Zum Tod von Günter Bannas
Manchmal ist es der Tod eines einzelnen Menschen, der uns zeigt, wie sehr eine Gesellschaft sich verändert hat. Günter Bannas ist so ein Mensch. Jahrzehntelang prägte er als Korrespondent und Büroleiter der FAZ die politische Berichterstattung, erst aus Bonn, nach dem Hauptstadtumzug dann aus Berlin. Er war für das liberal-konservative Blatt einer der letzten großen Erklärer, ein Journalist alter Prägung – präzise, umfassend, unideologisch. Wer wissen wollte, wie Politik in der Hauptstadt funktionierte, kam an Bannas nicht vorbei. Nicht weil er am lautesten war, sondern weil er am genauesten hinsah. Bannas lieferte den Beweis, dass seriös nicht heißt, langweilig zu berichten – im Gegenteil.
Aufgeregtheit und Polemik waren seine Sache nicht, er war überzeugt vom vorurteilsfreien Ringen um das bessere Argument, auch vom vernünftigen Kompromiss. Er wollte sein bürgerliches Publikum mit Berichten und Kommentaren in die Lage versetzen, ein eigenes, abgewogenes Urteil zu ermöglichen. Damit war Günter Bannas das Gegenteil eines der kurzatmigen Content-Lieferanten, die hyperventilierend mit ihren hektischen Posts die sogenannten Sozialen Medien fluten.
Ich kannte Günter Bannas seit 1988, als ich beim WDR unter anderem zuständig war für den ARD-Presseclub. Später, als ich für Phoenix verantwortlich war, begegneten wir uns häufig in Berlin, wo er in zahllosen Sendungen für Erkenntnisgewinn sorgte. Mit Köln verband ihn ein besonderes Verhältnis, er hat hier studiert und ist sein Leben lang – zumindest emotional – Bürger dieser Stadt gewesen, die er trotz aller Mängel für ihre Toleranz und Offenheit liebte.
Als Kölner Presseclub trauern wir um einen Freund und herausragenden Vertreter eines Berufsstands, der im Sturm einer existentiellen Veränderung steht. Aber nicht nur der Journalismus steht vor fundamentalen Herausforderungen – die gesamte Gesellschaft ist von geopolitischen, wirtschaftlichen und technologischen Umbrüchen betroffen. Gerade in solchen Situationen braucht es nüchterne Analysen, keine egomanen Polit-Influencer, die mit verbalem Krawall und peinlicher Selbstdarstellung die sogenannten Sozialen Medien überschwemmen. Kurz: Die Zeit braucht Journalistinnen und Journalisten wie Günter Bannas.
Michael Hirz