NEWSLETTER 07.10.2025
Was haben die Domplatte und die Kölner CDU gemeinsam? Ihre Statik steht auf dem Prüfstand. Ein kölsch-christlicher Inspektionsbericht.
Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,
jeder hat eine Meinung, wenn es um die Domplatte geht. Das Spektrum dürfte von futuristisch bis hässlich reichen. Mit anderen Worten: eine große Gruppe hätte nichts dagegen, das graue Monument abzureißen und den Dom in einem anderen Umfeld zu sehen.
Nun ist mehr als 50 Jahre nach Fertigstellung der Domplatte für solche Gedanken vielleicht der richtige Moment gekommen. Denn seit fast zwei Wochen wird die Domplatte auf ihren Untergrund untersucht. Der könnte schrecklicher aussehen als der Anblick von oben. Im Zentrum stehen die Säulen, die die Domplatte tragen. Sie sind in der allseits bekannten Tiefgarage zu sehen.
Wie tragfähig diese Stützen noch sind, untersucht die Stadt nun von oben und unten. Auf der Domplatte sollen noch bis Montag „Schürfarbeiten“ stattfinden, „um die darunterliegenden Abdichtungs- und Betonschichten zu untersuchen“, wie es offiziell heißt. Zuvor wurde im Sommer verlautbart, dass bei einer einzelnen Stütze „in einer vertieften Voruntersuchung mit Probenentnahmen“ festgestellt worden sei, dass sie nicht mehr die vorgeschriebene „Betonqualität“ aufweise.
Naja, wer mit zwei gesunden Augen die Baustelle betrachtet, stellt fest: auf der Westseite des Doms ist die Tiefgarage mittlerweile komplett gesperrt und weit mehr als eine Säule steht offensichtlich im Fokus der Arbeiten. Ein Fachmann vor Ort erzählt mir: „Eine Sanierung dauert bestimmt zwei Jahre!“ Die Stadt verweist darauf, dass im Dezember der Stadtrat über die Untersuchungsergebnisse informiert werden soll.
Unter vorgehaltener Hand berichten jedoch zuverlässige Quellen aus Stadtverwaltung, Kirche und Politik, dass die ersten Ergebnisse bedenklich ausgefallen sein sollen. Generell sei die Bausubstanz rund um den Dom allein durch den jahrzehntelangen Einsatz von Streusalz stark angegriffen. Ob nun eine, zehn oder hundert Säulen saniert werden müssten, sei gar nicht die entscheidende Frage. Die Stadt solle sich lieber überlegen, ob sie bei der jetzigen Konstruktion bleiben wolle oder doch ein Abriss und die anschließende Umgestaltung bevorzugt wird. Das wäre wohl gleichzeitig ein Startschuss, die Gestaltung der gesamten Innenstadt in Angriff zu nehmen.
Apropos Abriss: nach dem die Kölner CDU bei den Kommunalwahlen unter die Marke von 20 Prozent gefallen ist, rumort es bei den Christdemokraten an vielen Stellen. Dass der ehemalige Oberbürgermeister Fritz Schramma aus der Partei ausgetreten ist, spielt für mich dabei fast nur symbolischen Charakter. Parteichefin Güler, Fraktionschef Petelkau und OB-Kandidat Greitemann stehen in der zentralen Kritik.
In diesen Tagen soll bei der CDU nun das passieren, was an Wahlabenden von Politikern oft versprochen wird: die Ergebnisse sollen analysiert und Konsequenzen gezogen werden – zumindest für diejenigen, denen noch nicht klar war, dass Konsequenzen zu ziehen sind.
Das erstaunlichste Ergebnis bei den jüngsten Kommunalwahlen war für mich der Einzug der Kandidatin der Grünen und des Kandidaten der SPD in die Stichwahl. Wieso so zwei Personen aus den Mitte-Links-Lager? CDU-Kandidat Greitemann landete im ersten Wahlgang auf Platz drei – knapp hinter dem Sozialdemokraten Torsten Burmester. Greitemann fehlten 8.529 Stimmen für den Einzug in die Stichwahl, also knapp zwei Prozentpunkte.
Auf der Suche nach den Gründen möchte ich einen kleinen Input geben: ich habe öffentlich zugängliche Umfragedaten von infratest-dimap genutzt und die Social Media-Auftritte der Kandidaten verglichen. Dabei fällt auf, dass die CDU landesweit große Potentiale hatte – sogar bei Erstwählern. Zwar liegt die CDU bei der Stadtbevölkerung im Vergleich zum ländlichen Raum etwas zurück, aber immerhin. Noch zur Bundestagswahl im Februar dieses Jahres sahen die Zustimmungswerte für die Union schlechter aus. Die CDU in Köln hat schlichtweg Stimmen, anders als in vergleichbaren Städten, liegen gelassen.
Warum Markus Greitemann aber letztlich knapp scheiterte, führe ich vor allem auf einen mangelhaften Wahlkampf bei TikTok, Instagram und Facebook zurück. Allein die Zahlen bei den Instagram-Followern macht deutlich: der Grünen-Kandidatin Aymaz folgen 12-Mal mehr Menschen als Greitemann (Aymaz: ~23.000; Greitemann: <2.000). Selbst mancher Bürgermeister aus der Eifel hat mehr Anhänger auf dieser Plattform. Der spätere Gewinner der OB-Wahl, Burmester, hat im Vergleich zu Greitemann immerhin fünf Mal mehr Follower (~10.000).
Auch die Zahl der Stories und Verlinkungen der Kampagnen von Grünen und SPD war von deutlich höherer Schlagzahl geprägt als bei der Kölner CDU. Da steckt in meinen Augen noch nicht einmal viel Geld dahinter, wenn man weiß, wie sich Algorithmen für den Wahlkampf nutzen lassen. In meinem Umfeld kannten jedenfalls viele die beiden Kandidaten der späteren Stichwahl, weil sie über Social Media täglich auf den Handys präsent waren. Den CDU-Kandidaten kannte in meinem Umfeld dagegen kaum jemand. Angesicht der genannten Profildaten ist das wohl kein Wunder.
Gerne hätte ich den CDU-Kandidaten und die Wahlkampfmanagerin vor der parteiinternen Analyse zu den mir vorliegenden Daten zu Wort kommen lassen. Aber alle Anfragen (sie waren allesamt digital) liefen ins Leere. Das ist in Bezug auf meine Schlussfolgerung zum mangelhaften Wahlkampf im Internet wenigstens konsequent.
Bleiben sie standhaft!
Ihr
David Rühl