NEWSLETTER 30.01.2026
Über Köln als Paradies, Bordsteine als Energiespender und chinesische Handyhersteller
Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,
natürlich fällt es nicht leicht, im Zusammenhang mit Köln von Überholspur zu reden. Schließlich führen alle Gedanken rund um die Verkehrslage (und Verkehrspolitik!) der Stadt in eine mittelschwere Depression. Doch bei der E-Mobilität hat sich Köln gemausert. Im Vergleich zu anderen Städten ist sie für die Besitzer von Elektroautos fast so etwas wie ein Paradies – nun ja, paradiesisch zumindest im statistischen Sinn. Denn kaum irgendwo sonst ist das Zahlenverhältnis von E-Autos zu Ladesäulen so günstig wie in Köln. Und der Ausbau hat, nach dem Start mit einer Tanksäule der RheinEnergie an einem Parkhaus in der Lungengasse im Jahr 2010, an Dynamik deutlich gewonnen.
Mit einem erfolgreichen Pilotprojekt ist Köln in einer Vorreiterrolle. Im Stadtteil Lindenthal testeten Rheinmetall, die RheinEnergie-Tochter TankE und die Kommune sog. Ladebordsteine, die platzsparend und stadtbildschonend das Aufladen von Fahrzeugen am Bordstein möglich machen. Das Verfahren ist jetzt serienreif und macht Schule. Für RheinEnergie-Chef Andreas Feicht ist „Elektromobilität ein zentrales Geschäftsfeld.“ Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur setze man gemeinsam mit dem Partner The Mobility House auf „smarte, digitale Ladelösungen, die Energie- und Mobilitätswelt intelligent miteinander verbinden.“
Zur ganzen Wahrheit – und die ist oft etwas weniger strahlend – gehört neben dem forcierten Ausbautempo natürlich, dass dieses günstige Verhältnis daran liegt, dass Kölner bei der Nutzung von E-Autos im Bundesvergleich eher zu den E-Muffeln gehören. Da liegen andere Städte wie Berlin, Hamburg und München deutlich vorne, von Autostädten wie Wolfsburg, Stuttgart oder Ingolstadt ganz zu schweigen. Jedoch führt kein Weg daran vorbei, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch ist.
Dabei stand der Name Köln einmal für automobile Zukunft. Mit der Ansiedlung der deutschen Ford-Werke – übrigens gegen starke Konkurrenz unter anderem aus Düsseldorf – bewies der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer visionären Weitblick. Damit begann eine rund hundertjährige Erfolgsstory, die Köln viele gut bezahlte Arbeitsplätze, Renommee und Steuereinnahmen brachte.
Die allerdings droht zu enden. Köln mit seinen Ford-Werken musste schmerzlich lernen, dass auch bestraft wird, wer zu früh kommt: Ford setzte am Rhein ganz auf die E-Mobilität. Doch die in Köln produzierten E-Modelle Capri und Explorer können auf dem insgesamt derzeit schwachen europäischen Markt einfach keine Käufer finden. Eine offensichtlich falsche Modellpolitik und ein kaufunlustiger Konsumentenmarkt gefährden den Standort existentiell.
Das gilt längst nicht mehr nur für Köln. Lange Zeit war Deutschland für viele in der Welt ein Synonym für das Autoland schlechthin. Aufstieg und Wohlstand des Landes gründen seit Jahrzehnten auf dem Erfolg von Mercedes und BMW, von VW und Porsche. Doch jetzt zeigen chinesische Smartphone-Hersteller wie Xiaomi, dass sie bessere Sportwagen bauen können als Porsche und das zum halben Preis, wie unabhängige Tests ergaben. Zusätzlich wird der Massenmarkt mit Marken wie BYD zu konkurrenzlos billigen Preisen geflutet. Das Elektro-Zeitalter macht es möglich. Es ist eine Revolution und die ist nie gemütlich.
Ist das Schicksal der deutschen Vorzeige-Branche das der Dinosaurier? Oder kann sie nochmal durchstarten, Innovationskraft mobilisieren, sich auch im neuen Zeitalter behaupten? Diese Fragen sind Thema im Kölner Presseclub am 5. Februar mit der Person, die wie keine zweite Einblick und Expertise in den Maschinenraum dieser Branche hat, nämlich mit Hildegard Müller, der Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Aus erster Hand können wir erfahren, wie zukunftsfähig die deutschen Autobauer sind, mit welchen Strategien sie aus der Krise fahren wollen. Anmeldungen zu diesem spannenden Abend bitte unter info@koelner-presseclub.de. Wir freuen uns auf Sie.
In diesem Sinne grüße ich Sie, herzlich wie stets,
Ihr
Michael Hirz