Newsletter vom 25.02.2022

Ein Leben zwischen Verzweiflung und Modernisierungsschub –
Das Corona-Virus hat die Kölner Kultur (noch) nicht klein gekriegt

Sehr geehrte Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde des Kölner Presseclubs,

wofür brauchen wir Kultur? Sie scheint offenbar ein menschliches Urbedürfnis zu stillen. Darauf weisen zum Beispiel 64.000 Jahre alte Höhlenzeichnungen in Spanien hin, die Forscher vor wenigen Jahren dem Neandertaler zuschreiben mussten. Dem Ur-Menschen hatte man so etwas nicht zugetraut. Aber die Fakten ließen keinen anderen Schluss zu. Selbst hinter diesen einfachen Zeichnungen entdecke ich die Grundformel, die der Psychologe Jens Lönneker von „Rheingold Salon“ so formuliert: Kultur ist Ausdruck menschlicher Freiheit. Man findet sie jenseits des unmittelbar zum Leben Notwendigen. Anders ausgedrückt, denken wir über uns und die Welt nach und versuchen, unser Leben schön zu gestalten. Aber gerade dadurch löst Kultur auch Veränderungen aus und sendet neue Botschaften, schafft nicht nur Genuss, sondern provoziert auch.

Nun liegen zwei äußerst kulturarme Jahre hinter uns. Wegen der Corona-Pandemie legte die Politik buchstäblich alles still, Theater, Opernhäuser, die Kölner Philharmonie, Eventhallen, Kleinkunstbühnen, Museen und Sammlungen, Kammerorchester und Solisten. Öffentliche Kulturinstitutionen durften sich zum Glück auf den Staat verlassen wie auch Teile der freien Szene. Doch Solo-Selbstständige konnten mitunter ihren Beruf nicht mehr ausüben, wie Gerhardt Haag, Leiter des Kölner Africologne-Festivals, anmerkt. Er spricht von einer „riesigen Tragödie„.
Dazu passt auch der verzweifelte Hilferuf von Richard Bargel. Tausende Künstler seien in ihrer Existenz bedroht, warnt der Blues-Gitarrist aus der Kölner Südstadt.

Wie steht es um die Kultur in Köln? Wie ist sie bisher durch die Corona-Zeit gekommen? Das habe ich Kulturschaffende gefragt, aus deren Statements ich zitiere. In voller Länge dokumentieren wir sie im Anschluss an diesen Newsletter – also scrollen Sie bitte nach der Lektüre weiter. Einerseits ging es um die blanke Existenz, nicht ganz von der Bildfläche zu verschwinden, wie Stefan Löcher von der Lanxess-Arena bemerkt. Hervorzuheben sei, „dass viele Partner und Freunde aus der Kultur-Branche . . . überlebt haben“, schreibt er und fährt bitter fort: „Möchte man ein positives Fazit ziehen, dann, dass wir uns alle nicht haben unterkriegen lassen und zusammengerückt sind, als man uns über zwei Jahre lang alleine gelassen hat.“ Louwrens Langevoort, Chef der Kölner Philharmonie, klingt ähnlich: „Alle Regeln eines vernünftigen Marketings sind über Bord gegangen und wir treiben auf hoher See.“ Am schlimmsten seien die viel zu spät angekündigten Verordnungen des Landes NRW. Planungsmöglichkeit: Fehlanzeige.

Auf der Habenseite könne die Pandemie wie ein Verstärker für einen „Modernisierungsschub“ zu Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Teilhabe gesehen werden, urteilt Hermann Hollmann (Kölner Kulturrat). Auch Kölner Oper, Schauspiel, das Museum Ludwig und Africologne heben digitale Verbreitungswege hervor, die die Zahl der Zuhörer und Zuschauer auf einen Schlag vergrößerten. Der Moderator einer Africologne-Diskussion etwa wurde aus dem Senegal digital mit ExpertInnen aus zwölf Ländern verbunden. Yilmaz Dziewior vom Museum Ludwig verweist auf einen digitalen 360-Grad-Rundgang durch sein Haus, einen Podcast und neue Social-Media-Formate. Gleichwohl hat durch das Stakkato von Öffnungen und Schließungen die klassische Museumsarbeit gelitten. Auch Wallraf-Chef Marcus Dekiert schaut sorgenvoll auf steigende Kosten für Transport, Reisen und Material sowie das Ausbleiben auswärtiger Gäste.

Corona wird auch auf der Agenda für die erste Präsenz-Veranstaltung stehen, die der Kölner Presseclub in 2022 anbietet. Mit Kulturdezernent Stefan Charles spricht meine Kollegin Claudia Hessel am Donnerstag, 10. März, 19.30 Uhr, im Hotel Excelsior Ernst. Im Anschluss laden wir Sie auf ein Glas ein. Anmeldungen bitte an: info@koelner-presseclub.de.

Kunst spricht die Sinne an, sagt der Psychologe Lönneker, schafft neue Räume, wenn sie Anknüpfungspunkte an unser Leben identifiziert und sie verbindet – Gesellschaften wie auch ein Publikum. Auch das ist es, was den Kunstgenuss ausmacht – nicht mehr allein zu Hause zu sitzen, sondern ein Gefühl von Einigkeit und Gemeinsamkeit zu erleben. Das Publikum aber ist heute die große Unbekannte. Wird es wie früher, mit ausverkauften Häusern? Oder haben Menschen sich entfernt, weil Nähe ihnen nicht mehr geheuer ist und sie Alternativen in den eigenen vier Wänden gefunden haben?

Solche Gedanken mögen auch Stefan Bachmann, den Schauspielintendanten, umtreiben. Welche Auswirkungen die Pandemie-Jahre langfristig auf Theaterszene und soziales Miteinander haben, werde sich wohl erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Zahlen aus der Publikums- und Abo-Struktur werden Veränderungen erkennbar machen. Optimistisch ist Birgit Meyer, die Intendantin der Kölner Oper. Aus dem Publikum seien viele bewegende Rückmeldungen eingegangen. Und die nächste Premiere – Mozarts „Entführung aus dem Serail“ – samt sämtlicher folgender Vorstellungen ist bereits ausverkauft.

Dieser Newsletter ist eine Momentaufnahme. Der Frühling naht und das Omikron-Virus mag lästig sein, hat sich bislang aber nicht als sehr bedrohlich erwiesen. Warten wir ab, was als nächstes um die virale Ecke kommt. Daher hat noch einmal der Psychologe das vorletzte Wort: Wenn wir leiden, wenn es um Leben oder Sterben geht, dann leidet auch die Kultur.

Das lenkt unseren Blick nach Osten. Russische Soldaten rücken auf die ukrainische Hauptstadt Kiew vor. Niemandem, den ich kenne, ist jetzt nach Karneval zumute. Ein stilles Wochenende steht vor meiner Tür. Umso wacher werde ich die Zerstörung durch den Krieg in der Ukraine wahrnehmen, die nicht an Landesgrenzen endet. Hier fällt ein Bild davon in Trümmer, wie Staaten miteinander umgehen können – im Vertrauen auf gemeinsame und unveräußerliche Grundwerte. Dies ist ein Krieg, wie wir ihn uns nicht mehr vorstellen konnten, Präsidenten, Kanzler und Regierungschefs eingeschlossen. Allesamt sprachen sie bei Wladimir Putin in Moskau vor, weil sie glaubten, er sei anderer als der Kriegsherr, den wir jetzt erleben.

Nachdenklich grüßt Ihr

Ihr

Peter Pauls

Wie kamen Sie bisher durch Corona?

Wir fragten (Uhrzeiger v. lks.): Stefan Bachmann (Schauspiel), Birgit Meyer (Oper), Hermann Hollmann (Kulturrat), Stefan Löcher (Lanxess Arena). Weitere Beiträge von Marcus Dekiert (Wallraf), Yilmaz Dziewior (Museum Ludwig), Garhardt Haag (Africologne), Louwrens Langevoort (Kölner Philharmonie).

Stefan Bachmann, Schauspiel Köln

„Das Schauspiel Köln ist alles in allem gut durch diese schwierigen Zeiten gekommen und ich bin stolz auf das, was das Haus und die Künstlerinnen und Künstler geleistet haben. Angefangen bei unserem außerordentlichen Streaming-Programm während des Lockdowns, mit dem wir es bis in die New York Times geschafft haben, bis hin zur Wiederbelebung des Live-Repertoires mit vielen sehr starken Arbeiten. Manchmal scheinen Krisen ja durchaus belebend für die Kunst zu sein. Jedenfalls haben wir nicht aus Angst vor dem Tod Selbstmord begangen, sondern sind der Situation mit Kreativität und dem Mut, neue Wege zu gehen, entgegengetreten. Dabei hat es natürlich sehr geholfen, dass wir subventioniert sind. Wir haben zudem das Glück, dass Nordrhein-Westfalen zu seinen Kulturinstitutionen steht, inklusive dem Versprechen in den nächsten Jahren die entstandenen Defizite auszugleichen, das stimmt uns optimistisch. Welche Auswirkungen die Zeit langfristig auf die Theaterszene und unser soziales Miteinander haben wird, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren zeigen, vor allem mit Blick auf Publikums- und Abo-Struktur.“

Marcus Dekiert, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM&FC)

An den gewaltigen Erfolg der Ausstellung „Inside Rembrandt“ mit über 160.000 Besucherinnen und Besuchern bis zum 01.03.2020 schloss sich unmittelbar die jetzt zwei Jahre währende pandemisch bestimmte Zeit an. Ein maximales Kontrastprogramm! Mehrmonatige Schließungen wechselten in der Folge mit für das Publikum unterschiedlich regulierten Öffnungsperioden. Größere und kleinere Ausstellungsprojekte mussten (z.T. mehrfach) verschoben, nicht selten konzeptuell angepasst werden. Die erheblichste Schwierigkeit war die Unabsehbarkeit der Entwicklung der Pandemie und die sich ergebende allgemeine Planungsunsicherheit. Die Besuchszahlen lagen und liegen noch stets deutlich unter jenen der Vorjahre. Merkbar war und ist nicht zuletzt die sehr begrenzte Zahl auswärtiger Gäste (national und vor allem international). Eine große Herausforderung bleibt die Sicherstellung der Finanzierung von Projekten bei zu erwartender geringerer Besuchszahl und zugleich steigenden Kosten (Transport, Reisen, Material etc.).
Insgesamt aber geht der Blick jetzt hoffnungsfroh nach vorne: Im kommenden Winter zeigen wir im Wallraf mit „SUSANNA. Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo“ eine große Sonderausstellung mit herausragenden Kunstwerken aus internationalen Sammlungen und bedeutsamem Gegenwartsbezug.

Yilmaz Dziewior, Museum Ludwig

Natürlich haben wir es sehr bedauert, unsere Türen so lang geschlossen halten zu müssen. Die Ausstellung Andy Warhol Now hätten viel mehr Menschen gern gesehen.
Die politische Diskussion während des Lockdowns hat letztlich das Bewusstsein der Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft geschärft.

Die Beschränkungen der Pandemie haben dazu beigetragen, die Digitalisierung stärker in den Fokus zu nehmen. Wir haben mit einer Agentur ein Konzept erarbeitet und unsere digitalen Aktivitäten ausgeweitet, beispielsweise mit einem 360 Grad Rundgang, einem Podcast und neuen Formaten auf unseren Social Media Kanälen. Dies sind wichtige Maßnahmen, um mit unseren Besucher*innen in Kontakt zu bleiben.

Eine weitere Debatte, die Corona verstärkt hat, ist die der Nachhaltigkeit. Wir waren gezwungen, viele Treffen online abzuhalten, konnten nicht reisen. Ausstellungen und Kunsttransporte mussten verschoben werden. Das hat zum Überdenken unserer Arbeitsweise geführt. Welche Dienstreisen müssen wirklich sein? Können wir auch Ausstellungen ohne physische Leihgaben realisieren? Wo können wir im täglichen Museumsbetrieb Ressourcen einsparen? Es hat sich ein Team Nachhaltigkeit im Museum Ludwig gebildet, das den Weg zu einem grünen Museum verfolgt und das natürlich über die Zeit der Pandemie hinaus.

Hermann Hollmann , Kölner Kulturrat

Wir halten es zu diesem Zeitpunkt für verfrüht, eine auch nur vorläufige Corona-Bilanz zu ziehen. Es gibt auch zu große Unterschiede zwischen der Situation der öffentlichen Kultureinrichtungen und der freien Szene.

Die Unterstützungsprogramme von Bund, Land und Stadt haben sicherlich dazu beigetragen, dass viele Kultureinrichtungen und Veranstalter zumindest finanziell einigermaßen durch die Pandemie gekommen sind, aber auch hier stellt sich die Frage, was 2022 ff. geschehen wird, wenn Corona weiterhin die Arbeit beeinträchtigt (Ausfälle von Veranstaltungen wegen Krankheit etc.), aber die Fördermöglichkeiten nach und nach schwinden.

Viele freischaffende Künstler*innen konnten sich nur durch Stipendienprogramme (soweit sie sich dafür qualifizieren konnten) und private Hilfsaktionen über Wasser halten. Manche haben sich vollständig von einem Leben für und mit der Kunst verabschieden müssen, bei anderen hat die inhaltliche Arbeit durch den Wegfall von Aufführungsmöglichkeiten stark gelitten. Jedenfalls hat die Pandemie die schlechte Einkunftssituation von freien Künstler*innen sehr deutlich gemacht. Hier wäre es interessant herauszufinden, wie viele die künstlerische Arbeit eingestellt haben.

Auf der Habenseite hat die Pandemie wie ein Verstärker für einen „Modernisierungsschub“ gesorgt bei Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Teilhabe. Angesichts einsetzender Digital-Müdigkeit einerseits und immer noch bestehender Zurückhaltung des Publikums bei Präsenzveranstaltungen andererseits werden duale bzw. hybride Formate relevant bleiben oder auch ausgebaut werden müssen (wenn man solche technisch und finanziell darstellen kann). Digitale Angebote haben häufig zu einer höheren Publikumsteilnahme gesorgt, aber gerade für die freien Kulturschaffenden nicht die notwendigen Einnahmen generiert.

Eine positive Erfahrung bestand darin, dass mit öffentlichen Geldern häufig unbürokratisch und effizient geholfen wurde, ohne dass wohl nennenswerte „MItnahmeeffekte“ entstanden. Für viele Kultureinrichtungen und -veranstalter gibt es auch die Herausforderung, das Publikum zurückzugewinnen, das sich aus Vorsicht oder Bequemlichkeit oder Planungsunsicherheit von regelmäßigem „Kulturkonsum“ entfernt hat.

Gerhardt Haag, Africologne

Mein Eindruck: Die städtischen Kulturinstitute wie auch die Institutionen der Freien Szene sind einerseits durch unglaubliche Anstrengungen des Aufrechterhaltens der Öffnung für Publikum, andererseits durch nie dagewesene Förderungen der öffentlichen Hände einigermaßen gut durch die zwei Jahre gekommen. Ganz hart getroffen sind die sog. Solo-Selbständigen, von denen sehr sehr viele ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Das ist eine riesige Tragödie.

Es scheint mir, als hätten wir einen Teil des Publikums verloren. Derzeit bleiben viele dann doch zuhause aus Furcht, aus Bequemlichkeit – hoffentlich nicht aus dem Gefühl: Es geht doch auch ohne. Die Anstrengungen der Kulturschaffenden, das Publikum zurückzugewinnen, müssen immens sein. Andererseits eröffnen hybride Formate, die geradezu einen Boom erleben, ganz andere Reichweiten. Das unterstreicht die Internationalität im Kunstschaffen und unterstützt internationalen Austausch. Allerdings: ein Theater- oder Tanzstück, einen Kinofilm auf dem kleinen Bildschirm zu sehen ist wie ein Fotoband von Picasso oder Gerhard Richter durch zu blättern. Man setzt sich der Kunst nicht aus, man ist im geschützten Raum, zuhause, allein.

Beim 6. africologneFESTIVAL im Juni und September 21 haben uns die Corona-Einschränkungen voll erwischt. Im Vorfeld waren Reisen unseres Teams zu Festivals insofern erschwert als die Festivals entweder verschoben oder abgesagt wurden. Wir hatten bis kurz vor knapp keine Planungssicherheit, ob wir die Produktionen einladen können oder nicht. Bei einer Koproduktion (Le Syndrome de la pintade) wurde dann in Burkina Faso die Uraufführung aufgezeichnet und daraus eine Filmversion erstellt. Die boten wir dann im Stream an. Der Leiter des dialogFORUMS aus dem Senegal bekam von seinem Arbeitgeber nicht die Erlaubnis, nach Deutschland zu fliegen. Also moderierte er aus Dakar per Zoom die Panels, bei denen Expert:innen aus 12 Ländern digital verbunden waren.

D.h. Die internationale Kulturarbeit und die Zusammenarbeit mit afrikanischen Künstlerkollektiven war auf den bekannten Wegen erschwert bis unmöglich. Aber es mussten und müssen dann eben neue Wege der Verbindung und Kollaboration entdeckt und gegangen werden. Insofern setzen die Corona-Beschränkungen auch viel Kreativität frei.

Louwrens Langevoort, Kölner Philharmonie

Seit dem 9. März 2020 bis jetzt sind Konzerte in unterschiedlichen Phasen von Kurzarbeit oder behördlichen Regelungen ausgefallen. Dazu gibt es auch immer noch einzelne Absagen von Veranstaltungen durch private Veranstalter, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht stattfinden können. Fast zwei Jahre Rangierbahnhof und das Publikum vertrösten mit neuen Terminen, Gutscheinen oder einfach „Geld zurück“. Alle Regeln eines vernünftigen Marketings sind über Bord gegangen und wir treiben auf hoher See.

Kein schönes Szenario. Deshalb spreche ich seit zwei Jahren von einer „sportlichen Herausforderung“ durch die Pandemie. Eine Untertreibung, denn die äußeren und innerbetrieblichen Folgen sind massiv. Am schlimmsten waren die immer viel zu spät angekündigten Verordnungen des Landes NRW. Planungsmöglichkeit: Fehlanzeige. Oder ich muss es jetzt im Februar 2022 so sagen: Ja zu Brauchtum, nein zu Konzert und Theater.

Der finanziellen Schaden sollte eigentlich von einem Sonderfonds ausgeglichen werden. Auch hier noch keine Zusage in zwei Jahren. Die Stadt Köln meint, zuerst müssen die Rücklagen verbraucht werden und friert vorerst die Zuwendungen ein. Der Stadtrat schweigt fast still und tut, was die Kämmerin will.

Dabei hat Köln doch schon genug Baustellen.

Birgit Meyer, Opernintendantin

In dieser für uns alle so herausfordernden Zeit bin ich dankbar und froh, dass wir trotzdem zahlreiche Produktionen verwirklichen konnten. Unser von Anfang an mit großer Sorgfalt geplantes Sicherheits- und Hygienekonzept hat sich bewährt und die vielen bewegenden Rückmeldungen seitens des Publikums verdeutlichen eindrücklich, wie wichtig Kunst- und Kulturangebote gerade auch in schwierigen Zeiten sind. Sie geben Freude und Zuversicht.

Ich kann somit festhalten, dass die Oper Köln trotz Pandemie auf eine reiche künstlerische Zeit zurückblickt: zum ersten Mal in ihrer Geschichte zeigte die Oper in der Spielzeit 20/ 21 mehrere Premieren im Stream, darunter auch das Divertissementchen 2021. Darüber hinaus realisierte sie in der laufenden Spielzeit wegweisende Neuproduktionen wie Erich Wolfgang Korngolds »Die tote Stadt«, Kaija Saariahos »L’amour de loin«, »Die Vögel« von Walter Braunfels, den kompletten »Ring des Nibelungen für Jung und Alt« und in der Kinderoper die Uraufführung von »Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor«. 109 Veranstaltungen wurden seit September 2021 vor Publikum gespielt; nur 4 Abende entfielen coronabedingt.

Die nächste Premiere plus alle folgenden Vorstellungen von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ ab 13. März 2022 sind bereits ausverkauft. Dieser Zuspruch seitens des Publikums geht nicht zuletzt auf unsere vielfältigen Angebote und unsere intensive Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs – dem Publikum von morgen – zurück. Dazu zählt das breite pädagogische Angebot der Abteilung Theater und Schule, die zahlreichen Vorstellungen der Kinderoper und weitere Projekte, wie „Oper für Jung und Alt“, das Menschen mit Demenz und ihren Begleiter*innen Opernbesuche in der Kinderoper Köln ermöglicht und damit eine Vorreiterrolle an deutschen Opernhäusern einnimmt.“