NEWSLETTER 28.11.2025

Die Debatte um mehr Sicherheit zeigt auch: Die Kölner Innenstadt ist zu ruhig geworden. Wir müssen zurück ins Stadtleben. Ein Appell.

 

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

in unserer Innenstadt werden mittlerweile die Bürgersteige hochgeklappt. Den ultimativen Beweis können Sie ab 23 Uhr zumindest montags bis mittwochs beobachten. Am Rudolfplatz, einst ein Hort des pulsierenden Abendlebens, schließen die Schnellrestaurants mittlerweile vor Mitternacht. Eine Zeitenwende ist eingesetzt. Als ich vor 20 Jahren nach Köln zog, gab es noch eine Chatgruppe mit hunderten Mitgliedern namens „Treffpunkt Mäkkes Rudolfplatz“. Der Laden hatte täglich 23 Stunden geöffnet! Diese Zeiten sind vorbei.

Mittlerweile grenzt es an ein Wunder, wenn nach Einbruch der Dunkelheit in Köln wirklich noch etwas passiert. Insbesondere junge Leute sind kaum noch zu sehen. Also die, die den Pulsschlag der Stadt einst hochgehalten haben. Gründe dürften die Preissteigerungen, aber auch die Corona-Pandemie sein.

Parallel nun das: das Sicherheitsgefühl nimmt ab – nicht nur in unserer Stadt, sondern bundesweit. Dem ARD-Deutschlandtrend zufolge sagt genau eine Hälfte der Bevölkerung, sie fühle sich eher sicher oder sehr sicher, und die andere Hälfe das Gegenteil. Die genauen Umfragedaten können Sie hier nachlesen.

Vergangene Wochen diskutierte der Kölner Presseclub zum Thema „zu dunkel, zu einsam, zu gefährlich – wo und warum sich Frauen in Köln nicht sicher fühlen“. Zu Gast waren IHK-Präsidentin Nicole Grünewald, Dr. Harald Rau, Kölner Dezernent für Soziales, Gesundheit und Wohnen, und CDU-Ratsmitglied Teresa De Bellis. Zusammen mit dem Publikum wurden die Angsträume in der Stadt deutlich: so ziemlich jeder große Platz in Köln wurde genannt.

Und mir persönlich wurde durch diverse Zwischenrufe deutlich: Männer winken gerne ab, während Frauen ihre Sorgen schildern. So zeigt es auch der ARD-Deutschlandtrend. So haben nur acht Prozent der Männer zumindest manchmal die Sorge, im öffentlichen Raum sexuell bedrängt zu werden, aber 38 Prozent der Frauen. Es stünde also manchem Genossen ganz gut, im richtigen Moment mal die Klappe zu halten und erstmal zuzuhören.

Umso erstaunlicher auch meine Erkenntnis: Eine Stadtplanung aus Sicht der Frauen, das hat es offenbar bislang nicht gegeben. Wien soll es dabei derzeit vormachen. Dort wurden dunkle Ecken ausgeleuchtet, Geschäfte und Lokale in Erdgeschossen belebt. Köln will sich daran laut Bürgermeisterin de Bellis ein Beispiel nehmen. Dezernent Rau ergänzt: auch Sauberkeit hinterlässt schon ein Gefühl der Sicherheit, nach dem Motto: hier kümmert sich einer! Verwahrlosung erzeuge ein Gefühl, der Zustand der Stadt sei egal, was eine gute Grundlage für Ängste sein könne. Wenn es danach geht, dürfte in Köln künftig wohl viel zu kehren sein.

Schließlich fehlten einfach Menschen in der Stadt, die sich dort gerne aufhalten – und zwar nicht nur am Tag. Das zeige beispielsweise der viel verhasste Ebertplatz. Tagsüber sei dort nun der alte Brunnen wieder aktiv und Gastronomie sorge dafür, dass sich genügend Publikum treffe. Nachts dagegen verkomme der Platz durch sprichwörtlich dunkle Gestalten.

Sorgenkind bleibt der Neumarkt, wo sich entgegen dem Ebertplatz wohl keine Gastronomie ansiedeln wird. Abgesehen von der Frage, wie mit dem Drogenkonsumraum am Neumarkt umgegangen werden soll, bleibt zu klären: wie holen sich die Kölner ihre Innenstadt zurück?

Das fängt meiner Meinung nach mit Sauberkeit und Polizeipräsenz an – allerdings auch in unseren Köpfen. Welches Argument hilft noch bei Angst, ob begründet oder unbegründet? Sofern die Politik endlich handelt, müssen auch wir Kölner es schaffen, diese Stadt wieder so lebenswert zu machen, wie wir sie uns wünschen. Hoffentlich ist das bald der Fall, damit auch am Rudolfplatz wieder rund um die Uhr Leben einkehren kann.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit!

 

Ihr

David Rühl