hat. Liebe Stadt, wenn nach Aschermittwoch die Dixis vom Karneval abgeräumt werden – bitte, nehmt das an der Gereonstraße gleich mit. Köln darf sich ruhig ein stilvolleres „Willkommen“ leisten. Schließlich haben Reisebusse längst eigene Toiletten an Bord. Warum also lassen wir mitten im Herzen der Stadt ein dauerhaftes Provisorium stehen? Ein bisschen weniger Plastik-Klo, ein bisschen mehr Würde – das wäre doch ein schöner Vorsatz für die Fastenzeit.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre
Claudia Hessel

 

NEWSLETTER 06.02.2026

Über neue Erkenntnisse zum Kölner Domschatz-Raub, welche Rolle Geheimagent 111 spielte und warum es 50 Jahre später immer noch Sicherheitslücken gibt

 

 

Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

reden wir über den großen Reichtum unserer Stadt. Köln ist reich an Kunstschätzen von kaum messbarem Wert. Doch wie gut sind sie gesichert? Könnte sich ein krimineller Coup wie im Pariser Louvre hier wiederholen, wäre ein dreister Einbruch wie in das Kölner Museum für Ostasiatische Kunst heute zu verhindern? Und würden Einbrecher wie vor 50 Jahren ungehindert in die Domschatzkammer gelangen?

Ein Rückblick auf den spektakulären Raub der Kölner Dom-Preziosen und darauf, wie er aufflog: Am 17. Juni 1976 wird auf der Nationalstraße 3, 20 Kilometer vor Zürich, ein Mercedes 200 mit dem Kennzeichen F-DL 306 nach einem Auffahrunfall von der Polizei untersucht. Hinter der Türverkleidung finden die Beamten Teile einer Monstranz, Edelsteine und eingeschmolzenes Gold – die Beute aus der Domschatzkammer. Die beiden Männer im Mercedes gestehen die Tat; der dritte Komplize wird kurz darauf in Mailand gefasst.

Was die drei nicht wussten – und was lange geheim gehalten wurde: Der Auffahrunfall war fingiert. Eine Falle, detailliert konzipiert von dem Undercover-Agenten Werner Mauss, beim BKA unter der Nummer 111 geführt. Erst jetzt, 50 Jahre später, bringen Recherchen neue Einzelheiten zu seiner Rolle ans Licht.

Der Kölner Journalist und frühere Spiegel-Redakteur Georg Bönisch war als junger Reporter für die Kölnische Rundschau am Tatort in der Domschatzkammer. Schon damals deckte er Versäumnisse der Behörden auf. Der Fall ließ ihn nie los. Für einen kürzlich erschienenen FAZ-Beitrag sprach er erstmals mit Werner Mauss über dessen Einsatz.

Haben sich daraus neue Erkenntnisse zum größte Kunstraub in Kölns Geschichte ergeben, frage ich Georg Bönisch. In Details ja, sagt er. Denn bislang sei nicht bekannt gewesen, „wie Mauss genau vorging, wie er sich selbst als international agierenden Großkriminellen Jacques inszenierte, um in die Kreise der Domräuber vorzudringen“. Mit größter Raffinesse habe es der Geheimagent geschafft, „das Misstrauen der gesuchten Täter aufzuweichen und sie aus der Deckung zu locken“. So habe er ihnen etwa den Auftrag erteilt, angeblich gestohlene Kunstwerke aus rheinischen Museen ins Ausland zu transportieren. Um glaubwürdig zu wirken, operierte Mauss sogar mit echten Gemälden, als Leihgaben für einen ungewöhnlichen Zweck.

Am Ende bekam Köln seine Schätze zurück, vor allem den größten Teil der Dom-Juwelen. Doch gibt es einen nachhaltigen Lerneffekt aus diesem Fall? Einbruchsgelegenheiten während Baumaßnahmen – damals am Kölner Dom, zuletzt im Louvre – gehören bis heute zu den größten Schwachstellen der Sicherheitssysteme.

Der Deutsche Museumsbund hat nach jüngsten Fällen gemeinsam mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Sicherungsrichtlinien für Museen (VdS 3511) grundlegend überarbeitet. Im Mittelpunkt stehen eine gründliche Risikoanalyse sowie die Verzahnung technischer und organisatorischer Maßnahmen.

Was heißt das konkret? Darüber habe ich mit Torsten Cech, Sprecher für Sicherheit im Museumsbund gesprochen. „Sicherheit ist ein dauerhafter Prozess, der immer wieder überprüft und angepasst werden muss“, erläutert mir der Experte. Das sei umso wichtiger, je besser Kriminelle informiert seien. Längst zeigten Internet-Tutorials, wie etwa Bewegungsmelder zu umgehen sind.

Ob diese Sicherheitsrichtlinien in der Praxis jedoch überall umsetzbar und finanzierbar sind, ist eine andere Frage. Ein heikles Thema. Gespräche in rheinischen Museumskreisen zeigen: Zwar gebe es dank moderner Technik im Prinzip eine „gute Außenhautsicherung“, doch es fehle oft an Personal für „engmaschige Kontrollen“. Letztlich ist es eine Kostenfrage und beim Einsatz von Videokameras auch eine des Datenschutzes. „In Ländern wie Norwegen, Großbritannien oder den USA sind Exponate teils deutlich besser bewacht“, so Cech.

Die Kölner Stadtverwaltung äußert sich auf meine Anfrage hin zurückhaltend zur konkreten Sicherheitslage. Aus „sicherheitsrelevanten Gründen“ könne man nicht ins Detail gehen. Grundsätzlich aber biete die Richtlinie VdS 3511 „eine große Unterstützung bei der wiederholten Überprüfung der Museen auf potenzielle Sicherheitslücken und deren Behebung“.

Die Geschichte des Domschatzraubes ist damit noch nicht zu Ende. Für Georg Bönisch bleibt auch nach 50 Jahren eine zentrale Frage offen: Wie gelang es den Tätern, die Alarmanlage zu umgehen? Bönisch ist überzeugt: „Es muss ein Tippgeber beteiligt gewesen sein, der wusste, wie die Technik funktionierte.“ Warum dieser Verdacht damals versandete, bleibt eines der letzten ungelösten Rätsel dieses Kunstraub-Thrillers.

Vielleicht gibt es auch dazu eines Tages neue Erkenntnisse.

Herzlichst
Ihre
Cordula von Wysocki

 

NEWSLETTER 30.01.2026

Über Köln als Paradies, Bordsteine als Energiespender und chinesische Handyhersteller

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

natürlich fällt es nicht leicht, im Zusammenhang mit Köln von Überholspur zu reden. Schließlich führen alle Gedanken rund um die Verkehrslage (und Verkehrspolitik!) der Stadt in eine mittelschwere Depression. Doch bei der E-Mobilität hat sich Köln gemausert. Im Vergleich zu anderen Städten ist sie für die Besitzer von Elektroautos fast so etwas wie ein Paradies – nun ja, paradiesisch zumindest im statistischen Sinn. Denn kaum irgendwo sonst ist das Zahlenverhältnis von E-Autos zu Ladesäulen so günstig wie in Köln. Und der Ausbau hat, nach dem Start mit einer Tanksäule der RheinEnergie an einem Parkhaus in der Lungengasse im Jahr 2010, an Dynamik deutlich gewonnen.

Mit einem erfolgreichen Pilotprojekt ist Köln in einer Vorreiterrolle. Im Stadtteil Lindenthal testeten Rheinmetall, die RheinEnergie-Tochter TankE und die Kommune sog. Ladebordsteine, die platzsparend und stadtbildschonend das Aufladen von Fahrzeugen am Bordstein möglich machen. Das Verfahren ist jetzt serienreif und macht Schule. Für RheinEnergie-Chef Andreas Feicht ist „Elektromobilität ein zentrales Geschäftsfeld.“ Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur setze man gemeinsam mit dem Partner The Mobility House auf „smarte, digitale Ladelösungen, die Energie- und Mobilitätswelt intelligent miteinander verbinden.

Zur ganzen Wahrheit – und die ist oft etwas weniger strahlend – gehört neben dem forcierten Ausbautempo natürlich, dass dieses günstige Verhältnis daran liegt, dass Kölner bei der Nutzung von E-Autos im Bundesvergleich eher zu den E-Muffeln gehören. Da liegen andere Städte wie Berlin, Hamburg und München deutlich vorne, von Autostädten wie Wolfsburg, Stuttgart oder Ingolstadt ganz zu schweigen. Jedoch führt kein Weg daran vorbei, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch ist.

Dabei stand der Name Köln einmal für automobile Zukunft. Mit der Ansiedlung der deutschen Ford-Werke – übrigens gegen starke Konkurrenz unter anderem aus Düsseldorf – bewies der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer visionären Weitblick. Damit begann eine rund hundertjährige Erfolgsstory, die Köln viele gut bezahlte Arbeitsplätze, Renommee und Steuereinnahmen brachte.

Die allerdings droht zu enden. Köln mit seinen Ford-Werken musste schmerzlich lernen, dass auch bestraft wird, wer zu früh kommt: Ford setzte am Rhein ganz auf die E-Mobilität. Doch die in Köln produzierten E-Modelle Capri und Explorer können auf dem insgesamt derzeit schwachen europäischen Markt einfach keine Käufer finden. Eine offensichtlich falsche Modellpolitik und ein kaufunlustiger Konsumentenmarkt gefährden den Standort existentiell.

Das gilt längst nicht mehr nur für Köln. Lange Zeit war Deutschland für viele in der Welt ein Synonym für das Autoland schlechthin. Aufstieg und Wohlstand des Landes gründen seit Jahrzehnten auf dem Erfolg von Mercedes und BMW, von VW und Porsche. Doch jetzt zeigen chinesische Smartphone-Hersteller wie Xiaomi, dass sie bessere Sportwagen bauen können als Porsche und das zum halben Preis, wie unabhängige Tests ergaben. Zusätzlich wird der Massenmarkt mit Marken wie BYD zu konkurrenzlos billigen Preisen geflutet. Das Elektro-Zeitalter macht es möglich. Es ist eine Revolution und die ist nie gemütlich.

Ist das Schicksal der deutschen Vorzeige-Branche das der Dinosaurier? Oder kann sie nochmal durchstarten, Innovationskraft mobilisieren, sich auch im neuen Zeitalter behaupten? Diese Fragen sind Thema im Kölner Presseclub am 5. Februar mit der Person, die wie keine zweite Einblick und Expertise in den Maschinenraum dieser Branche hat, nämlich mit Hildegard Müller, der Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Aus erster Hand können wir erfahren, wie zukunftsfähig die deutschen Autobauer sind, mit welchen Strategien sie aus der Krise fahren wollen. Anmeldungen zu diesem spannenden Abend bitte unter info@koelner-presseclub.de. Wir freuen uns auf Sie.

In diesem Sinne grüße ich Sie, herzlich wie stets,

Ihr

Michael Hirz