NEWSLETTER 12.09.2025

Invasive Gänsearten erobern zunehmend den Grüngürtel. Erst wurden die heimischen Enten vertrieben. Sind als nächstes die Kölner dran?

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

mit teuflisch roten Augen starren sie mich zu Dutzenden an: Nilgänse am Aachener Weiher. Sie haben keine Scheu; Kinder bekommen schnell Angst. Es stinkt, denn die eigentlich sonst so grüne Wiese ist schlichtweg (Tschuldigung!) zugeschissen.

Invasive Tierarten nehmen auch die grüne und erholsame Gegend der Kölner Innenstadt zunehmend ein. Und vorab lässt sich sagen: so schlimm wie in der Innenstadt kann es mit Kanada- und Nilgänsen im Rest von Köln gar nicht sein. Und einige Kölner sind auch selbst daran schuld. Aber fangen wir vorne an…

Unabhängig von den aggressiven Nilgänsen hat sich auch die gemeine Kanadagans in Köln niedergelassen. Sie mutet zunächst harmlos an und sie kommt nicht so häufig vor wie die Nilgans. Diese breitet sich nämlich in Köln so stark aus wie keine andere ihrer Art. Nach Angaben der Stadtverwaltung hält sich die Population der Kanadagans seit drei Jahren stabil, während sich die Population der Nilgans mehr als verdoppelt hat. Das liegt aber nicht nur an der natürlichen Überlegenheit der Nilgans. Die Stadt Köln hat ein sogenanntes Gelege-Management erarbeitet, dass den gansen Nachwuchs begrenzen soll.

Mitarbeiter greifen dabei in die Brutplätze ein. Aus den Nestern werden in mehreren Durchgängen alle Eier bis auf eines entnommen. Der Bruterfolg soll somit reduziert, nicht aber gänslich verhindert werden. Bei der Kanadagans scheint es mit Blick auf die Populationsentwicklung gut zu funktionieren, aber gegen die Nilgans müsse der menschliche Eingriff in den Brutvorgang „effektiver ausgeweitet“ werden, heißt es von den Experten der Stadt. Aber, so wurde mir zugesagt, man sei an der Sache dran.

Letztlich könnte der Vogel auch abgeschossen werden (wenn Sie mir den Scherz erlauben). Tatsächlich dürfen beide Gänsearten gejagt werden. Sie werden es auch – aber nur an den Stadträndern. „Dadurch drücken die Gänse leider noch mehr in Richtung Innenstadt“, sagt mir Stadtsprecherin Sabine Wotzlaw auf Anfrage. Und wenn das nicht schon genug wäre: „Im innerstädtischen Bereich hingegen ist die Jagd verboten.“

Und so bliebe für den Grüngürtel nur eine radikale Lösung, die schon in anderen Städten gut geklappt hat. So gut, dass gleich die Stadtbevölkerung mit vertrieben wurde. „Um die Gänse zu vertreiben wäre es am einfachsten, alles hoch wachsen zu lassen,“ so Wotzlaw. Also das scheint auch keine probate Lösung zu sein.

Immerhin sorgen einige Kölner noch dafür, dass die Wiesen zwischen Universität und Colonius ein ideales Zuhause für invasive Arten sind. Denn – und das sagen sehr viele, die mit der Pflege des Grüngürtels zu tun haben – die Gänse werden „in großen Mengen massiv gefüttert“. Ich habe eine Frau mit der Plastiktüte, in der mindestens ein Kilo Brot gewesen sein muss, deshalb letztens freundlich angesprochen. Sie lässt es künftig bleiben.

Ich wünsche uns eine spannende Kommunalwahl und verbleibe mit

Herzlichen Grüße

Ihr

David Rühl