Ich hoffe, Sie sind bei guter Gesundheit. Zumal – die Zahl der Neu-Infizierten fällt. Das ist eine gute Nachricht. Doch ob die angekündigten Lockerungen unserer Einschränkungen die angemessene Reaktion darauf sind, werden die kommenden Tage und Wochen erweisen müssen.

Das Corona-Virus folgt ja nicht den Regeln von These, Anti-These und Synthese. Es nimmt den Weg, der sich ihm bietet. Da hilft kein Klagen, dass wir genug gelitten haben. Diskutieren kann man mit Corona nicht. Man kann nur kalkulieren. Wie weit kann die Öffnung gehen, ohne dass wir wieder in Schrecken erstarren müssen? Bislang ist der Shutdown die einzige Form von Medizin, die die Infizierungsrate gesenkt hat. Weil die Nebenwirkungen dieser Medizin aber fatal für Gesellschaft und Wirtschaft sind, reduzieren wir die Dosis. Es ist ein großes Experiment und wir sind alle daran beteiligt. Der Widerspruch ist unser beständiger Begleiter geworden. Er bedeutet: Haltet Abstand, aber agiert gemeinschaftlich. Und nun heißt es weiter: Reduziert die Therapie, die Pandemie hat erst begonnen. Wir werden diese Widersprüche durch unser Verhalten auflösen müssen – sonst wird es schwierig.

Dann gibt es eben mal 10.000 Tote mehr, sagt jüngst ein Bekannter forsch. Ist das so einfach? Hoppla, dann passiert es eben? Oder denken wir an Wolfgang Schäuble, der davon sprach, dass das Leben an sich kein absoluter Wert sei. Er erkenne nur die Würde des Menschen. Das sind Fragen, die eigentlich einen jeden von uns umtreiben – bis ins Bundeskanzleramt hinein. Was sagen unsere Kirchen dazu? Ich habe bisher wenig gehört, was mir hilft und Orientierung gibt. Der Gottesdienst ist das Medium der Verkündung für die Kirchen und Gottesdienste haben über Wochen nicht stattgefunden. Aber es gibt doch die klassischen Medien und es gibt die sogenannten sozialen Medien, es gibt E-Mail und Internet. Ich habe wenig bis nichts gehört. Die evangelische Kirche, deren zahlendes Mitglied ich bin, verwaltet mich ohnehin eher lustlos. Sie hat noch nicht einmal nach meiner Mail-Adresse gefragt, wie das sonst ständig geschieht. Aber vielleicht liegt es an mir. Wer lenkt unser Leben in diesen Tagen? Weiter Angela Merkel, die MinisterpräsidentInnen und das Robert-Koch-Institut? Hin und wieder schiebt sich aus den USA ein Horror-Clown dazwischen.

Wie informieren Sie sich? Der Wust an Zahlen, Fakten und Meinungen ist unüberschaubar geworden. Ich habe daher einen Lesehinweis für Sie. Der Autor Peter Sprong hat in sehr ruhigem Ton mögliche Quellen analysiert und kann vielleicht dazu beitragen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Den Text finden Sie hier ….

Selbst Menschen, die penibel darauf achten, nur erlesene Qualität an Essen und Trinken zu sich zu nehmen, bedienen sich bei der Informationsaufnahme bildlich gesprochen mitunter aus der Abfalltonne. Das Tückische ist: Fake-News kommen, insbesondere im Internet, häufig im edlen Gewand daher. Außen hui und innen pfui.

Wir haben in diesem Brief an Sie weitere Besonderheiten.

Beigefügt finden Sie eine interne Übersicht aus dem Bundeswirtschaftsministerium zur Lage. Das Antragsvolumen aus der darnieder liegenden Wirtschaft liegt demnach bei über 34 Milliarden Euro. Diese Zahl, so viel ist klar, wird kräftig wachsen. Jeder findet in diesem Papier Informationen über Bereiche, die ihm vertraut sind. Unsere Reiseindustrie bis hin zum kleinen Büro an der Ecke, das so pfiffig den Rückflug des im Ausland gestrandeten Sohns organisiert hat, wird es vielleicht bald nicht mehr geben. Oder Restaurants und Cafès, die für die Erfüllung eines Lebenstraums standen, und unserem Alltag ein wenig Freude und Farbe verliehen haben.

Wie geht es weiter? Wir haben als Presseclub ein wenig herumgefragt und dokumentieren im Anschluss die Antworten, die wir bekommen haben. Die Kölner Oberbürgermeisterin hat sich viel Zeit genommen. So nüchtern und methodisch wie die Bundeskanzlerin hat Henriette Reker aufgeschrieben, was diese Krise für Köln bedeutet und was die Stadt tun kann, um sie zu bewältigen. Man muss nicht in allen Punkten mit ihr übereinstimmen, sollte als Kölner aber den Text kennen. Ferner finden Sie große Kölner Institutionen und Unternehmen – Dank an alle, die sich die Zeit dafür genommen haben.

Als Appetitmacher mögliche Überschriften zu den Beiträgen:

  • Oberbürgermeisterin Reker rechnet mit Insolvenzwelle bei Klein- und mittelständischen Betrieben in Köln.
  • IHK-Präsidentin Grünewald fordert Abschaffung der Bettensteuer.
  • Kölner Messechef Böse fordert mehr Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem.
  • Handwerkskammer-Chef Duin: Stadt Köln unterstützt uns mit Millionen-Aufträgen.
  • Ford-Chef Herrmann: Brücken-Problem belastet Ergebnis von Ford sechsstellig

Als Kölner Presseclub wünschen wir Ihnen ein gutes Wochenende – was immer das für einen jeden von Ihnen in seiner Lebenssituation bedeutet. Vielen Dank für Interesse sagt

Ihr

Peter Pauls

Henriette Reker, Kölner Oberbürgermeisterin

Wirtschaftliche Betrachtung

Die Rückkehr zur Normalität ist aus mehreren Gründen nicht einfach, denn die einschränkenden Maßnahmen werden nur schrittweise zurückgenommen werden können, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und den bisherigen Erfolg im Umgang mit der Corona-Pandemie zu sichern. So wird die Durchführung von Großveranstaltungen, bei denen sich viele Menschen begegnen ebenso schwierig sein, wie die Gestaltung von Gastronomie und Dienstleistungen. Weil die Pandemie verschiedene Länder nicht gleichzeitig trifft, wird es Komplikationen in der Wertschöpfungskette geben, denn Produktion und Transportmöglichkeiten sind eingeschränkt. Hinzu kommt, dass unsichere Konsumenten und Unternehmen keine aufschiebbaren Aufwendungen tätigen.

Je länger der Lockdown anhält, desto unwahrscheinlicher trägt die Wachstumskurve die Form eines V und je wahrscheinlicher ist die Form eines U.

Es wird eine Vielzahl von Insolvenzen vor allen bei Soloselbstständigen und bei den kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU) geben. Weil je nach Dauer des Lockdowns das Eigenkapital der Unternehmen aufgezehrt und damit die wirtschaftliche Kraft vieler Unternehmen geschwächt wird, verlagert sich die Finanzierung durch Fremdkapital auf Förderbanken für die letztlich die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haften.

Die verfügbaren Einkommen sinken, erhöhte Arbeitslosigkeit und Privatinsolvenzen senken die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern.

Es ist wichtig festzulegen, von welchen Indikatoren die Lockerungen abhängen und den Exit aktiv zu gestalten – mit dem klaren Hinweis, dass alle Maßnahmen nur vorläufig sein können:

– Erlerntes (Händehygiene und Abstandsregelungen) beibehalten.

– Behandlungs- und Testkapazitäten ausbauen.

– Kindergärten und Schulen schrittweise öffnen.

– Dienstleistungen in der öffentlichen Verwaltung anbieten.

– Einzelhandel öffnen und Dienstleistungen ermöglichen.

– Produktion in der Industrie hochfahren und mit systematischen Tests für die Belegschaft begleiten.

– Grenzen öffnen.

– Maßnahmen veranlassen, die den Konsum anregen (z.B. Gutscheine, Solidaritätszuschlag abschaffen).

– Konjunkturprogramme entwickeln.

Gesellschaftspolitische Betrachtung

Der Neustart bietet die Chance, uns als biologische Gesellschaft zu betrachten, die ihre Kraft in der Gemeinschaft sieht: nur gemeinsam können wir eine Pandemie erfolgreich bekämpfen und Krisen meistern – als Deutsche, als Europäer und als Weltgemeinschaft.

Eine neue Wertschätzungskultur nimmt die Berufe in den Blick, die wir jetzt als Systemrelevant bezeichnen. Dazu zählt nicht nur medizinisches und pflegerisches Personal, sondern auch pädagogisches sowie die öffentliche Verwaltung.

Gesellschaftliches Engagement bedarf mehr Anerkennung und einer stärkeren Förderung.

Digitale Potentiale müssen stärker da genutzt werden, wo sie gesellschaftliche Probleme lösen – von der Verfolgung von Infektionsketten und der Reduzierung von Umweltbelastungen über lebenslange Lernchancen über hochwertige Bildungsangebote bis hin zur Erhöhung unserer ÖPNV-Kapazitäten und der Generierung von Wissen (KI).

Alle Investitionshilfen müssen dem Ziel dienen, den Umbau zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft zu beschleunigen, welche ökonomische Vernunft mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit verbindet.

Unsere Gesellschaft wird in einigen Jahren gestärkt aus der Krise hervorgehen, achtsamer sein und das Gemeinwohl noch mehr in den Mittelpunkt aller Entscheidungen stellen.

Und Deutschland wird erneut erkennen, dass der Föderalismus auch in Krisenzeiten zu unseren Stärken zählt – weil er regionale Unterschiede zu Entscheidungsparametern werden lässt.

Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln

„Mit den Lockerungen von Bund und Land kann die Wirtschaft in Köln und der Region nun endlich wieder anlaufen. Allerdings gibt es immer noch viele Branchen, die extrem betroffen sind: die Eventbranche, der Tourismus und auch die Gastronomie, für die nach wie vor starke Einschränkungen gelten. Wichtig für einen funktionierenden Neustart sind klare und einheitliche Vorgaben, die rechtzeitig kommuniziert werden. Unsere Unternehmen befinden sich unverschuldet in dieser sehr schwierigen Lage. Daher erwarten wir von der Stadt so wenig Bürokratie und so viel Entlastungen wie möglich. Jetzt wäre zum Beispiel der richtige Zeitpunkt, um die Kulturförderabgabe (die sogenannte Bettensteuer) abzuschaffen. Wir Unternehmen brauchen die Stadt als Partner, um gemeinsam aus der Krise zu kommen.“

Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln

„Durch unsere Beratungen wissen wir, dass manchen Betrieben das Wasser bis zum Hals steht – allerdings kommen viele auch bislang gut durch die Krise, was zeigt, dass der Branchenmix in unserer Region auch bei dieser Krise eine stabile Basis bildet. Jetzt kommen wir in eine Phase, in der vor allem Finanzierungshilfen gefragt sind und wir uns in der Beratung darauf einstellen. Ganz ohne Hilfen wird die Wirtschaft diese unverschuldete Krise nicht bewältigen können, das gilt natürlich auch für Köln. Die fehlenden Umsätze können nicht nachgeholt werden. Insgesamt ist es jetzt auch ein guter Zeitpunkt, um die Kölner Region für die Zukunft fit zu machen: Dazu gehört flächendeckende Digitalisierung und eine Offenheit für neue Ideen und die Förderung von Start-Ups. Auch dabei sind wir als Wirtschaftsakteure insgesamt gefragt.“

Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung Koelnmesse

Als Messe Köln begrüßen wir, dass wir insbesondere in der Düsseldorfer Landesregierung und hier vor Ort beim Krisenstab der Stadt Köln auf offene Ohren gestoßen sind. Die beschlossenen Lockerungen geben uns als international tätigem Messebetrieb eine Perspektive. Wichtig bleibt, bei allen künftigen Entscheidungen eine vernünftige Balance zwischen medizinischen, sozialen und ökonomischen Aspekten zu finden. Der Krise werden wir nicht mit alleinigem Blick auf die Gesundheitsministerien, deren Beratern und durch Geldverteilung Herr. Ich gestatte mir eine Zwischenbilanz. In meinen Augen hat sich unser Gesundheitssystem sehr bewährt und wir sollten uns die Frage stellen, ob unser Zutrauen in unsere Infrastruktur, das Organisationstalent und in die Qualität und Leistungsfähigkeit dieses Systems und seines Personals angemessen war. Oder haben wir unser Gesundheitssystem gleichgesetzt mit dem Italiens, Chinas oder Spaniens? Haben die Bilder von Särgen aus China und Italien im Übermaß unser Denken und Handeln geprägt?

Egal was es kostet – das kann auch nicht die Devise dieser Tage sein. Der Staat verfügt nicht über unerschöpfliche Mittel, um die daraus folgenden wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen auszugleichen. Die soziale Marktwirtschaft hat mehr denn je jetzt eine Bedeutung und kann Vorbild sein für weite Teile der Welt, wenn Soziales und Wirtschaft in richtiger Balance sind. Wir freuen uns, dass wir in der Politik Ansprechpartner gefunden haben, die sich diesen Gedanken nicht verschließen. Mit ihren drei Millionen Besuchern und 55.000 ausstellenden Firmen aus dem In- und Ausland im Jahr und einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro ist die Messe Kölnvon zentraler Bedeutung für Arbeitsmarkt, Hotellerie, Restaurants und Einzelhandel in der Metropolregion Rheinland und ganz NRW.

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln

Optimist zu sein: Das ist mir noch nie schwergefallen. Auch in diesen Tagen nicht. Denn wenn ich sehe, wie Kölner Handwerksbetriebe mit der Corona-Krise umgehen und wie viel Kreativität ihr unternehmerisches Denken in den letzten Wochen geprägt hat, dann weiß ich: der Weg, der vor Ihnen liegt, den werden sie meistern – wenn auch sicherlich mit dem ein oder anderen Stoßseufzer. Ich finde es richtig, dass die Bundesregierung Mitte der Woche angekündigt hat, das öffentliche Leben weiter normalisieren zu wollen. Dieser Mix aus Vorsicht und Zuversicht wird Handwerkerinnen und Handwerkern Kraft verleihen, nach vorne zu schauen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat in diesen Tagen gesagt, dass das Handwerk für unser Leben unverzichtbar sei und dass die Stadt Köln die Handwerkerschaft mit vorgezogenen Aufträgen in einer Höhe von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro unterstützen möchte. Dafür bin ich sehr dankbar, erinnere aber gleichzeitig daran, dass wir eine Erleichterung bei den Vergaberegeln brauchen und die zügige Bearbeitung zum Beispiel von Bauanträgen.

Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Geschäftsführung, Ford-Werke

Die Produktion unserer Branche ist durch das Corona–Virus fast komplett zum Erliegen gekommen und ich spreche hier nicht nur für die Hersteller, sondern besonders auch für die vielen mittelständischen, familiengeführten Betriebe unserer Händler und Zulieferer. Die Automobilindustrie ist eine industrielle Lokomotive für Köln und NRW. Nur ein schneller Neustart kann Arbeitsplätze und Wertschöpfung sichern. Gleichzeitig müssen die Regelungen zielgerichtet und verhältnismäßig sein und sollten das regional unterschiedliche Infektionsgeschehen berücksichtigen. – Ich denke, hier fahren wir in NRW einen guten Kurs.

Wir haben in dieser Woche die Produktion in unserem Kölner Werk wieder aufgenommen. Es ist schön zu sehen, dass unsere Mitarbeiter*innen in guter Stimmung an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt sind. Viele Mitarbeiter*innen werden auch weiterhin im Home-Office arbeiten. Die positive Art und Weise, mit der die Belegschaft die strengen Maßnahmen zum Infektionsschutz auf- und angenommen hat, freut mich sehr.

Wir sind diese außergewöhnliche Herausforderung erfolgreich angegangen und haben unsere Wirtschaftskraft unter Beweis gestellt. Das stimmt mich zuversichtlich für die nächsten Wochen und Monate. Hierfür hoffen wir natürlich auf weitreichende Konjunkturmaßnahmen, die dem gesamten Wirtschaftskreislauf und Konsumverhalten Impulse verleihen. Diese Maßnahmen müssen jetzt schnell beschlossen und umgesetzt werden.

Weniger erfreulich ist die Entwicklung zum Neubau der Leverkusener Brücke. Dies bedeutet eine nochmals längere Belastung für unser Werk, unsere Belegschaft und weiterhin sechsstellige Mehrkosten pro Jahr. Aus meiner Sicht ein weiterer Anlass, die Planung und Vergabe von Großprojekten zu überprüfen.