NEWSLETTER 01.05.2026

Heimatloses Erbe – kann das Stadtmuseum zurück ins Zeughaus? Und wer soll das bezahlen? Der Museumschef setzt auf neue Finanzierungswege

 

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

im erlesenen Kreis bedeutender und betuchter Gäste aus der Kölner Stadtgesellschaft öffnete Oberbürgermeister Burmester kürzlich ein Fenster in die Zukunft. An der dreißig Meter langen, festlich gedeckten Tafel beim Zeughaus-Dinner sprach er von „Kräftebündelung“ und einem „Gemeinschaftswerk“ im Hinblick auf die Sanierung des historischen Gebäudes und die Rückkehr des Kölnischen Stadtmuseums in das angestammte Haus. Nicht wenige an diesem Abend verstanden dies als Hinweis auf eine Öffnung der Stadt für neue Finanzierungswege. Angesichts der Haushaltslage wahrscheinlich der letzte Rettungsweg aus dem Sanierungsstau. Aber was heißt das genau für das Schicksal der unschätzbar wertvollen Sammlung zur Stadtgeschichte? Gibt es bereits Pläne, interessierte Investoren, Kostenprognosen für ein neues Kultur-Areal an der Zeughausstraße?

Das frage ich den Mann, der bei dem Thema wohl am nächsten dran ist: Dr. Matthias Hamann, Direktor des Kölnischen Stadtmuseums. Wir treffen uns dort, wo das Haus der Kölner Geschichte einmal beheimatet war: im Zeughaus. Die einst prägenden, aber inzwischen maroden rot-weißen Fensterläden sind aus Sicherheitsgründen abmontiert; das goldene Flügelauto von HA Schult muss wegen statischer Gefährdung des Turms noch im Mai an einen Standort am Rande der Altstadt versetzt werden. Die 1000 Quadratmeter große Halle im Erdgeschoss des Zeughauses ist leer. Fast leer, besser gesagt, denn ausgestellt werden hier derzeit die Entwürfe von Architekturstudierenden der TH Köln für ein neues Kultur-Quartier.

Kurzer Rückblick: Seit einem Wasserschaden 2017 ist das mehr als 400 Jahre alte Gebäude im jetzigen Zustand für den Museumsbetrieb nicht nutzbar. Ohne Klimatechnik und ohne vollständige Barrierefreiheit war das Haus ohnehin dringend sanierungsbedürftig. Die wichtigsten Exponate zur Kölner Stadthistorie werden seit 2024 provisorisch im Haus Sauer präsentiert, auf 700 Quadratmetern, für fast eine Million Euro Miete im Jahr. Das kann kein Dauerzustand sein. In einem Brief an den OB beklagen rund 50 Geschichtsvereine und Initiativen eine „Verzwergung unseres historischen Erbes“.

Museumsdirektor Hamann kann sich gut vorstellen, dass nach einer Sanierung des Zeughauses im Erdgeschoss und im ersten Stock die Dauerausstellung präsentiert wird und eine Fläche für Wechselausstellungen entsteht. Zu Sonderthemen beispielsweise, oder einzelnen Aspekten der riesigen Sammlung, die sich zum überwiegenden Teil im Depot befindet. So würden etwa historische Fotos, Reklametafeln oder Alltagsgegenstände für die Gegenwart aktiviert werden.  Die Erinnerungen, die damit verbunden sind, könnten Kölnerinnen und Kölner mit dem Museum teilen. Ein Ort für Public Science. „Wir laden die Bevölkerung ein, das Wissen der Stadt zu vermehren“, erklärt Matthias Hamann seine Vision von einem modernen Museum.

In den darüber liegenden Stockwerken wäre Raum, die Bibliothek mit 30 000 Bänden, die 100 000 Grafiken und Fotos sowie rund 60 000 Münzen und Medaillen zugänglich zu machen. Die benachbarte Alte Wache wäre aus Sicht des Museumschefs der richtige Ort für einen Veranstaltungssaal, der vermietet werden könnte, sowie für ein Café. Verbunden wären die beiden historischen Bauten durch einen neu gebauten Eingangsbereich, der sich – und das ist Hamann wichtig – nicht nur zur Zeughausstraße öffnet, sondern auch rückwärtig zur Burgmauer, damit eine Achse entsteht zum NS-Dokumentationszentrum und zur Stadt.

Überhaupt die Achsen. Die wichtigste führt vom Museumsareal zum Dom. Eine Neugestaltung der umliegenden Flächen, inklusive einer Verkehrsberuhigung der Zeughausstraße, so Matthias Hamann, „könnte das Zeughaus aus seiner Isolation befreien und aufwerten“. Dann ergäbe sich eine Anbindung an die Via Culturalis, die ebenfalls vom Stadtmuseum entwickelt wird. Denkbar wäre auch noch eine Bebauung der jetzt als Parkplatz genutzten Fläche gegenüber der Bezirksregierung mit einem Pavillon für eine weitere Ausstellungsfläche.

Soweit die Ideensammlung, daraus entsteht gerade im Team des Stadtmuseums und zusammen mit dem Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“ ein inhaltliches Konzept, das der Politik vorgelegt werden soll. Für die Finanzierung wird ebenfalls ein Plan entwickelt.  Museumsdirektor Hamann hat bereits Gespräche geführt, die ihn ermutigen, auf Investoren zu setzen. „Es gibt schon Interessenten, auch wenn das Rennen noch nicht eröffnet ist.“ Auch für Spenden sieht er eine große Bereitschaft. Zusammen mit Fördermitteln und einem Beitrag der Stadt könnte daraus ein Finanzplan werden.

Um welche Summe geht es dabei? Letzte Schätzungen lagen bei rund 90 Millionen Euro. Matthias Hamann hofft aber, dass sich die Pläne günstiger realisieren lassen. Möglicherweise mit einem alternativen Finanzierungsweg, den es noch auszuloten gilt. Von einem Genossenschaftsmodell bis zur Erbpacht ist dabei vieles denkbar. Museumschef Hamann hofft, dass die vom OB angedeutete Öffnung für neue Wege erst einmal ohne Denkverbote stattfindet. Denn: „Interessenten gibt es für unterschiedliche Modelle.“

Da in Köln bekanntermaßen manches auch schon mal länger dauern kann, war es kluge Voraussicht, dass die Geschichtsvereine- und Initiativen in ihrem Appell an den Oberbürgermeister weit in die Zukunft blicken, bis zur 2000-Jahr-Feier Kölns. „Wir halten es für unabdingbar“, heißt es in dem Brief, „dass die Darstellung unserer Geschichte dafür einen würdigen Rahmen bekommt, hinter dem sich die ganze Stadt versammeln kann.“ Das wäre dann im Jahr 2050.

Gespannt auf die neuen Kölner Wege grüßt herzlich

Ihre Cordula von Wysocki